Krieg in der Ukraine

Selenskyj wirbt für Friedensgipfel

24. Februar 2023, 17:22 Uhr · Quelle: dpa
Initiativen zum Ende des Kriegs in der Ukraine gibt es tatsächlich. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirbt in Kiew um internationale Teilnehmer für einen Gipfel zu seiner «ukrainischen Friedensformel».

Kiew (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die internationale Gemeinschaft zu einer breiten Teilnahme an einem Gipfel zu seinem Friedensplan aufgefordert. «Je mehr Länder mitmachen, desto mehr Unterstützung haben wir», sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz zum ersten Jahrestag des Krieges am Freitag in Kiew.

An dem Gipfel sollten nicht nur die Partner der Ukraine im Westen teilnehmen, sondern auch die Staaten Lateinamerikas, afrikanische Länder sowie China und Indien, sagte er. Ein Termin für den Gipfel steht noch nicht fest.

Zu Selenskyjs «ukrainischer Friedensformel» gehören der vollständige Abzug russischer Truppen vom ukrainischen Staatsgebiet, die Freilassung aller Kriegsgefangenen, ein Tribunal gegen russische Kriegsverbrecher sowie Sicherheitsgarantien für die Ukraine.

«Auf unserer Seite ist die Wahrheit»

Aktuell fordert Kiew mehr und bessere Waffen, darunter Panzer, Kampfjets und weiterreichende Raketen; außerdem Geld zur Finanzierung des Staatshaushaltes sowie eine «neue Diplomatie» mit mehr Druck auf Kriegsgegner Russland.

Selenskyj zeigte sich bei dem Termin weiter siegesgewiss. «Wenn wir alle unsere Hausaufgaben machen, dann wird uns unvermeidlich der Sieg erwarten», sagte der 45-Jährige am Freitag bei einer Pressekonferenz in Kiew. Dabei sei es wichtig, dass jeder konzentriert sei und seine Arbeit mache. «Wir werden siegen, denn auf unserer Seite ist die Wahrheit», so Selenskyj.

Russland ist am 24. Februar 2022 in die Ukraine marschiert und hat seitdem mehrere ukrainische Gebiete völkerrechtswidrig annektiert. Einschließlich der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim halten russische Truppen derzeit rund ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets besetzt.

Schweigeminute vor der Sophienkathedrale

Zuvor hatte Selenskyj den Widerstand seiner Landsleute gewürdigt. «Es war ein Jahr des Schmerzes, der Sorgen, des Glaubens und der Einheit», teilte der 45-Jährige heute mit. Am 24. Februar vor einem Jahr hätten viele ihre Wahl getroffen. «Nicht eine weiße Fahne, sondern die blau-gelbe Fahne», sagte er. «Nicht fliehen, sondern sich stellen. Widerstand und Kampf», schrieb Selenskyj im Kurznachrichtendienst Twitter zu einem emotionalen Video mit Bildern vom Kampf der Ukrainer. «Wir wissen, dass 2023 das Jahr unseres Sieges sein wird», so Selenskyj weiter.

Wenige Stunden später hielt der ukrainische Staatschef eine Rede vor der berühmten Sophienkathedrale in Kiew. In militärisch grüner Kleidung ehrte er Soldaten mit Orden, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vom Ort der Zeremonie berichtete.

Mit gesenktem Kopf hielt Selenskyj außerdem eine Schweigeminute für die vielen ukrainischen Opfer des Krieges ab. Für die Veranstaltung, die bei Minusgraden abgehalten wurde, waren hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, der Bereich war weiträumig abgesperrt.

Selenskyj: «Und heute stehen wir genau ein Jahr»

In einer auf der Seite des Präsidialamts veröffentlichten Videobotschaft wandte sich Selenskyj außerdem an alle Ukrainer - und erinnerte an den «längsten Tag unseres Lebens»: den ersten Kriegstag am 24. Februar 2022. «Wir sind damals früh aufgewacht und können seitdem nicht mehr einschlafen», sagte der 45-Jährige. Trotz des Schocks hätten alle sofort gespürt, was zu tun sei: «Wir haben nicht gewusst, was morgen sein wird, doch begriffen genau: Für jedes Morgen muss man kämpfen!» Prognosen, dass die Ukraine maximal 72 Stunden standhalten könne, hätten sich nicht bewahrheitet. «Und heute stehen wir genau ein Jahr.»

