Suche nach deutschen Geiseln im Jemen ausgeweitet

17. Juni 2009, 16:16 Uhr · Quelle: dpa
Sanaa (dpa) - Die Sicherheitskräfte im Jemen haben ihre Suche nach den sechs Geiseln aus Deutschland und Großbritannien ausgeweitet. In der Hauptstadt Sanaa hieß es fünf Tage nach Beginn des blutigen Geiseldramas, es sei möglich, dass die Entführer ihre Opfer in eine andere Provinz gebracht hätten.

Das Innenministerium teilte mit, ab sofort werde nicht nur die nordwestliche Provinz Saada durchkämmt, in der sie verschleppt worden waren. Auch in den Nachbarprovinzen Al-Jawf, Amran und Hadscha suchten Polizei und Armee nun nach der Familie aus Sachsen und dem britischen Ingenieur.

An der Suche in Saada beteiligten sich auch viele Zivilisten als Freiwillige, hieß es. «Kein Ort bietet den Entführern und Mördern Sicherheit, selbst wenn sie sich tief unter der Erde verstecken sollten», erklärte das Ministerium. Augenzeugen in Saada sagten, die Sicherheitskräfte hätten zusätzlich mehrere Hundertschaften der Polizei und Soldaten mit Hubschraubern in die Provinz verlegt. Am Dienstagabend war die Belohnung für Hinweise auf das Versteck der Geiselnehmer auf 250 000 US-Dollar (181 000 Euro) erhöht worden. Auch ein deutsches Ermittlerteam soll im Jemen bei der Suche helfen.

Am vergangenen Freitag waren nördlich der Hauptstadt Sanaa neun Ausländer verschleppt worden. Drei von ihnen wurden getötet: Zwei Studentinnen aus Niedersachsen und eine südkoreanische Lehrerin. Ihre Leichen wurden am Montag gefunden. Von den restlichen sechs Geiseln - einem deutschen Ehepaar mit drei Kleinkindern und einem Briten - fehlt bislang jede Spur. Die Ausländer hatten alle in Saada im Dschumhuri-Krankenhaus gearbeitet.

Ob sie von Kriminellen oder von islamistischen Terroristen verschleppt wurden, ist bislang völlig unklar. Bewaffnete Stammesangehörige, die im Jemen gelegentlich Ausländer entführen, um dadurch die Regierung zu erpressen, scheiden als Täter nach Ansicht von Experten aus. Der Mord an den drei Frauen verstoße gegen die ungeschriebenen Gesetze der arabischen Stämme.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach den Angehörigen der ermordeten Frauen sein Mitgefühl aus und kündigte für den Tag der Trauerfeier Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden an. «Wir verneigen uns vor dem Mut, andere Menschen in den ärmsten Regionen dieser Welt trotz aller Gefahren nicht allein zu lassen», hieß es in einer Mitteilung. Die Regierung sei tief bestürzt über die Ermordung der Frauen. «Beide hatten sich bewusst für den Dienst christlicher Nächstenliebe entschieden und sind grausamen Verbrechern in die Hände gefallen», sagte Wulff.

Im Jemen protestierten am Mittwoch Hunderte von Anhängern des schiitischen Rebellenführers Abdulmalik al-Houthi gegen die Entführung und Ermordung der Frauen. Ein Sprecher der islamistischen Bewegung sagte, die Demonstranten hätten während ihres Protestzuges in der von den Rebellen kontrollierten Ortschaft Dhahian die positive Rolle der ausländischen Helfer im Dschumhuri-Krankenhaus hervorgehoben. Sie kritisierten die ihrer Ansicht nach zu langsame Reaktion der jemenitischen Sicherheitsbehörden auf die Geiselkrise. Gleichzeitig begann in der Provinzhauptstadt Saada eine ähnliche Protestdemonstration regierungstreuer Jemeniten.

Am Dienstagabend hatte die Gemeinschaft der islamischen Geistlichen im Jemen die Geiselnahme und Ermordung der Helfer scharf verurteilt. «Es ist ein übles Verbrechen, diese Menschen zu entführen und Frauen zu töten, die in einem Krankenhaus arbeiteten, um den Menschen zu helfen», hieß es in einer Erklärung. Der Mord an den Frauen widerspreche nicht nur den Prinzipien des Islam sondern auch den Traditionen der Araber «seit den Tagen des Propheten Mohammed».

Der Bürgermeister der sächsischen Kleinstadt Weißenberg, Michael Staude, sagte am Mittwoch, die entführte deutsche Familie stamme aus dem Kreis Bautzen in Sachsen. Man wisse weiterhin nicht, wer hinter der Entführung stecke, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, in Berlin: «Die Hintergründe sind völlig im Dunkeln.» Nach seinen Angaben hatte die deutsche Botschaft in Sanaa die Deutschen ausdrücklich auf die Gefahren für eine Reise in die Region hingewiesen, für die seit Ende März eine ausdrückliche Reisewarnung gelte. Letztlich könne die deutsche Botschaft solche Reisen aber nicht verbieten.

Kriminalität / Jemen
17.06.2009 · 16:16 Uhr
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