Katholische Kirche

Welt trauert um Papst Franziskus als «Mann des Friedens»

21. April 2025, 20:55 Uhr · Quelle: dpa
Der Argentinier wollte vieles anders machen in der katholischen Kirche. Aber mit großen Reformen tat er sich schwer. Nun ist er mit 88 Jahren gestorben - wenige Stunden nur nach einem letzten Appell.

Rom (dpa) - Die Welt trauert um Papst Franziskus. Das Oberhaupt von mehr als 1,4 Milliarden Katholiken starb am Ostermontag in seiner Residenz im Vatikan im Alter von 88 Jahren an einem Schlaganfall. Der gebürtige Argentinier hatte nur wenige Stunden vorher noch zum wichtigsten Fest der Christenheit ein letztes Mal den Segen Urbi et Orbi gespendet und sich den Gläubigen im offenen Papamobil gezeigt. Franziskus, der im Frühjahr wegen einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung 38 Tage im Krankenhaus gelegen hatte, wirkte bereits sehr geschwächt.

Mit einem Pontifikat von zwölf Jahren, einem Monat und einer Woche gehört Franziskus zu den Päpsten, die für die katholische Kirche prägend waren. Aus aller Welt und über die Grenzen der Religionen hinweg gingen Kondolenzschreiben ein. Mit seinen 88 Jahren war der Jesuit der zweitälteste Papst der Geschichte. Der Schlaganfall am frühen Morgen führte zum Koma und Herzversagen, wie der Vatikan am Abend mitteilte.

Letzter Appell in Osterbotschaft für Frieden und Migranten

Auf dem Petersplatz trauerten Tausende um ihn. In seiner Osterbotschaft hatte Jorge Mario Bergoglio - so der bürgerliche Name - am Sonntag noch einmal für Frieden und einen besseren Umgang mit Migranten geworben. Die Botschaft musste er von einem anderen Geistlichen vorlesen lassen, weil er selbst zu schwach war.

Die Anteilnahme weltweit ist riesig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb, die Welt verliere «ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung, einen glaubwürdigen Anwalt der Menschlichkeit und einen überzeugenden Christen» und würdigte den Papst als «Mann des Friedens». Im Petersdom läuteten für den Verstorbenen die Glocken - ebenso wie in vielen anderen Kirchen weltweit, auch in Deutschland. Dort werden die Flaggen an den Bundesministerien und dem Kanzleramt am Dienstag auf halbmast gesetzt. Auch in den USA ist Trauerbeflaggung angeordnet.

Offener Sarg im Petersdom

Der Leichnam wird nun voraussichtlich am Mittwoch in einem offenen Sarg im Petersdom aufgebahrt, damit von ihm Abschied genommen werden kann. Zur Beisetzung werden Staatsgäste aus aller Welt erwartet. Der genaue Termin dafür steht noch nicht fest. Im Unterschied zu den anderen Päpsten der jüngeren Zeit wird Franziskus auf eigenen Wunsch nicht im Petersdom seine letzte Ruhe finden, sondern in der Basilika Santa Maria Maggiore, einige Kilometer entfernt in der Nähe des Hauptbahnhofs von Rom. Es ist der einzige Wunsch, den er im Testament festhielt.

Konklave wählt neuen Papst

Der formelle Ablauf nach dem Tod des Papstes ist festgelegt. Der Leichnam von Franziskus sollte am Abend in der Kapelle seines letzten Wohnsitzes im Vatikan, dem Gästehaus Santa Marta, in einen Sarg gelegt werden. Zuvor stellte Kardinalkämmerer Kevin Farrell um 20.00 Uhr in einem Ritus noch einmal offiziell den Tod fest. In den kommenden Tagen geht es so weiter: 

  • Die Zeitspanne bis zur Wahl des neuen Papstes wird als Sedisvakanz bezeichnet. In dieser Zeit dürfen im Vatikan keinerlei wichtige Entscheidungen getroffen werden.
  • Das Kardinalskollegium bestimmt, wann und wie der Leichnam in den Petersdom zu überführen ist. Dort wird er aufgebahrt, damit Gläubige von ihm Abschied nehmen können. Die Trauerzeit, die Novendiale, dauert neun Tage.
  • Die Bestattung ist in der Regel vier bis sechs Tage nach dem Tod.
  • Spätestens 20 Tage nach dem Tod sollen die Kardinäle aus aller Welt, die das 80. Lebensjahr bislang nicht überschritten haben, zum Konklave erscheinen. Wahlberechtigt sind derzeit 135 Kirchenmänner.
  • Das Konklave in der Sixtinischen Kapelle kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern: Ein Zeitlimit gibt es nicht. Zur Wahl benötigt der neue Papst eine Zweidrittelmehrheit.
  • Hat keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreicht, steigt aus einem Schornstein schwarzer Rauch auf. Weißer Rauch bedeutet: Es gibt einen neuen Papst.

