Thyssenkrupp und Nucera: Quartalszahlen belasten Aktien
Die jüngsten Quartalszahlen des Industriekonzerns Thyssenkrupp und seiner Tochtergesellschaft Nucera hinterlassen am Aktienmarkt deutliche Spuren. Beide Unternehmen zählen am Donnerstag zu den Schlusslichtern ihrer jeweiligen Indizes. Der enttäuschende operative Gewinn belastet den Mutterkonzern, während sich bei Nucera vor allem Fragen zur Umsatzentwicklung im Bereich Grüner Wasserstoff stellen.
Die Aktien von Thyssenkrupp brachen im MDax bis zum späten Vormittag beinahe um 10 Prozent auf 8,50 Euro ein. Bereits beim Börsenauftakt wurde die 50-Tage-Linie unterboten. Kurzzeitig fiel der Kurs bis auf 8,15 Euro, bevor sich eine leichte Erholung abzeichnete. Dennoch bleibt der Gewinn im Jahresverlauf angesichts der erwarteten Investitionen in die Rüstung in Deutschland und Europa insgesamt bemerkenswert hoch und steht aktuell bei fast 117 Prozent.
Für Thyssenkrupp Nucera zeigten sich im SDax Verluste von 4,8 Prozent, wobei die Aktie bei etwas über 9 Euro an ihrer 200-Tage-Linie Stabilität fand.
Analysten wiesen bei Thyssenkrupp auf ein bereinigtes Ebit im zweiten Geschäftsquartal hin, das die Erwartungen deutlich verfehlte. Dirk Schlamp von der DZ Bank betont, dass schwache Märkte und geplante Stillstände, speziell im Bereich Steel Europe, das Ergebnis dämpften. Ein Experte verwies zudem auf den niedrigen Auftragseingang und den schlechter als erwarteten negativen Barmittelfluss. Laut Christian Obst von der Baader Bank könnten die Jahresziele des Unternehmens nun zur Herausforderung werden.
Die aktuellen Zahlen offenbaren die operativen und strategischen Herausforderungen des Konzerns. Das schwächere Ebit und die kritische Lage in Schlüsselbereichen wie der Automobilindustrie und Stahlproduktion lassen die Unsicherheit der Marktlage erkennen. Schlamp sieht in diesem Jahr ein Übergangsjahr, geprägt von Unsicherheiten, während mittelfristig die Umsetzung der strategischen Maßnahmen, wie das Effizienzsteigerungsprogramm Apex und die Portfoliobereinigung, entscheidend bleiben werden.
Bei Nucera bemängelte Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler das schleppend laufende Geschäft mit Grünem Wasserstoff. Während das Segment Chlor-Alkali stabil ist, blieb der Auftragseingang im Wasserstoffbereich erneut enttäuschend. Eine positive Entwicklung des Aktienkurses im Hinblick auf Wasserstoffanwendungen erwartet der Experte nur bei Nachweisen konkreter Fortschritte im Wasserstoff-Ökosystem, die bislang hinter den Erwartungen zurückbleiben.

