Trends der Zukunft

Taktile Pixel durch Mikroexplosionen: Wie Chemie das Lesen mit den Fingern revolutionieren könnte

17. Oktober 2025, 13:37 Uhr · Quelle: Trends der Zukunft
Forscher der Cornell University entwickeln Mikroexplosionen für taktile Pixel in Displays, was Braille-Technologie verbessern könnte. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für haptische Anwendungen in Alltag und Technik.

Der Wunsch, Bild- und Textinformationen nicht nur visuell, sondern auch fühlbar darzustellen, begleitet technisch orientierte Forscher:innen seit Jahrzehnten. Zuletzt ist ein interessanter Ansatz ins Rampenlicht gerückt, der Bildpixel zu „taktilen Pixeln“ macht – ein Konzept, das sowohl für barrierefreie Braille­displays als auch für allgemeinere haptische Anzeigen relevant ist. Die Idee: flache Displays werden zu fühlbaren Oberflächen, auf denen sich Punkte je nach Bildinhalt erheben oder senken lassen.

Bild: Ronald H. Heisser

„Fühlbare“ Pixel dank winziger Explosionen

Ein Team von Forscher:innen an der Cornell University hat einen neuartigen Mechanismus entwickelt, bei dem winzige, gezielte Mikro­explosionen in weichen Materialien – genauer: in elastischen Membranen aus Silikon – als Erreger für taktile Punkte dienen. In jedem Pixelkanal befindet sich eine Kammer, die mit einem Gemisch aus Brennstoff und Oxidationsmittel gefüllt ist. Wird eine Zündung ausgelöst, dehnt sich das Gasvolumen kurzfristig aus und kehrt eine flexible Membran um – sie bildet eine kuppelförmige Erhebung. Diese domartige Struktur bleibt stabil, bis ein Unterdruck sie wieder zurückzieht. Das System schafft so eine bistabile Struktur: erhabene Punkte halten ihre Form ohne ständige Energiezufuhr. In Tests reagierte die Membran in nur etwa 0,24 Millisekunden.

Ein entscheidender Vorteil dieser Lösung gegenüber herkömmlichen elektromechanischen Displays besteht in der Reduktion mechanischer Komponenten. Viele bestehende Braille­displays verwenden für jeden Punkt einzelne Aktuatoren, Ventile oder Pumpen, was komplex, wartungsanfällig und teuer ist. Die neue Methode integriert die Kontrolle direkt in das Material, ohne äußere bewegliche Teile. Damit lässt sich ein hermetisch abgedichtetes System realisieren, das weniger anfällig für Staub, Flüssigkeiten oder mechanisches Versagen ist.

Eine verwandte, früher vorgestellte Idee besteht darin, ein „taktiles Display“ zu schaffen, das Bildpixel fühlbar macht: Bei Aktivierung ragen bestimmte Pixel als fühlbare Punkte heraus. Damit können Helligkeitsabstufungen oder grafische Formen nicht nur gesehen, sondern auch ertastet werden. In einem populärwissenschaftlichen Bericht hieß es dazu: „Neuartiger Bildschirm macht Bildinformationen sichtbar und ertastbar zugleich.“ In dieser Variante reicht ein mechanisches System, das je nach Bildintensität eine Membran stärker oder schwächer herausdrückt. Die Herausforderung dort liegt ebenfalls in Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Geschwindigkeit.

Noch sind viele Punkte unklar

Das neue mikroexplosive Konzept öffnet interessante Perspektiven nicht nur für Brailleschreiber:innen, sondern auch für allgemeinere taktile Interfaces. Weil die einzelnen Punkte nur minimale bewegliche Teile aufweisen und in Gummiblöcken eingebettet sind, lässt sich das System robust gestalten. Die Silikonmembranen können in größeren Flächen integriert und teilbar ausgeführt werden, wodurch ein Display mit mehreren Zeilen und hoher Auflösung denkbar wird. In Demonstratoren wurden bereits 10×10-Arrays getestet, in denen Punkte selektiv aktiviert werden können.

