Spanien als «Geisel» der Separatisten

12. Februar 2019, 19:34 Uhr · Quelle: dpa

Madrid/Barcelona (dpa) - Unter großem Medieninteresse und begleitet von Protesten ist am Dienstag in Madrid der Startschuss für den Mammutprozess gegen die separatistische Führungsriege Kataloniens gefallen.

Vor dem Obersten Gericht müssen sich zwölf Angeklagte verantworten - darunter ehemalige Minister der Konfliktregion und zwei Aktivisten, die im «heißen Herbst» von 2017 zentrale Rollen gespielt haben. Der Gruppe um Ex-Vize-Regionalpräsident Oriol Junqueras drohen Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Der Vorwurf lautet auf Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung.

Auf der Anklagebank fehlte jedoch der wohl wichtigste Protagonist des Abspaltungsreferendums, das die Justizmühlen vor 14 Monaten ins Rollen brachte: Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont war vor seiner Festnahme ins belgische Exil geflohen. «Wir erleben heute einen Prozess, den es nie hätte geben dürfen», sagte der 56-Jährige am Dienstag in der katalanischen Vertretung in Berlin. Er sprach von einem «künstlich konstruierten, politischen Verfahren» und einem «Stresstest für die spanische Demokratie».

Insgesamt sollen in den kommenden drei Monaten fast 600 Zeugen vernommen werden, so etwa der konservative Ex-Ministerpräsident Mariano Rajoy, in dessen Amtszeit das Referendum fiel. Die Urteilsverkündung wird nicht vor Juli erwartet. Der Prozess wurde live im spanischen Fernsehen übertragen und gilt als einer der wichtigsten in der jüngeren Geschichte des Landes.

Unter Puigdemonts Führung hatte die Regionalregierung am 1. Oktober 2017 ein Unabhängigkeitsreferendum durchgeführt, obwohl dies von der spanischen Justiz verboten worden war. Nach der Abstimmung und einem daraus resultierenden Unabhängigkeitsbeschluss wurde Katalonien von Madrid unter monatelange Zwangsverwaltung gestellt.

Die zentrale Frage, die das Gericht klären muss, ist: Gab es wirklich den Tatbestand der «Rebellion»? Denn diese muss immer mit Gewaltanwendung einhergehen. Der katalanische Jurist Jaume Alonso-Cuevillas, einer der Anwälte der Separatisten, übte im Vorfeld heftige Kritik: «In jedem nicht politisierten Verfahren würde eine solche Anklage nie zugelassen», sagte er der Zeitung «Neues Deutschland». Man müsse «kein Rechtsexperte sein, um festzustellen, dass es keine Gewalt und keinen Aufstand gab».

In Katalonien zündeten radikale Aktivisten am Morgen aus Protest Autoreifen an und blockierten eine Hauptverkehrsader. Vor dem Gerichtsgebäude in Madrid beschimpften sich separatistische Demonstranten und rechte Befürworter der Einheit Spaniens. In den kommenden Wochen soll es zahlreiche Kundgebungen geben, auch in mehreren deutschen Städten.

Für eine Abkühlung der Gemüter hatten im vergangenen Jahr vorübergehend die neue sozialistische Zentralregierung von Pedro Sánchez, die seit Juni im Amt ist, und Puigdemonts Nachfolger Quim Torra gesorgt, als sie im Sommer einen Dialog aufnahmen. Konkrete Fortschritte wurden aber bisher nicht erzielt. Im Gegenteil: Die Separatisten machen Sánchez gerade gründlich Ärger - und könnten sogar für die Ausrufung einer baldigen Neuwahl sorgen.

Am Mittwoch, nur 24 Stunden nach dem Auftakt des historischen Verfahrens, für das sich mehr als 600 Journalisten aus aller Welt akkreditiert haben, ist Sánchez nämlich im Nationalparlament auf die Unterstützung der katalanischen Parteien angewiesen: Nur mit deren Stimmen kann er bei der Abstimmung seinen Haushaltsplan durchbringen und ein vorzeitiges Ende seiner Minderheitsregierung sowie eine Neuwahl verhindern.

