Transatlantische Spannungen: Bayer warnt vor wirtschaftlichen Gefahren für Europa
Bayer-Cheflobbyist Matthias Berninger sieht den Zerfall des transatlantischen Wirtschaftsraums als eine der gravierendsten Bedrohungen für Europas Wirtschaft. Seiner Meinung nach birgt das potenzielle Wegfallen der Zusammenarbeit mit den USA erhebliches Gefahrenpotenzial. Gerade in einer Welt, die sich zunehmend von einer regelbasierten zu einer machtbasierten Ordnung verschiebt, ist die Einheit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten essenziell. Berninger betont, dass die oft diskutierte Entkopplung von China zwar ein Thema bleibt, aber die Trennung von den USA noch bedrohlicher sei. Europas Unternehmen benötigen ein starkes, geeintes Europa, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gleichzeitig ruft Berninger die Europäer dazu auf, ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu entwickeln, um nicht ins Visier von ehemaligen US-Präsidenten wie Donald Trump zu geraten. Ein aktuelles Beispiel ist die Fortschrittlichkeit Europas in der landwirtschaftlichen Biotechnologie. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Genom-Editierung in Lebensmitteln nimmt zu, da der Fokus zunehmend auf steigenden Nahrungsmittelpreisen liegt. Besonders wichtig sei es, dass Europa innovative biotechnologische Methoden zügig zulässt.
Der Agrarsektor könnte ohne diese entscheidenden Technologien erheblich unter dem Klimawandel leiden. Ansonsten drohten insbesondere im Weizensektor, der für viele Regionen, darunter auch Teile Afrikas, strategisch wichtig ist, langfristig massive Herausforderungen. Sollten die regulatorischen Hürden für genom-editierte Technologien jedoch zu hoch sein, riskiere Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Landwirtschaft. Matthias Berninger stellt abschließend fest, dass dies im schlimmsten Fall „den Lichtern im Weizenbereich ein Ende setzen könnte“.
Der Agrarkonzern Bayer, stark sowohl in Europa als auch in Nordamerika positioniert, hat 2018 den US-Konkurrenten Monsanto übernommen. Das erwarb dem Unternehmen nicht nur einen Vorsprung, sondern auch Rechtsstreitigkeiten rund um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, die ebenfalls die Bilanzen belasteten. Doch zuletzt gab es positive Entwicklungen in diesen Klagen, was den Aktienkurs von Bayer stabilisierte. Berninger bleibt zuversichtlich, dass die Altlasten bis Jahresende signifikant abnehmen werden.

