Star Wars Jedi: Fallen Order im Test – Ein Traum wird wahr
Star Wars – die Saga rund um Luke Skywalker, Han Solo, Chewbacca, Leya und dem Kampf der Jedi gegen die dunkle Bedrohung der Sith – begeistert Millionen von Menschen weltweit. Während Film- sowie Serienfans seit 2015 jährlich mit einem neuen Film oder Serienableger bedient werden, mussten die Spieler lange in dir Röhre schauen. Denn die beiden Ego-Shooter „Star Wars Battlefront“ und „Battlefront II“ konnten nicht vollends überzeugen und nach dem Mikrotransaktionsdebal rund um „Battlefront II“ waren sich viele Spieler einig, dass Disney dem Unternehmen EA die Rechte an der Marke wieder entziehen sollten. Und seien wir ehrlich, EA hat es bisher ziemlich verkackt.
Seit 2012 darf EA als einziges Unternehmen Spiele im Star Wars-Universum entwickeln und die Fans haben bisher nur ein halbherzig aufgewärmtes „Battlefront“-Remake und einen zwar besseren, aber von Geldgier zerstörten Nachfolger bekommen. Doch mit „Star Wars Jedi: Fallen Order“ ändert sich das jetzt. EA verzichtet komplett auf Mikrotransaktionen, Loot-Boxen oder ähnliche Casino-Maschen, um an euren Geldbeutel zu kommen. Auch auf Online-Funktionen wurde kein Wert gelegt. Es wird dem Spieler einzig und alleine eine reine Story getriebene Singleplayer-Erfahrung geboten und das ist auch gut so. Leider ist das Abenteuer aber noch mit Stolpersteinen gepflastert. In diesem Spoiler freien Test gehe ich auf die Spielmechaniken ein und verrate euch die Stärken sowie Schwächen des Titels.
Ein Niemand
In „Star Wars Jedi: Fallen Order“ schlüpfen die Spieler nicht in die Haut eines Helden des Star Wars-Universums. Statt also mit Luke oder Han gegen das Imperium zu kämpfen, steuern wir den jungen Cal Kestis, verkörpert durch den Schauspieler Cameron Monaghan (Gotham, Shameless). Cal war einst ein Padawan des Jedi Ordens und überlebte die Order 66 nur knapp. Seitdem hält er sich vor dem Imperium versteckt, unterdrückt seine Macht und arbeitet für die Scrapper Gilde.
Auf dem Planeten Bracca verschrottet er mit seinen Arbeitskollegen Überbleibsel aus den Klonkriegen. Als bei einem Auftrag sein Freund durch einen Unfall in Lebensgefahr gerät, setzt Cal seine Macht ein, um diesen zu retten. Unglücklicherweise wird dieser Vorfall von einem Suchdruiden des Imperiums aufgezeichnet, wodurch Cal ins Visier der imperialen Inquisition gerät. Auf der Flucht vor dem Imperium wird Cal überraschenderweise von der Crew der Stinger Mantis gerettet. Fortan bereist er die Galaxis mit dem Piloten Greez Dritus und der ehemaligen Jedi Cere Junda in der Hoffnung den Orden der Jedi wieder aufbauen zu können.
Nur ein Schüler
Cal Kestis ist kein vollends ausgebildeter Jedi-Ritter, da sein Training tragisch abgebrochen werden musste. In den folgenden Jahren darauf konnte er das gelernte auch nicht verinnerlichen, da er sich vor dem Imperium versteckt halten musste und seine Macht unterdrückte. Dementsprechend passt das gewählte Kampfsystem, welches stark an den beinharten From Software Titel „Sekiro: Shadows Die Twice“ angelehnt ist, perfekt zur Thematik. Cal ist kein großer Krieger, der im Alleingang eine Armee von Sturmtrupplern besiegen könnte und so muss man viel Geschick beweisen, um sich in „Star Wars Jedi: Fallen Order“ zu behaupten. Doch keine Sorge, so hart wie „Sekiro“ ist der Titel keinesfalls.