«Gratis» wollen die Katalanen Sánchez ihre entscheidenden 17 Ja-Stimmen aber nicht geben. Unter anderem fordern sie, dass sich der Regierungschef gegen harte Urteile für Junqueras und die anderen ausspricht und zudem einer Debatte über das Selbstbestimmungsrecht der Region im Nordosten zustimmt. Sánchez gab bisher nicht nach. Der Sozialist sei dennoch eine «Geisel» der Katalanen, schrieb am Wochenende die Tageszeitung «El Mundo». In der Tat: Falls keine Seite einlenkt und die Katalanen wirklich gegen den Etat stimmen, könnte Sánchez die eigentlich im Juni 2020 fällige Parlamentswahl vorziehen (müssen).

Am Montag hatte er erstmals den 14. April als möglichen Termin dafür ins Spiel gebracht. Vorher war mehrmals der 26. Mai, der sogenannte «Supersonntag», genannt worden, wenn in Spanien schon die Europawahl und viele regionale Urnengänge auf dem Programm stehen. Das Problem: Die noch vor drei Jahren praktisch nicht relevante Rechtspartei Vox würde heute nach Umfragen bei Wahlen bis zu 13 Prozent der Stimmen holen und erstmals im Nationalparlament sitzen.

«Nie zuvor waren die politische Zukunft Spaniens, der innere Zusammenhalt des Landes und dessen internationales Ansehen so sehr von einem Gerichtsverfahren abhängig», fasste die Zeitung «El País» die Situation zusammen. Der Verteidiger von Oriol Junqueras brachte es auf den Punkt: «Wir streben ein ideales Urteil an, das nicht nur in die Justizbücher eingeht, sondern in die Geschichtsbücher.»

