Subnautica 2: Publisher Krafton will „AI-First“ Unternehmen werden – Revolution oder Job-Killer?
In einer Ankündigung, die einem Beben in der Entwicklerlandschaft gleichkommt, hat Krafton, der südkoreanische Publisher-Gigant hinter Blockbustern wie PUBG und dem mit Spannung erwarteten Subnautica 2, seine Absicht bekundet, ein „KI-First“-Unternehmen zu werden. Dieser radikale Schritt sieht eine tiefgreifende Umwälzung der internen Betriebsabläufe vor und setzt ein ominöses Zeichen in einer Branche, in der der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bereits jetzt ein extrem spaltendes Thema ist. Die Entscheidung wirft ein grelles Licht auf die Zukunftsvision eines Konzerns, der bereits in juristischen Turbulenzen steckt.
Ein Konzern in unruhigen Gewässern
Diese fast schon dystopisch anmutende Erklärung kommt zu einer Zeit, in der Krafton bereits mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen hat. Erst vor wenigen Monaten feuerte der Publisher die Mitgründer von Unknown Worlds, dem Studio hinter Subnautica 2. Das schmutzige juristische Nachspiel ließ nicht lange auf sich warten: Die ehemaligen Führungskräfte verklagten Krafton mit dem Vorwurf, man habe sie entlassen, um die Zahlung eines Bonus in Höhe von 250 Millionen Dollar zu umgehen. Krafton konterte, die Kündigungen seien im Interesse der Qualität des Spiels erfolgt. Inmitten dieses schwelenden Rechtsstreits wirkt die Verkündung einer kalten, KI-gesteuerten Zukunftsvision nun doppelt brisant.
Der Masterplan zur algorithmischen Transformation
In einem Live-Vortrag mit dem Titel „Übergang zu einem KI-First-Unternehmen“ enthüllte CEO Kim Chang-han die weitreichenden Pläne. Krafton werde die Arbeit mithilfe von „Agentic AI“ automatisieren und ein vollständig KI-zentriertes Managementsystem implementieren. Im Kern plant der Konzern, künstliche Intelligenz zur Lösung „komplexer Probleme“ einzusetzen und die „unternehmensweite Produktivität“ massiv zu steigern. Diese umfassende Transformation, die bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 vollständig etabliert sein soll, umfasst eine KI-gestützte Arbeitsabwicklung, eine agentenbasierte KI-Managementplattform und ein standardisiertes Datensystem. Der Plan ist monumental.
Milliarden für die Automatisierung, Umschulung für die Menschen
Dieser algorithmische Wandel wird von einer gewaltigen Finanzspritze untermauert. Rund 100 Milliarden südkoreanische Won investiert Krafton in den Aufbau eines NVIDIA-GPU-Clusters, der die Infrastruktur für die Automatisierung von Arbeitsabläufen bereitstellen soll. Ab 2026 plant der Publisher zudem, jährlich 30 Milliarden Won in die Schulung seiner Mitarbeiter im Umgang mit KI-Tools zu investieren. Ein „AI Learning Hub“ soll den Angestellten ermöglichen, Anwendungsbeispiele untereinander zu teilen – eine Geste, die den bitteren Beigeschmack der bevorstehenden Umwälzungen kaum versüßen kann.
Das Damoklesschwert über den Kreativköpfen
Am beunruhigendsten ist jedoch die angekündigte komplette Restrukturierung des Personalwesens, die um die neuen KI-Richtlinien herum reorganisiert werden soll, um bis Ende 2025 eine „KI-First-Kultur“ zu etablieren. Während die offizielle Pressemitteilung davon spricht, die durch KI freigewordenen Ressourcen in neue Produktentwicklungen und interne Mobilitätschancen für Mitarbeiter zu reinvestieren, lässt eine solche Formulierung bei jedem Branchenkenner unweigerlich die Alarmglocken schrillen. Die Zeit wird zeigen, wohin dieser Weg führt, aber für einen Teil der menschlichen Belegschaft verheißt dieser algorithmische Kreuzzug nichts Gutes.