Zunächst darf der Spieler selbst entscheiden, wie hart die Herausforderung werden soll. So kann man aus vier unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen wählen, die jederzeit im Menü erneut geändert werden kann. Somit sollte jeder Spieler in der Lage sein das Spiel zu meistern. Leider sind die Kämpfe nicht ganz so präzise gelungen wie in „Sekiro“, wodurch sie sehr schwammig wirken. Man kann die Gegner nicht ganz so gut lesen, wodurch ihre Angriffsmuster schwer zu erkennen sind. Zudem funktioniert das Parieren nicht ganz so exakt, wie im erwähnten Vorbild.
Dennoch ist das Kampfsystem weit davon entfernt schlecht zu sein. Das Lichtschwert fühlt sich grandios an und nicht wie ein Knüppel, der die Gegner meilenweit wegschleudert. Das Blocken und die Machteinsätze wurden wunderbar integriert, ohne dabei jemals zu mächtig zu wirken. Zudem wird den Gegner fast immer, ausgenommen menschliche, ein Stück ihres Körpers abgeschnitten oder sie werden gleich in zwei Hälften geteilt. Schade nur, dass das Lichtschwert die Gegner nicht physikalisch korrekt in Sushi verwandelt, sondern es immer die gleichen vordefinierten Gliedmaßen sind.
Eine Prise Uncharted, eine Prise Tomb Raider und ganz viel Metroid Prime
„Star Wars Jedi: Fallen Order“ verarbeitet so einige Spielmechaniken, die wir so bereits in anderen erfolgreichen Action-Abenteuern der letzten Jahre gesehen haben. So erinnern die Kletter- und Rätselpassagen an die Uncharted-Reihe, ohne jedoch dabei die Cleverness der Vorlage ganz zu erreichen. Beide Mechaniken sind passabel umgesetzt, aber mehr auch nicht. Die Rätsel machen vor allem durch den Einsatz der unterschiedlichen Machtfähigkeiten spaß, doch werden dabei eure grauen Zellen nie überfordert. Dafür sind die Rätsel viel zu offensichtlich und schnell durchschaut.
Dann gibt es noch die Rutschpartien, die stark an die letzten Tomb Raider Teile erinnern. Auch hier sind diese Parts eher passabel umgesetzt. Cal lässt sich nur schwer von links nach rechts manövrieren, sodass ihr einige Rutsch-Routen erst kennenlernen müsst, um diese zu bewältigen. Dies haben anscheinend auch die Entwickler gemerkt, denn die Respawn Punkte sind so gesetzt, dass ihr nach einem Sturz direkt wieder am Anfang der Rutsche beginnt.
Besser hingegen wurde der Metroid Prime Part umgesetzt. Davon lebt quasi das ganze Abenteuer. Insgesamt dürft ihr mit Cal sechs Planeten bereisen, wobei fünf davon komplett frei erkundbar sind. Jeder Planet hat nicht nur eine eigene Flora und Fauna zu bieten, sondern verlangt euch unterschiedliche Fähigkeiten ab. Viele Bereiche werden euch erst im späteren Verlauf zugänglich gemacht, sodass ihr immer wieder zwischen den Planeten hin und herreisen werdet. So erlernt Cal viele neue Fähigkeiten, die nicht nur mit der Macht zu tun haben. Und auch der kleine Droide BD-1, den Cal trifft, ist nicht nur zur Zierde entwickelt worden. Das kleine Kerlchen wird euch eine große Hilfe dabei sein neue Bereiche zu erschließen.
Metroidvania-typisch dürft ihr auch viele Geheimnisse lüften und Truhen sammeln. Leider müssen die Spieler auf eine Schnellreise-Funktion verzichten, was dazu führt, dass ihr alle Wege selbst ablaufen müsst. Das führt dazu, dass ihr unnötig viel Zeit damit vergeuden werdet von einem Ende der Karte zum nächsten zu Laufen. Sei es nur um wieder zum Raumschiff zu gelangen oder ein Geheimnis aufzudecken.
Wer es anstrebt alle Geheimnisse und somit alle Planeten zu 100 Prozent abzuschließen wird locker an die 30 Spielstunden beschäftigt sein. Die Truhen beinhalten leider nur kosmetische Skins für Cal, BD-1, das Laserschwert und das Raumschiff Mantis. Schade, dass die Entwickler sich beim Design von Cals äußerem nur wenig Mühe gegeben haben. So habt ihr nur die Wahl zwischen einer Jacke und einem Poncho. Für den Poncho findet ihr zahlreiche unterschiedliche Farben. Dabei wäre es doch genau die Gelegenheit Cal in unterschiedliche ikonische Kostüme aus dem Star Wars-Universum schlüpfen zu lassen.
