Syrien und die diplomatische Herausforderung: Neuordnung der Beziehungen zu Israel
Im Zeichen des politischen Wandels in Syrien steht das Land möglicherweise vor einer historischen Anerkennung Israels. Nachdem die Islamistische Rebellengruppe Baschar al-Assad im Dezember entmachtete, hat US-Präsident Donald Trump in einem persönlichen Treffen mit dem syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa auf eine Annäherung an Israel gedrängt. Überdies hat Trump überraschend das Ende der US-Sanktionen gegen Syrien verkündet, was in Syrien wie ein Fest aufgenommen wurde.
Al-Scharaa, bekannt für seine Vergangenheit bei extremistischen Gruppen, hat nun die Möglichkeit, eine historische Entwicklung für das Land in die Wege zu leiten. Während des Treffens, das etwa dreißig Minuten dauerte und vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman organisiert wurde, zeigte sich al-Scharaa offen für Gespräche. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan beteiligte sich telefonisch an dem Austausch.
Die politische Bühne betreten al-Scharaa und Trump in einem außergewöhnlichen Rahmen, der zuletzt vor einem Vierteljahrhundert mit den damaligen Präsidenten Clinton und Hafis al-Assad stattfand. Al-Scharaa, der nach Anerkennung auf internationalem Parkett strebt, wurde kürzlich von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfangen. Eine Erneuerung der Beziehungen zwischen Israel und Syrien könnte auch den Schutz der drusischen Minderheit, die eine Schlüsselrolle in der Region spielt, mit einbeziehen.
Berichten über angedachte indirekte Gespräche zwischen Syrien und Israel zufolge hat Israels Außenminister Gideon Saar versöhnliche Signale in Richtung Syrien gesendet. Bei einer Pressekonferenz in Jerusalem äußerte Saar den Wunsch nach guten nachbarschaftlichen Beziehungen. Im Laufe des Treffens mit Führungspersönlichkeiten der Golfstaaten hob Trump die Diplomatie Erfolge der Vergangenheit hervor und äußerte die Hoffnung, daran anzuknüpfen.
Trotz der noch nie geknüpften diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern könnte die Annäherung schrittweise verlaufen, beginnend mit Botschaftseröffnungen und der Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Al-Scharaa, der auf die Unterstützung Katars und Saudi-Arabiens zählen kann, lädt US-Unternehmen ein, in die syrische Energieindustrie zu investieren, während die Europäische Union erste Sanktionen zu lockern beginnt. Ein Treffen des syrischen Außenministers Asaad al-Schaibani mit US-Außenminister Marco Rubio ist bereits geplant, um die nächsten Schritte zu erörtern.