Konflikte / Autonomie / Prozesse / Katalonien / Pedro Sánchez / Katalonien / Unabhängigkeitsbewegung / Spanien
12.02.2019 · 19:34 Uhr
[0 Kommentare]
Rettungsaktion Falkensteiner Höhle
Grabenstetten (dpa) - In einer schwer zugänglichen Höhle auf der Schwäbischen Alb ist ein Wanderer an den Folgen eines medizinischen Notfalls gestorben. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, befand sich der Mann mit einer Gruppe bis zu einem Kilometer weit in der Höhle im Kreis Reutlingen. Nach einem aufwendigen Rettungseinsatz konnte die Gruppe laut […] (00)
vor 4 Minuten
Melanie C hofft immer noch, dass die Spice Girls Glastonbury spielen.
(BANG) - Melanie C sagt, ein Auftritt der Spice Girls beim Glastonbury Festival wäre "der Höhepunkt". Sporty Spice hat die langjährigen Glastonbury-Ambitionen der Girlgroup bekräftigt, während sie über die anhaltende Chemie der Gruppe nachdachte, und besteht darauf, dass sie weiterhin die Pyramid Stage erobern wollen. Die Sängerin betonte, dass sie […] (00)
vor 23 Stunden
OLED iPad mini und neues iPad Basismodell geplant
Laut aktuellen Gerüchten sollen im späteren Jahresverlauf ein neues iPad mini mit OLED-Display sowie ein aktualisiertes iPad Basismodell mit einem leistungsstärkeren Chip erscheinen. Beide Modelle haben eine große Fangemeinde, die sich nun auf signifikante Neuerungen freuen darf. iPad Pro, […] (00)
vor 2 Stunden
Vom Bildschirm ins Fernsehen: Das preisgekrönte Atomfall wird als TV Serie adaptiert
Stell dir vor, du erwachst inmitten einer abgeschotteten Sperrzone im malerischen Lake District, umgeben von militärischer Gewalt und bizarren Kulten, ohne jede Erinnerung an deine Ankunft. Atomfall hat mit diesem beklemmenden Szenario bereits Millionen von Spielern in seinen Bann gezogen und kürzlich sogar renommierte Preise abgeräumt. Doch die Reise […] (00)
vor 1 Stunde
ZDF-Nachtprogramm: Doku-Dreierpack über Big Tech und Social Media
In der Nacht auf Donnerstag beleuchtet das ZDF die Macht digitaler Konzerne – ergänzt durch eine Wiederholung zur Wirkung sozialer Netzwerke. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den 28. Mai, widmet sich das ZDF ausführlich den Schattenseiten der digitalen Welt. Ab 00: 45 Uhr zeigt der Sender zunächst Die gefährlichsten Firmen der Welt: Big Tech – Der Aufstieg der Datenkraken, ehe um 01: […] (00)
vor 2 Stunden
Manuel Neuer
München (dpa) - Beim FC Bayern München verdichten sich die Anzeichen für eine 16. Fußball-Saison mit Kapitän Manuel Neuer im Tor. Die Entscheidung steht im Saisonendspurt bevor. «Es wird sich nicht mehr endlos ziehen», sagte Sportdirektor Christoph Freund. Eine Einigung auf ein weiteres Vertragsjahr mit dem 40 Jahre alten Kapitän sei zwar noch nicht fix, betonte Freund […] (01)
vor 4 Stunden
Bitcoin durchbricht kritische Widerstandslinie – Was Anleger jetzt wissen müssen
Das technische Durchbruchsignal Nach einer sechsmonatigen Phase der Konsolidierung hat Bitcoin eine entscheidende Trendlinie überschritten, die von vielen Marktanalysten als kritischer Widerstand beobachtet wurde. Dieser technische Durchbruch markiert einen Wendepunkt in der kurzfristigen Kursentwicklung der weltweit größten Kryptowährung. Die […] (00)
vor 1 Stunde
Dr. Sebastian Springer wird Chief Executive Officer von Beko Technologies
Neuss, 01.05.2026 (PresseBox) - Dr. Sebastian Springer wird zum 1. Mai 2026 zum Chief Executive Officer (CEO) der Beko Technologies berufen. In dieser Funktion übernimmt er die Gesamtverantwortung für das Unternehmen und wird insbesondere die Bereiche Sales & Service sowie Marketing & Product Management direkt führen. Mit der Ernennung von Dr. Springer […] (00)
vor 6 Stunden
 
Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee
Kopenhagen (dpa) - Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Küsten gestrandeten […] (11)
Verladebahnhof (Archiv)
Leverkusen - Der Vorstandsvorsitzende des Kunststoffkonzerns Covestro, Markus […] (00)
Sommerhitze
Offenbach/Main (dpa) - Nach einem sonnigen Start in den Mai ziehen zum Wochenende […] (01)
Börsentag: Der Weg ist frei für Kevin Warsh – Powell-Untersuchung beendet
Powell-Untersuchung beendet – Ein Durchbruch für die Fed-Nachfolge Die Untersuchung […] (00)
Subnautica 2 startet schon bald in den Early Access
Unknown Worlds gibt bekannt, dass  Subnautica 2  am 14. Mai ab 17 Uhr für 29,99 € […] (00)
Die Frau, die zur Inspiration von Emily Charlton in 'Der Teufel trägt Prada' wurde, fühlte sich verraten.
(BANG) - Die Frau, die zur Inspiration von Emily Charlton in 'Der Teufel trägt Prada' […] (00)
Donald Trump und Gianni Infantino
Vancouver (dpa) - US-Präsident Donald Trump lässt FIFA-Chef Gianni Infantino bei der […] (07)
«Minimum Wage»: Netflix adaptiert virale Kurzserie
Die neue Workplace-Comedy basiert auf einem Social-Media-Hit und soll noch 2026 mit 28 Episoden […] (00)
 
 
Suchbegriff