Spannungen in Gaza und umstrittene Siedlungsprojekte im Westjordanland erhöhen Druck auf Israel
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat grünes Licht für die Einberufung von rund 60.000 zusätzlichen Reservisten zur Einnahme der Stadt Gaza gegeben. Dies geht einher mit der Verlängerung des Reservedienstes für etwa 20.000 Soldaten. Im Rahmen dieser Operation sind bereits israelische Truppen in den Vororten Al-Saitun und Dschabalija präsent, wobei die Gesamtzahl der Reservisten im Gazastreifen künftig bis zu 130.000 erreichen könnte. Die zivile Bevölkerung im dicht besiedelten Gazastreifen, wo rund zwei Millionen Menschen leben, steht vor einer potenziellen humanitären Krise.
Eine Million Bewohner der Stadt Gaza sollen sich laut israelischem Militär nach Süden begeben, um dort medizinische und lebensmitteltechnische Versorgung zu erhalten. Diese Umstände werden von internationaler Seite kritisch betrachtet, jedoch weist Israel Vorwürfe der Blockade energisch zurück.
Ein Angriff der Kassam-Brigaden der Hamas auf einen israelischen Militärposten bei Chan Junis brachte zusätzliche Spannung in die Region. Über 15 schwer bewaffnete Palästinenser griffen die Stellung an und setzten Panzerabwehrraketen ein. Zehn Angreifer wurden in einem Gegenangriff getötet. Israelische Militärkreise vermuten eine geplante Entführung von Soldaten hinter der Offensive.
Trotz intensiver Militäroperationen bleibt die Antwort Israels auf einen Vorschlag für eine 60-tägige Waffenruhe, vermittelt durch den US-Sondergesandten, noch aus. Diese Waffenruhe würde den Austausch von zehn lebenden Geiseln für palästinensische Häftlinge vorsehen. Medienberichte deuten an, dass das israelische Sicherheitskabinett am Donnerstag darüber beraten könnte.
Parallel dazu hat ein israelischer Planungsausschuss umstrittene Siedlungspläne im besonders sensiblen E1-Gebiet bewilligt, was auf scharfe internationale Kritik stößt, darunter von Bundesaußenminister Johann Wadephul. Das Projekt, das die geografische Teilung des Westjordanlands in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt zur Folge hätte, wird als potenzieller Todesstoß für die Zweistaatenlösung wahrgenommen. Rechtsextremistische israelische Politiker, darunter Finanzminister Bezalel Smotrich, unterstützen die Ausweitung der Siedlungsaktivitäten, die jede Absicht der Bildung eines palästinensischen Staates untergraben könnten. Währenddessen erwägen Frankreich, Kanada und Australien die Anerkennung eines palästinensischen Staates, ein Schritt, den Israel als "Belohnung für die Hamas" verurteilt.

