Investmentweek

Teures Abheben: Warum Fliegen in Deutschland zum Luxus wird

10. Juli 2025, 09:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Eine neue Studie offenbart, dass Fliegen in Deutschland aufgrund hoher Gebühren und Preissteigerungen zunehmend zum Luxus wird. Die Nachfrage bleibt zwar ungebrochen, doch der Wettbewerb leidet unter strukturellen Schwächen.

Wer diesen Sommer vom Flughafen Düsseldorf, Frankfurt oder Hamburg startet, dürfte sich nicht nur über das Wetter, sondern vor allem über den Ticketpreis wundern.

Von Schnäppchenpreisen wie früher ist kaum mehr etwas übrig. Selbst sogenannte Billigflieger wie Ryanair oder Wizz Air langen inzwischen ordentlich zu – oder fliegen Deutschland gleich gar nicht mehr an.

Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt, wie drastisch sich die Preise seit der Pandemie entwickelt haben. Und sie offenbart eine strukturelle Schwäche des deutschen Luftverkehrs, die zunehmend internationale Anbieter vergrault.

Ein Preisniveau, das seinen Namen kaum verdient

Was einst mit 9,90 Euro beworben wurde, kostet heute locker das Zehnfache. Die DLR-Forscher untersuchten vier große europäische Low-Cost-Airlines – mit ernüchterndem Ergebnis: Ryanair verlangt inzwischen im Schnitt 80 Euro für ein One-Way-Ticket ohne Gepäck, Easyjet liegt bei 86 Euro, Wizz Air bei 67 Euro.

Die teuerste ist Eurowings, eine Lufthansa-Tochter, mit 130 Euro – ein Anstieg um fast 20 Prozent im Jahresvergleich. Das hat mit Inflation nur am Rande zu tun.

Kostenexplosion statt Wettbewerb: Easyjet, Eurowings und Co. meiden zunehmend deutsche Airports – zu hohe Gebühren, zu wenig Marge.

Gebührenirrsinn an deutschen Flughäfen

Ein wesentlicher Grund liegt in der Preisstruktur auf deutschem Boden. Wie eine ADAC-Studie belegt, gehören Flughäfen wie Frankfurt (58,60 Euro Abgaben pro Passagier) und München (49,06 Euro) zu den teuersten in Europa.

Zum Vergleich: London Heathrow liegt bei 41,22 Euro, Berlin immerhin nur bei 22,23 Euro. Das macht das Fliegen ab Deutschland nicht nur für Passagiere teurer, sondern auch für die Airlines unattraktiv.

Verlorener Anschluss: Deutschland im Rückstand

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während das europäische Luftverkehrsangebot mittlerweile zehn Prozent über dem Vor-Corona-Niveau liegt, liegt Deutschland mit 93 Prozent deutlich zurück.

Noch gravierender ist der Rückstand bei Billigairlines: Europaweit liegt deren Angebot bei 133 Prozent des Vorkrisenwerts, in Deutschland nur bei 85 Prozent.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert daher eine Senkung der Luftverkehrssteuer und eine Beteiligung des Bundes an Sicherheitskosten. Passiert ist bisher: nichts.

Ryanair-Chef Wilson: „Deutschland lohnt sich nicht“

Ryanair-Manager Eddie Wilson bringt es gegenüber der FAZ auf den Punkt:

„Ich kann nicht mehr Flugzeuge in Deutschland stationieren, wenn sie im Rest Europas bessere Renditen einfliegen.“

Der Low-Cost-Gigant hat 2024 über 200 Millionen Passagiere befördert – ein Rekord. Doch in Deutschland wurde das Angebot teils drastisch reduziert. Wilson macht der Politik ein Angebot: Man sei bereit, die Flotte hierzulande auf 60 Maschinen zu verdoppeln, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Bislang ohne Erfolg.

Preisschock für Spätbucher

Die DLR-Studie zeigt auch, wie dynamisch Airlines inzwischen ihre Preise anpassen. Wer einen Tag vor Abflug bucht, zahlt im Schnitt bis zu 169 Euro – bei Eurowings.

Selbst ein Flug von Düsseldorf nach Stockholm schlug mit knapp 500 Euro zu Buche. Der gleiche Flug einen Tag später kostete 200 Euro weniger. Fazit: Planung hilft, garantiert aber keinen guten Preis mehr.

Urlaubslust trifft auf Marktversagen

Trotz Preisanstieg ist die Nachfrage nach Flügen ungebrochen. Doch das System hakt. Die staatlichen Rahmenbedingungen machen es Billigairlines schwer, das Angebot auszuweiten, während Großanbieter wie Lufthansa lieber auf Premium setzen. Derweil zahlt die Masse der Reisenden drauf.

Ein Standortnachteil, der nicht nur Urlauber betrifft, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächt.

Finanzen / Travel / Luftverkehr / Flugpreise / Marktversagen
[InvestmentWeek] · 10.07.2025 · 09:00 Uhr
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