Sozialabgaben: Eine finanzielle Gratwanderung steht bevor
Martin Werding, renommierter Wirtschaftsweise, warnt eindringlich vor einer drastischen Erhöhung der Sozialabgaben auf bis zu 50 Prozent des Bruttoeinkommens, sofern keine umfassenden Reformen in die Wege geleitet werden. Der gegenwärtige Anstieg der Beiträge erweckt seine Besorgnis: „Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann die Grenze von 50 Prozent erreicht wird“, so Werding im Gespräch mit der „Rheinischen Post“.
Aktuell beläuft sich die Summe der Abgaben von Arbeitnehmern und -gebern auf circa 42 Prozent des Bruttoeinkommens, mit einer erwarteten Steigerung auf 43 Prozent in diesem Jahr. Die Anhebung der Zusatzbeiträge durch Krankenkassen sowie eine bevorstehende Erhöhung in der Pflegeversicherung tragen wesentlich zu dieser Entwicklung bei.
Ein weiteres heikles Thema ist die Rentenversicherung, welche in den Jahren 2027 oder spätestens 2028 in den Fokus rücken dürfte. Die aktuell stabilen Rentenbeiträge von 18,6 Prozent könnten auf nahezu 20 Prozent explodieren. Diese Entwicklungen könnten bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode eine Steuerlast von 45 Prozent zur Folge haben.
Der auffordernde Appell Werdings nach tiefgreifenden Reformen wird lauter, denn die derzeitigen Diskussionen und Maßnahmen greifen seiner Meinung nach bei Weitem nicht tief genug. Sein Expertenwissen bringt Werding seit 2022 als Mitglied des Sachverständigenrats der Wirtschaft ein. Zudem lehrt er seit 2008 als Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum.
Ein Vorstoß in der Materie war seine Studie zur Aktienrente der FDP vor der Bundestagswahl 2021.