Bei dem als „Holy Braille“ bezeichneten Problem – also der Herausforderung, ein zuverlässiges, erschwingliches und langlebiges Braille­display für viele Nutzer:innen bereitzustellen – könnte dieser Ansatz eine Lösung bieten. Wie Rob Shepherd, der leitende Ingenieur an der Arbeit, formulierte: „Sehr kleine Mengen von brennbarem Treibstoff erlauben uns, hohen Druck für taktiles Feedback zu erzeugen, ohne komplexe Ventile.“ Und weiter: „This chemical and thermal approach to tactile feedback solves the long-standing ‘Holy Braille’ challenge.“

Doch bei aller Faszination: Es gibt technische und praktische Hürden. Die Lebensdauer der Treibstoffkammern über viele Zyklen hinweg, die sichere Lagerung der Brennstoffe – etwa in portablen Geräten – und die Integration in bestehende Steuer­elektronik müssen gelöst werden. Auch Fragen der Sicherheit und Zulassung könnten relevant werden: Obwohl die Verbrennungsreaktionen exakt kontrolliert und abgeschirmt sind, kann der Begriff „Explosion“ bei Verbraucherprodukten skeptische Reaktionen hervorrufen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die erzeugten Temperaturen, Gase oder Druckspitzen niemals in den Bereich gelangen, in dem Materialschäden oder Risiken für Nutzer:innen auftreten.

Ein weiterer Aspekt ist die Energieeffizienz: Obwohl das System im Ruhezustand keine Energie benötigt (die Punkte bleiben selbstständig erhoben), wird zum Umschalten – Zündung oder Rückführung – jeweils Energie benötigt. Die Gestaltung dieser Impulse und ihre Optimierung hinsichtlich Verbrauch, Schnelligkeit und Wiederholbarkeit ist eine zentrale Aufgabe. Schließlich muss die Technologie mit konventionellen Display- und Steuertechniken kompatibel sein, um in Alltagsgeräte integriert zu werden.

Fortschritt nicht nur für blinde Menschen

Wenn sich der Ansatz weiterentwickelt, eröffnen sich Anwendungsfelder weit über Blinden­geräte hinaus. In Touchscreens von öffentlichen Kiosken oder Fahrkartenautomaten könnte man taktiles Feedback in Echtzeit erzeugen, das Schreiben von taktilen Karten oder Grafiken würde denkbarer. In Virtual- und Augmented-Reality-Umgebungen könnten Fingeroberflächen nicht nur vibrieren, sondern fühlbare Strukturen bilden – etwa Kanten, Texturen oder Objekte. In der Robotik und Teleoperation könnte eine Rückmeldung über fühlbare Elemente das präzise Greifen oder Bedienen unterstützen.

Für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit wäre ein erschwinglicher, robust funktionierender Braille­displayschreiber ein großer Fortschritt. Viele existierende Geräte sind teuer, langsam oder empfindlich gegenüber Umgebungseinflüssen. Die mikroexplosive Methode wirkt vielversprechend, da sie mechanische Komplexität minimiert und potenziell skalierbar ist.

Allerdings stehen die Forscher:innen noch am Anfang. Ob Brennstoffstabilität, Langzeitnutzung, Sicherheitsaspekte und Miniaturisierung bis in alltagstaugliche Geräte gelingen, bleibt offen. Doch die Kombination aus weichen Materialien und kontrollierter chemischer Energie liefert einen frischen Denkansatz für taktile Anzeigen. Sollte sich dieser Ansatz durchsetzen, könnte er die Art und Weise verändern, wie Bildinformationen fühlbar gemacht werden – und taktile Interfaces von einer Idee zur breiten Realität werden lassen.

