Tiktok einigt sich außergerichtlich – Prozesse gegen Meta und YouTube gehen weiter
Im Kontext eines weitreichenden US-Verfahrens um den potenziellen Suchtfaktor von Online-Plattformen hat sich Tiktok durch einen Vergleich einem öffentlichen Prozess entzogen. Währenddessen werden die Klagen gegen den Facebook-Mutterkonzern Meta und die Video-Plattform YouTube fortgeführt, wie Klägeranwalt Joseph VanZandt bekanntgab. Zu den Details des Vergleichs mit Tiktok äußerte er sich nicht weiter. In Los Angeles hat inzwischen die Auswahl der Geschworenen für die anstehenden Prozesse begonnen.
Tiktok und ähnliche Plattformen stehen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa zunehmend unter Beschuss. Europäische Kritiker, darunter der Digitalexperte Markus Beckedahl, warnen vor der suchtfördernden Gestaltung der Tiktok-App. Sie argumentieren, dass das Design darauf abziele, Nutzer so lange wie möglich zu binden. Der Vorwurf: Tiktok nutze ein Belohnungssystem, das auf der variablen Belohnung basiert – vergleichbar mit Glücksspielautomaten. Diese Mechanik, die auch bei Plattformen wie Instagram und Snapchat zur Anwendung kommt, führe zum sogenannten 'Endless Scrolling'.
Zudem sieht sich Tiktok wegen seiner chinesischen Wurzeln in der Kritik: Die Sorge, dass Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben werden könnten, führte bereits zum Verbot der App auf Diensthandys in zahlreichen EU-Institutionen. Tiktok bestreitet die Vorwürfe und verweist auf seine Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Auch das politische Neutralitätsversprechen von Tiktoks Algorithmus wird infrage gestellt. Kritiker befürchten eine Bevorzugung bestimmter politischer Strömungen und die Unterdrückung kritischer Themen wie Menschenrechte.
Parallel dazu wehrt sich Tiktok gegen geplante Regulierungen in Frankreich. Die Nationalversammlung befürwortete kürzlich ein Verbot von Online-Netzwerken für Minderjährige unter 15 Jahren, das auch Plattformen wie Instagram und Snapchat betreffen könnte. Präsident Macron unterstützt diese Maßnahmen aktiv.
In den USA erhebt die Klägerin im aktuellen Prozess schwere Vorwürfe gegen die Plattformen, sie hätten gezielt süchtig machende Elemente eingebaut. Die Angeklagten verweisen auf eingeführte Schutzmaßnahmen für junge Nutzer. Eine Einigung wurde kürzlich auch von den Betreibern der App Snapchat erzielt.

