Taiwan bleibt atomkraftfrei: Volksentscheid scheitert
In Taiwan ist ein Vorstoß zur Wiederaufnahme der Nuklearenergie gescheitert. Ein Referendum, das die Reaktivierung eines stillgelegten Atomkraftwerks zum Ziel hatte, verfehlte die notwendige Zustimmung. Die zentralen Wahlergebnisse zeigen, dass der geplante Wiedereinstieg abgelehnt wurde.
Erst kürzlich, im Mai, hatte Taiwan seinen letzten Kernreaktor im Süden der Insel stillgelegt. Damit war das Land seiner Verpflichtung nachgekommen, die Atomkraft zu verlassen – ein Versprechen der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) unter Präsident Lai Ching-te. Die Entscheidung, sich von der Atomenergie abzuwenden, war auch eine Reaktion auf die Ereignisse in Fukushima 2011.
Interessanterweise hält Präsident Lai trotz des Scheiterns des Referendums die Tür für innovative Nukleartechnologien mit weniger Abfall offen. Das Referendum, das von der Taiwanischen Volkspartei vorgeschlagen wurde, sah eine Beteiligung von rund 20 Millionen Stimmberechtigten vor, wobei jedoch nur etwa 30 Prozent von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten.
Die Partei argumentierte, dass aufgrund des steigenden Strombedarfs, insbesondere in der Halbleiterbranche, sowie der zunehmenden geopolitischen Spannungen mit China Energiesicherheit unerlänglich sei. Die regierende DPP und Umweltverbände hingegen warnen vor den Sicherheitsrisiken auf der erdbebengefährdeten Insel und betonen die ungelösten Probleme der Atommüllentsorgung.
Historisch begann die Atomkraftnutzung in Taiwan in den 1970er Jahren. Seit 2018 wird jedoch ein kontinuierlicher Rückzug von der Kernenergie betrieben. Laut Taiwan Power Company lag 2024 der Anteil fossiler Energiequellen an der Stromerzeugung bei 82,1 Prozent, jener der erneuerbaren Energien bei 11,9 Prozent. Die Regierung plant, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien auf 30 Prozent zu steigern.

