Strukturwandel in der deutschen Autoindustrie: Mehr als ein Stellenabbau
Die deutsche Automobilindustrie kämpft mit den Auswirkungen einer tiefgreifenden Strukturkrise, die auch den Arbeitsmarkt nicht verschont. Laut einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY verloren im vergangenen Jahr fast 19.000 Beschäftigte ihre Arbeit, womit die Zahl der Angestellten zum Jahresende auf etwas mehr als 761.000 sank. Das entspricht einem Rückgang im Vergleich zu den rund 780.000 Beschäftigten ein Jahr zuvor.
EY nutzte für die Analyse aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts sowie der Agentur für Arbeit und konzentrierte sich auf Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern. Der EY-Autoexperte Constantin Gall erläuterte, dass die Schwierigkeiten der Branche vielfältig seien: Eine lasche Nachfrage infolge der Konjunkturschwäche, hohe Betriebskosten und der kostspielige Parallelbetrieb von Verbrenner- und Elektroautos machen der Industrie ebenso zu schaffen wie der abnehmende Absatz auf dem chinesischen Markt. Trotz massiver Investitionen in Elektromobilität blieben bisher spürbare Markterfolge aus.
Angesichts dieser Herausforderungen werden Autokonzerne die Kosten drastisch kürzen müssen, was zwangsläufig zu weiteren Einschnitten bei der Beschäftigung führen wird, prognostizierte Gall. Der bisher moderate Stellenabbau sei lediglich der Beginn eines unvermeidlichen Schrumpfungsprozesses. Produktionsverlagerungen in Länder wie die USA oder China könnten diesen Trend noch beschleunigen.
Obwohl die Probleme inzwischen erkannt wurden, bleibt die Lage angespannt. Die Zulieferer stehen besonders unter Druck, denn der schleppende Fortschritt in der Elektromobilität belastet ihre Margen erheblich. Somit scheint weiterer Stellenabbau in der Zuliefererkette unausweichlich.
Nur ein umfassender Ansatz, der über Kostensenkungen hinausgeht, bietet Hoffnung auf höhere Margen in mittlerer Zukunft. Während die Umsätze des Industriezweigs 2024 auf 536 Milliarden Euro schrumpften und ein Abrutschen von fünf Prozent im Vorjahr verzeichneten, haben deutsche Unternehmen bereits umfassende Sparprogramme angekündigt. Namhafte Hersteller und Zulieferer wie Mercedes-Benz, Porsche, Volkswagen, Bosch, ZF, Schaeffler und Continental planen, in den kommenden Jahren zehntausende Stellen zu streichen.

