Studie zeigt: 12-Uhr-Regel für Tankstellen steigert Gewinnmargen der Mineralölindustrie

Einführung der 12-Uhr-Regel und ihre Auswirkungen
Die Einführung der 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen hat laut einer Studie des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) zu signifikanten Gewinnsteigerungen in der Mineralölindustrie geführt. Insbesondere bei Superbenzin stiegen die Gewinnmargen in den ersten zwei Wochen nach Inkrafttreten der Regel um durchschnittlich 6 Cent pro Liter im Vergleich zu den zwei Wochen davor.
Unklare Effekte bei Diesel
Für Diesel hingegen konnten die Forscher keine klaren Effekte feststellen. Die Gewinnmargen schwankten stark, was eine belastbare Quantifizierung der Veränderungen erschwert. Jacob Schildknecht vom ZEW weist darauf hin, dass es jedoch Indizien gibt, die auf einen möglichen Anstieg der Margen auch bei Diesel hinweisen.
Regionale Unterschiede und Marktstrukturen
Die Auswirkungen der Regel sind stark regional unterschiedlich und hängen auch von der Größe der Tankstellen ab. Die Studie zeigt, dass kleinere Ketten und unabhängige Anbieter die größten Margenanstiege verzeichnen konnten, während große Ketten von geringeren Anstiegen betroffen waren. Justus Haucap, Direktor des DICE, betont, dass größere Unternehmen aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung eher kartellrechtliche Überprüfungen fürchten und daher weniger Spielraum für Margenerhöhungen haben.
Süddeutschland als Hotspot der Preissteigerungen
Besonders ausgeprägt waren die Effekte in Süddeutschland, wo das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen möglicherweise zu einer höheren Zahlungsbereitschaft führt. Dies könnte größere Margenanpassungen begünstigen. Zudem könnten regionale Unterschiede in den Lieferketten und der Rohölbeschaffung zu weiteren Kostenunterschieden und damit zu variierenden Preisreaktionen beitragen.
Grundlagen der Studie
Die Analyse basiert auf Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe und betrachtet die 14 Tage vor und nach der Einführung der Reform am 1. April. Zur Berechnung der Gewinnmargen wurden Nettopreise mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen verglichen.
Kritische Stimmen und Preisentwicklungen
Bereits vor der Einführung der 12-Uhr-Regel gab es Bedenken, dass das aus Österreich übernommene Modell möglicherweise zu höheren Spritpreisen führen könnte, da die Preise im Voraus erhöht werden könnten. Diese Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen, da die Benzinpreise in Deutschland in den ersten Tagen nach der Einführung einen besonders starken Anstieg im Vergleich zu den EU-Nachbarn verzeichneten.
Insgesamt zeigt die Studie, dass die 12-Uhr-Regel nicht nur die Margen der Mineralölindustrie beeinflusst, sondern auch wichtige Fragen zur Marktstruktur und Wettbewerbsfähigkeit aufwirft, die für Investoren von erheblichem Interesse sind.

