Streit mit Leo XIV.

Trump allmächtig? Der US-Präsident provoziert die Kirche

14. April 2026, 15:11 Uhr · Quelle: dpa
US-Präsident Trump
Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump legt sich mit der katholischen Kirche an.
Sieht sich Donald Trump als Heiland? Mit seiner Kritik am Papst und einem blasphemisch anmutenden KI-Bild verärgert der US-Präsident selbst treuste Anhänger.

Washington (dpa) - In weißem Gewand und rotem Umhang legt US-Präsident Donald Trump einem Mann im Krankenbett seine heilende Hand auf die Stirn. Eine Frau betet, im Hintergrund fliegen Kampfflugzeuge, und die Freiheitsstatue thront neben der amerikanischen Flagge. Was klingt wie eine Karikatur, ist ein inzwischen gelöschtes KI-Bild, das Trump während seines Feldzugs gegen den in Chicago geborenen Papst Leo XIV. gepostet hatte. Hat sich der US-Präsident in seinen Allmachtsfantasien mit der falschen Wählergruppe angelegt?

Der «Präsident greift den Papst scharf an und erntet heftige Kritik», schrieb die «New York Times» nach selbst für Trump außergewöhnlichen Stunden. In den USA äußerten sich mehrere einflussreiche Geistliche mindestens besorgt. «Ich bin bestürzt», sagte Erzbischof Paul Coakley als Vorsitzender der US-Bischofskonferenz. Die «Washington Post» schrieb, Trump riskiere, «konservative Katholiken zu verprellen».

Rund ein Fünftel der erwachsenen US-Amerikaner sind Katholiken, in unterschiedlicher Ausprägung. Trump gehört der größeren Glaubensgruppe der Protestanten an, sein Vizepräsident JD Vance war vor Jahren zum römisch-katholischen Glauben konvertiert. In Trumps republikanischer Kernzielgruppe sind der Glaube an Gott und konservative Werte in großen Teilen tief verwurzelt - anders als die evangelikalen Protestanten sind die Katholiken bei Wahlen aber stärker gespalten, sie gelten als sogenannte «Swing»-Gruppe, die für das Ergebnis entscheidend sein kann.

Im Februar, Wochen vor den aktuellen Trump-Angriffen auf den Papst, zeigte das Forschungsinstitut Pew Research Center auf, dass immer weniger der weißen Katholiken davon überzeugt sind, dass der US-Präsident im Amt ethisch handele. Bei den sogenannten Midterms im November muss Trump vor allem im Repräsentantenhaus eine hauchdünne Mehrheit verteidigen - eine Niederlage würde enorme politische Einschränkungen bedeuten. Trump würde zur «lame duck» (lahmen Ente) statt zum Heiland.

Nur ein Scherz statt Blasphemie? 

Entsprechend versuchte der US-Präsident, Schadensbegrenzung zu betreiben - wie gehabt ohne dabei einen Fehler einzugestehen. Das KI-Bild habe ihn als Arzt zeigen sollen, und er helfe ja schließlich den Menschen, sagte Trump. Auf die dramatische Inszenierung des Bildes, die Künstler oft in religiösem Kontext nutzen, und die Vorwürfe der Blasphemie ging der US-Präsident nicht ein. Sein Vize Vance sagte, Trump habe das Bild «als Scherz gepostet», und dann gesehen, dass «eine Menge Leute seinen Humor in dem Fall nicht verstehen».

Trumps Kritik an Papst Leo XIV. wegen dessen Äußerungen im Iran-Krieg bekräftigte Vance aber. Der 41-Jährige empfahl dem Papst, sich aus der US-Politik herauszuhalten. «In manchen Fällen wäre es das Beste für den Vatikan, sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren», sagte Vance in einem Interview des Senders Fox News. Dass sich der Papst für die Dinge einsetze, die ihm wichtig sind, sei gut, aber die US-Politik solle er dem Präsidenten der Vereinigten Staaten überlassen.

Das Verhältnis zwischen dem Papst und Trump ist seit längerer Zeit angespannt. Die jüngste Auseinandersetzung begann, als der US-Präsident dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vorwarf, eine «schreckliche» Außenpolitik zu betreiben. «Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Leo XIV. antwortete unter anderem: «Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.»

US-Erzbischof Coakley sagte, der Papst sei nicht Trumps Rivale und auch kein Politiker. «Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus spricht und für das Wohl der Seelen sorgt.» Der Erzbischof von Denver, James Golka, verwies auf die katholische Lehre, die dazu aufrufe, «die Würde jedes Menschen zu achten und uns mit Höflichkeit und Respekt am öffentlichen Leben zu beteiligen».

Ärger mit langer Vorgeschichte

Leo war gleich nach seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres als «Anti-Trump» bezeichnet worden - der jetzige Ärger hat eine lange Vorgeschichte. Bereits als einfacher Kardinal unter seinem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost hatte sich Leo gegen Äußerungen von Vance zur Migrationspolitik gestellt, der gesagt hatte, Christen sollten sich erst um die eigene Familie kümmern und dann um den Rest der Welt: «JD Vance liegt falsch: Jesus verlangt nicht von uns, unsere Liebe zu anderen abzustufen.»

Sich mit dem Vatikan anzulegen, schien für die Trump-Regierung immer vertretbar. Trump kam zwar zur Trauerfeier für Leos Vorgänger Franziskus, nicht aber zur Amtseinführung des ersten Pontifex aus den USA. In den ersten Monaten seiner Amtszeit machte Leo dann mehrfach deutlich, dass er die Dinge anders sieht als Leute wie Trump. Anfangs nannte er den US-Präsidenten aber nie beim Namen - das hat sich inzwischen geändert.

Krieg / Konflikte / Regierung / Religion / USA / Vatikan / Iran
14.04.2026 · 15:11 Uhr
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