via Cornell University

Wissenschaft / Taktile Pixel / Mikroexplosionen / Braille Displays / Haptische Anzeigen
[trendsderzukunft.de] · 17.10.2025 · 13:37 Uhr
[0 Kommentare]
Die Geissens
(BANG) - Der Raub in der Geissen-Villa ist womöglich aufgeklärt worden. Nach dem brutalen Überfall auf das Anwesen von Carmen und Robert Geiss im südfranzösischen Saint-Tropez im Sommer 2025 gibt es endlich einen Durchbruch in den Ermittlungen: Die französischen Behörden haben mehrere mutmaßliche Täter festgenommen. Diese Entwicklung sorgt bei der prominenten TV-Familie für Erleichterung und weckt […] (02)
vor 6 Stunden
Sparkasse Gelsenkirchen-Buer
Gelsenkirchen (dpa) - Die Beute beim spektakulären Einbruch in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen lag möglicherweise über 100 Millionen Euro. Das erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. Demnach hätten einzelne Kunden angezeigt, dass sie jeweils mehr als 500.000 Euro in ihren Schließfächern gehabt hätten. «Bild.de» hatte zuvor darüber berichtet. Laut «Bild.de» kommt die Herkunft der Gelder den Ermittlern […] (00)
vor 12 Minuten
Proteste in Teheran
Teheran/Oslo (dpa) - Bei den Unruhen im Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation mindestens 19 Demonstranten getötet worden. Hunderte weitere seien verletzt und festgenommen worden, teilte Iran Human Rights mit Sitz in Oslo in seinem jüngsten Bericht mit. Zudem sollen die Behörden zumindest in einigen Gebieten schwere Waffen eingesetzt haben, um Proteste niederzuschlagen. Die iranische Regierung macht weiterhin keine Angaben zu den […] (00)
vor 1 Stunde
Simpler Trick: Mit dieser banalen PS5-Einstellung hält dein DualSense-Akku spürbar länger
Manchmal sind es die kleinen Entscheidungen, die dir einen klaren Vorteil bringen. Du kennst diesen Moment: Du bist gerade voll drin, der Bosskampf läuft, du bist konzentriert und dann poppt dieses kleine, fiese Meldung auf: „Batterie niedrig“. Noch schlimmer ist nur die Variante, bei der du es wegtippst, „nur noch kurz“ weiterspielst und der DualSense dann genau im falschen Augenblick abstirbt. […] (00)
vor 2 Stunden
Amanda Seyfried
(BANG) - Amanda Seyfried verbrachte ein Jahr mit der Vorbereitung auf ihre Rolle in 'The Testament of Ann Lee'. Die 40-jährige Schauspielerin verkörpert in dem Film von Mona Fastvold die titelgebende spirituelle Anführerin und erklärte, dass sie sehr früh mit den Vorbereitungen begonnen habe, da für die Dreharbeiten nur 34 Tage zur Verfügung standen. Auf die Frage, ob die kurze Produktionszeit […] (00)
vor 6 Stunden
74. Vierschanzentournee - Innsbruck
Innsbruck (dpa) - Der erstmals geschlagene Domen Prevc klatschte der japanischen Skisprung-Sensation Ren Nikaido anerkennend Beifall, Bundestrainer Stefan Horngacher ärgerte sich über die Jury. Mit seinem Sieg beim spektakulären Bergiselspringen in Innsbruck verdarb Nikaido dem in der Gesamtwertung weiter souverän führenden Prevc die Chancen auf den Vierfach-Sieg bei der Vierschanzentournee. Den […] (02)
vor 2 Stunden
AMD statt NVIDIA: Warum Analysten 2026 umdenken
NVIDIA gilt als Maßstab im KI-Sektor. Doch ausgerechnet der kleinere Rivale rückt bei Analysten wieder in den Fokus. TD Cowen erklärt AMD zur bevorzugten Aktie für 2026 – vor NVIDIA. Die Begründung liegt weniger im Heute als in dem, was ab Mitte 2026 passieren soll. TD Cowen erklärt AMD zur besten Idee 2026 Die Investmentbank TD Cowen sieht in der Aktie von Advanced Micro Devices mehr Skepsis […] (00)
vor 38 Minuten
Mit led streifen fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause
Bietigheim-Bissingen, 04.01.2026 (PresseBox) - Mit LED Streifen Fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause Ein perfektes Kinoerlebnis zu Hause hängt nicht nur von der Bildqualität Ihres Fernsehers ab, sondern auch von der richtigen LED Hintergrundbeleuchtung . Mit LED Streifen hinter Fernseher können Sie nicht nur eine beeindruckende Atmosphäre schaffen, sondern auch das Seherlebnis auf […] (00)
vor 10 Stunden
 
Dieter Bohlen
(BANG) - Dieter Bohlen schätzt an seiner Ehefrau ganz bestimmte Eigenschaften. Der Pop-Titan […] (01)
Giles Martin
(BANG) - Produzent Giles Martin erklärt, dass es keine weiteren bislang unveröffentlichten […] (00)
Elle Fanning
(BANG) - Elle Fanning hofft, eines Tages Kinder zu bekommen. Die 27-jährige Schauspielerin […] (00)
US-Flagge (Archiv)
Washington - Princeton-Historiker Herold James hält die US-Intervention in Venezuela "glasklar […] (00)
Eine erhebliche Telekommunikationsstörung hat den Luftverkehr in Griechenland fast vollständig […] (00)
Neuer «Erzgebirgskrimi» im Januar
Im neuen Fall stoßen Winkler, Szabo und Bergelt auf ein Netz aus Holzschmuggel, Erpressung und alten […] (00)
Der Fußball-Nationalspieler Pascal Groß verlässt Borussia Dortmund und kehrt zu seinem […] (06)
bitcoin, cryptocurrency, blockchain, digital, investment, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, cryptocurrency
Bitcoin (BTC) hat zu Beginn des Jahres einen Aufschwung erlebt, was die Hoffnung der Optimisten […] (00)
 
 
Suchbegriff