Spiele-Verband Video Games Europe lehnt Bürgerinitiative gegen Serverabschaltungen entschieden ab
Die wachsende Debatte um das Abschalten digitaler Spiele hat in Europa eine neue Dynamik gewonnen: Die Initiative Stop Killing Games, ein von Verbrauchern getragener Vorstoß zum Schutz gekaufter Videospiele vor dem Aus, hat die notwendige Unterstützerschwelle überschritten, um als Europäische Bürgerinitiative anerkannt zu werden.
Ziel der Bewegung ist es, das rechtliche Vorgehen gegen das systematische Abschalten digitaler Spiele zu ermöglichen - insbesondere solcher Spiele, die ohne Online-Unterstützung nicht mehr spielbar sind. Kritisiert wird dabei die Praxis vieler Publisher, Spiele mit unbegrenzter Nutzungsdauer zu verkaufen, die jedoch bei Einstellung der Serverfunktionalität nutzlos werden.
Die europäische Interessenvertretung Video Games Europe, die zahlreiche Publisher und Entwickler vereint, hat jetzt öffentlich Stellung bezogen: In einer Erklärung weist der Verband die Forderungen der Initiative zurück und warnt vor weitreichenden Eingriffen in unternehmerische Entscheidungsfreiheit.
Das Abschalten von Online-Diensten sei eine komplexe, wirtschaftlich notwendige Entscheidung und werde nie leichtfertig getroffen. Zudem sei der Betrieb alternativer privater Server problematisch, da damit Sicherheitsrisiken und rechtliche Haftungsfragen einhergingen.
Viele moderne Spiele seien von Grund auf als Online-Erlebnisse konzipiert. Ein Zwang zur Erhaltung dieser Spiele würde die Entwicklungskosten erheblich erhöhen und damit die kreative Freiheit der Studios einschränken, so der Verband. Video Games Europe kündigte jedoch an, in den kommenden Monaten das Gespräch mit politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Initiative suchen zu wollen.
Ungeachtet der Einwände der Branche zeigt das Echo aus der Spielergemeinschaft, dass das Thema hohe Relevanz besitzt: Über eine Million Unterschriften für die Petition verdeutlichen die Unzufriedenheit vieler Nutzer mit der aktuellen Praxis. Sollte es auf EU-Ebene zu regulatorischen Maßnahmen kommen, könnten diese zunächst nur im europäischen Raum Wirkung entfalten. In anderen Weltregionen wären Publisher weiterhin frei, digitale Inhalte dauerhaft zu deaktivieren.

