Thyssenkrupp oder TKMS – wo lohnt sich jetzt der Einstieg wirklich?
Fulminantes Debüt: Die Abspaltung der Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) übertraf alle Erwartungen. Der Erstkurs lag bei 60 Euro, zwischenzeitlich stieg die Aktie auf über 95 Euro – ein Marktwert von bis zu 6,2 Milliarden Euro. Für Thyssenkrupp-Aktionäre war der Spin-off ein Glücksfall: Wer 20 TKA-Aktien hielt, bekam automatisch eine TKMS-Aktie ins Depot – rechnerisch ergab das ein Plus von rund 15 Prozent.
TKMS profitiert vom globalen Rüstungsboom
Mit einem Auftragsbestand von 18,6 Milliarden Euro und voller politischer Rückendeckung gilt TKMS als Gewinner des neuen sicherheitspolitischen Zeitalters. Die Kieler Werft baut U-Boote und Fregatten für halb Europa. Vorstandschef Oliver Burkhard spricht von einem „maritimen Powerhaus in Europa“.
Allerdings ist die Bewertung nach dem Raketenstart sportlich: Bei einem geschätzten Gewinn von rund 120 Millionen Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei über 50 – Wachstum ist also bereits teuer eingepreist.
Thyssenkrupp: Der stille Profiteur
Während TKMS glänzt, muss sich der Mutterkonzern Thyssenkrupp neu erfinden. Der Kursrückgang am ersten Handelstag war rein rechnerischer Natur – die Essener behalten 51 Prozent an TKMS und profitieren somit weiter vom Erfolg der Tochter. Zugleich schafft der Spin-off Luft für einen Konzernumbau, etwa durch den möglichen Verkauf der Stahlsparte an den indischen Jindal-Konzern.
Fazit: Zwei Aktien, zwei Strategien
Bestandsanleger sollten beide Papiere halten: TKMS für Wachstum, Thyssenkrupp für Stabilität und versteckte Werte.
Neueinsteiger dagegen finden im Rumpfkonzern den solideren Einstieg – mit indirekter Beteiligung am Rüstungsboom und zusätzlichem Turnaround-Potenzial.
Bei TKMS lohnt sich Geduld: Nach der ersten Euphorie könnte ein Rücksetzer attraktive Einstiegskurse bieten.