Argentinien verhängt siebentägige Staatstrauer

«Franziskus wird in Erinnerung bleiben für seinen unermüdlichen Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft, für Gerechtigkeit und Versöhnung», erklärte der wohl künftige Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen meinte, der Papst habe «mit seiner Bescheidenheit und seiner aufrichtigen Liebe für die weniger Glücklichen» Millionen Menschen inspiriert. Auch aus vielen anderen Ländern kamen Beileidsschreiben. In seiner Heimat Argentinien ist nun sieben Tage Staatstrauer. Nach seiner Wahl zum Papst kehrte er nie wieder dorthin zurück.

Franziskus war seit März 2013 im Amt, als erster Nichteuropäer seit mehr als 1.200 Jahren. Seit längerer Zeit war er gesundheitlich angeschlagen: Im Sommer 2021 musste er sich am Darm operieren lassen. Zudem machte ihm ein Knieleiden zu schaffen, weshalb er bei öffentlichen Terminen meist im Rollstuhl saß. Im Frühjahr 2023 wurde er schon einmal wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. Einige Wochen später wurde er unter Vollnarkose am offenen Bauch operiert.

Mahner zu Frieden

Trotzdem meldete sich Franziskus bis zuletzt regelmäßig zu kirchlichen Fragen und auch zur Weltpolitik zu Wort. Im Herbst 2024 brachte er eines seiner großen Projekte zu Ende: die Weltsynode, eine Art globale Bestandsaufnahme der katholischen Kirche, an der erstmals auch Frauen beteiligt waren. Konkrete Reformen entstanden daraus aber nicht. Andere Vorhaben wie eine neue Verfassung für den Vatikan konnte er umsetzen. 

In seine Amtszeit fielen auch zahlreiche Skandale wegen sexuellen Missbrauchs in verschiedenen Bistümern rund um die Welt. Als Reaktion setzte der Papst Kommissionen zur Aufarbeitung und Vorbeugung ein. Franziskus war die ganzen Jahre über ein recht volksnaher Papst und großer Mahner. Er versuchte, durch Taten und Reden Schwache und Ausgestoßene in den Fokus zu rücken. Er setzte sich auch für Flüchtlinge ein.

Sohn italienischer Einwanderer

Der Sohn italienischer Einwanderer wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geboren und machte zunächst eine Ausbildung zum Chemietechniker. Dann trat er in einen Jesuitenorden ein. 1969 wurde er zum Priester geweiht, 1992 zum Bischof. Mitte der 1980er Jahre lebte er einige Monate in Deutschland, um an einer Doktorarbeit zu schreiben, die er aber nicht zu Ende brachte. 2001 machte ihn Johannes Paul II. zum Kardinal.

Beim Konklave 2005 unterlag der damalige Erzbischof von Buenos Aires dem Deutschen Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.). Nach seiner Wahl acht Jahre später präsentierte er sich scherzend als Papst vom «Ende der Welt». Mit der Wahl seines Namens stellte sich der Jesuit in die Tradition von Franz von Assisi. Franziskus trat bescheidener auf als viele Vorgänger und verzichtete oft auf Prunk.

Bescheidenheit und Demut

Anders als der eher zurückhaltende und konservative Benedikt sorgte Franziskus auf vielen Auslandsreisen für Begeisterung unter den Gläubigen. Zu manchen Messen kamen mehr als eine Million Menschen. Im Herbst war er noch einmal für zwölf Tage im Pazifikraum unterwegs. Er stellte Bescheidenheit und Demut in den Fokus seines Predigens und Handelns. Er kritisierte Gleichgültigkeit und auch eine Tendenz, zulasten Schwächerer noch mehr Geld und Einfluss anhäufen zu wollen.

Franziskus trat oft wie ein großer Reformer auf, blieb nach Meinung vieler aber hinter den Erwartungen zurück. Das Zölibat etwa könne schon irgendwann abgeschafft werden, sagte er. Letztlich änderte er daran aber nichts. Franziskus unterstrich in unzähligen Reden die Rolle von Frauen in der Kirche - die Priesterweihe aber verweigerte er ihnen. Der Vatikan hat unter Franziskus auch Reformen der deutschen Bischöfe immer wieder ausgebremst.

Kritik von konservativen Kardinälen

Einige konservative Kirchenobere kritisierten teils unverhohlen Franziskus' Pontifikat. Vor allem wegen der gesundheitlichen Probleme wurde zudem seit Jahren über einen Rücktritt spekuliert, nach dem Vorbild seines deutschen Vorgängers. Der Argentinier wollte von solchen Spekulationen nichts wissen.

Spannend wird nun, in welche Richtung der nächste Papst die katholische Kirche lenken wird. Es ist gut möglich, dass Franziskus' theologische und gesellschaftliche Vorstellungen weiterverfolgt werden: Von den mehr als 130 im Konklave stimmberechtigten Kardinälen suchte er deutlich mehr als die Hälfte persönlich aus.

Stellvertreter Christi auf Erden

Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist der Papst Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Der offizielle Titel lautet: «Bischof von Rom, Statthalter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Oberhaupt der Gesamtkirche, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt, Diener der Diener Gottes».

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21.04.2025 · 20:55 Uhr
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