Zudem haben auch die Laserschwert-Erweiterungen keinen Einfluss auf das Gameplay. Hier hätte man perfekt die einzelnen Parts des Laserschwerts mit Werten versehen können, um der Rollenspiel-Mechanik mehr Tiefe zu verleihen. An Werkbänken kann Cal nämlich einzelne Stücke des Schwertes wie Farbkristall, Sender oder Griff austauschen. Das ist zwar Cool, aber im Grunde bekommt man eh nur die Farbe des Lichtschwertes mit, der Rest kann nur in ruhigen Minuten am Gürtel von Cal betrachtet werden. In den hektischen Szenen geht das Design des Lichtschwertes komplett unter.
Wer wenig Wert darauf legt in welcher Farbe Cal nun rumlaufen soll, der sollte die Truhen links liegen lassen und sich besser auf die Geheimnisse konzentrieren. Diese erleichtern das Spiel ungemein, da sich dahinter entweder Truhen mit Stim-Packs verbergen oder Machtessenzen, die eure Macht- oder Lebensenergie permanent erhöhen können. Von den Essenzen müsst ihr jeweils drei finden. Zum Glück wird euch auf der Karte immer für den jeweiligen Bereich angezeigt, wie viele Geheimnisse und Truhen dort noch versteckt sind. Darüber hinaus könnt ihr auch Pflanzensamen finden, die in einem Terrarium auf der Mantis eingepflanzt werden.
Dark Souls darf nicht fehlen
Darüber hinaus haben sich die Entwickler auch an einigen Mechaniken der Dark Souls-Reihe bedient. Als Estus-Flakons wurden passend zur Star Wars Thematik sogenannte Stim-Packs auserwählt, die Cals Gesundheit wieder aufladen. Sind keine Stim-Packs mehr vorhanden, dann müsst ihr einen Meditationsort aufsuchen, der quasi das Bonfire ist. Hier wird das Spiel abgespeichert. Zudem könnt ihr euch ausruhen, wodurch alle Stim-Packs wieder verfügbar werden, eure Gesundheit aufgeladen wird und bereits besiegte Gegner wieder respawnt werden. Auch könnt ihr eure verdienten Fähigkeitspunkte in neue Fähigkeiten investieren. Neben der permanenten Erhöhung der Gesundheit und der Macht, könnt ihr hier auch neue Moves lernen oder eure Machtkräfte aufbessern.
Solltet ihr mal gegen einen Gegner verlieren, dann startet ihr beim letzten Meditationspunkt und verliert eure gesammelten Erfahrungspunkte. Wie in Dark Souls müsst ihr euch dann zum Todesort durchkämpfen und müsst die verlorene Erfahrung entweder aufsammeln oder einen gelb leuchtenden Feind treffen. Habt ihr die Erfahrungspunkte wiedererlangt, werdet ihr vollkommen geheilt.
Nicht ganz so gelungen wie beim Vorbild ist das environmental storytelling. Zwar platzieren die Entwickler einige Videobotschaften oder auch Objekte die BD-1 Scannen kann, doch erfährt man aus der Umgebung viel zu wenig darüber. Will man mehr erfahren, kommt man nicht drum herum die Datenbank im Menü aufzusuchen. Hier werden alle verstreuten Botschaften, Charaktere, Scans sowie Gegner aufgezeichnet. Zudem finden sich mehr Details zu den sogenannten Machtechos, die Cal in der Welt aufsammeln kann und die ihn Details aus vergangen Tagen aufzeigen. In der Datenbank kann man dann vollends in die Welt von Star Wars eintauchen und zahlreiche Details sowie Geschichten lesen, die eure Erfahrung bereichern. Schade, dass man sich hier durchlesen muss und die ganzen Infos nicht bereits in der Spielwelt mitverarbeitet worden sind.
Star Wars pur
Vom Design, der Atmosphäre, der Musik, bis hin zur Laserschwertspitze versprüht der Titel den typischen Star Wars Charme. Von der ersten Spielminute merkt man den Entwicklern an, mit wie viel Liebe zum Detail sie ans Werk gegangen sind. Wirklich alles schreit: Das ist Star Wars! Genau so haben es sich Fans schon lange gewünscht und Respawn Entertainment liefert auf ganzer Linie ab. Jeder Planet fühlt sich einzigartig an und schafft es dennoch die typische Star Wars Stimmung zu vermitteln. Auch die Charaktere fügen sich wunderbar in die Sage ein und wirken nicht deplatziert.
Zudem trifft Cal auf seiner Reise einige bekannte Charaktere. Während viele von ihnen nur kurz erwähnt werden, schließen wir uns sogar kurz der Rebellentruppe von Saw Gerrera (Forest Whitaker) an. Dessen Figur wurde erstmals in der Animations-Serie „Star Wars: The Clone Wars“ eingeführt und fand in dem Kinofilm „Rogue One: A Star Wars Story“ ihr tragisches Ende. Auch im Spiel wird der Charakter von Tobias Meister synchronisiert, sodass wir vertraute Stimmen hören dürfen. Cal Kestis wird dabei von Louis Friedemann Thiele eingesprochen.
Technisch nicht ganz ausgereift
Etwas ärgerlich ist der technische Zustand von „Star Wars Jedi: Fallen Order“. Zwar sind kein Spielstand zerstörende oder ähnlich fiese Fehler dabei, dennoch kann der Spielspaß etwas darunter leiden. Am nervigsten fielen zum Beispiel die langen Ladezeiten im Falle des Todes ins Gewicht. Zumindest auf der Playstation 4 Pro verschlang der Wiedereinstieg gut und gerne bis zu einer Minute. Auf dem PC sollen die Ladezeiten deutlich kürzer ausfallen.
Neben den üblichen Clipping-Fehlern bekam ich es zusätzlich noch mit kurzen Performance Einbrüchen zu tun, nachladenden Texturen und sogar kurze Freezes, wo das Spiel nochmal geladen werden musste. An anderer Stelle konnte ich mit Cal durch die Felswand springen, eine Unterwasser Animation für BD-1 existiert noch nicht oder wird nicht ausgelöst und bei den Sprüngen wird Cal teilweise entweder in der Luft ausgebremst oder fliegt wie von einem Katapult geschossen über die Karte. Auch die Synchronisation scheint teilweise fehlerhaft zu sein, da die Charaktere außerhalb von Zwischensequenzen anfangen zu lispeln. Viele dieser Fehler werden hoffentlich in den nächsten Wochen der Vergangenheit angehören.
Fazit
„Star Wars Jedi: Fallen Order“ ist ein großartige Singleplayer-Erfahrung geworden, die nicht frei von Fehlern ist. Von dem technischen Zustand mal abgesehen weist der Titel auch einige nervige Design-Fehler auf. So wird zum Beispiel die Neugier der Spieler mit etlichen Truhen, versperrten Bereichen, Geheimnissen und Machtechos geweckt, doch der Verzicht auf eine Schnellreise macht die Erkundung teilweise zur Qual. Und wer sich nicht auf der holografischen Karte zurechtfindet, der verliert schnell die Orientierung, zumal die verschiedenen Ebenen der Karte sich überlappen.
Das Kampfsystem, angelehnt an „Sekiro“, passt perfekt zu der Geschichte rund um Cal Kestis, der nie gelernt hat ein Jedi zu sein und auf dem Level eines Padawans geblieben ist. Trotz zahlreicher Fähigkeiten, die man im Lauf des Abenteuers erlangt, fühlt sich Cal zu keinem Zeitpunkt übermächtig an. Dank den vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden werden auch ungeübte Spieler in den Genuss des Titels kommen dürfen.
Der Titel ist ein Pflichtkauf für alle Star Wars Fans, da er viel Liebe zum Detail beweist. Einfach alles in dem Spiel wird euch in Erinnerung an die Filmvorlage schwelgen lassen ohne dabei seine Originalität zu verlieren. Trotz einiger Mankos zaubern die Entwickler von Respawn Entertainment das beste Star Wars Abenteuer seit langem auf den Bildschirm.