Der Staatschef zählte mit Mariupol, Mykolajiw, Charkiw und Kramatorsk mehrere von russischen Angriffen besonders erschütterte Städte auf. «Wir haben Butscha, Irpin und Borodjanka gesehen. Der ganzen Welt ist klar geworden, was «russische Welt» wirklich bedeutet», mahnte Selenskyj.

Gleichzeitig wandte er sich an die Ukrainer in den weiter russisch besetzten Regionen. «Die Ukraine wird Euch nicht im Stich lassen, vergessen und aufgeben», sagte der Staatschef. Alle Territorien würden befreit, versprach er. Und an die Millionen Flüchtlinge im Ausland gerichtet, hob er hervor: «Wir werden alles dafür tun, dass ihr in die Ukraine zurückkehren könnt.»

Klitschko: Werden alles überstehen und gewinnen

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von einem «tragischen und psychisch erschöpfenden» Jahr. «Aber wir kämpfen, wir glauben an uns selbst und an unser Land. Deshalb werden wir alles überstehen und gewinnen», schrieb er in seinem Telegram-Kanal und veröffentlichte dazu eine Videobotschaft.

Während viele Ukrainer nicht an einen «barbarischen Krieg» Russlands geglaubt hätten, habe sich die Hauptstadt auf den möglichen Angriff vorbereitet. «Freiwillige, die in die Territorialverteidigung eingetreten sind, und unser Militär haben geholfen, die Hauptstadt zu schützen und zu halten.» Die russischen Truppen rückten nach dem Kriegsbeginn am 24. Februar in die Vororte der Hauptstadt vor, kamen aber nicht weit.

«Kiew ist das Herz der Ukraine, Kiew war und bleibt ein Ziel von Russland, der Russen und von Putin», hatte Klitschko im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch gesagt. Zugleich betonte der 51-Jährige, dass er nicht glaube, dass Russland ein neuer Angriff auf die Hauptstadt gelingen könne. «Ich glaube nicht, dass Russland gewinnt.»

Politik / Krieg / Konflikte / Militär / Gipfel / Wolodymyr Selenskyj / Jahrestag / Sieg / Vitali Klitschko / Frieden / Russland / Ukraine
24.02.2023 · 17:22 Uhr
[6 Kommentare]
Mann mit Kippa
Berlin (dpa) - Polizeistreifen vor der Synagoge, Anfeindungen, Hass: Auch zweieinhalb Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel erleben viele Juden in Deutschland ihre Lage als bedrückend. In einer Umfrage des Zentralrats der Juden erklärten 68 Prozent von 102 jüdischen Gemeinden, es sei für sie unsicherer als vor dem 7. Oktober 2023. Der Wert […] (00)
vor 7 Minuten
Melanie C hofft immer noch, dass die Spice Girls Glastonbury spielen.
(BANG) - Melanie C sagt, ein Auftritt der Spice Girls beim Glastonbury Festival wäre "der Höhepunkt". Sporty Spice hat die langjährigen Glastonbury-Ambitionen der Girlgroup bekräftigt, während sie über die anhaltende Chemie der Gruppe nachdachte, und besteht darauf, dass sie weiterhin die Pyramid Stage erobern wollen. Die Sängerin betonte, dass sie […] (00)
vor 12 Stunden
Netflix
Los Gatos (dpa) - Netflix wird in seiner Smartphone-App künftig Clips im Hochformat aus dem Angebot des Streaming-Riesen zeigen. Die Idee dahinter ist, Nutzern die Suche nach für sie interessanten Filmen und Serien zu erleichtern. Der Clips-Bereich wird zunächst in den USA, Großbritannien und sieben weiteren Ländern eingeführt, weitere sollen folgen, […] (00)
vor 17 Minuten
Subnautica 2 startet schon bald in den Early Access
Unknown Worlds gibt bekannt, dass  Subnautica 2  am 14. Mai ab 17 Uhr für 29,99 € im Early Access auf PC und Xbox Series Konsolen erscheinen wird. Die Fortsetzung bietet eine neue, fremde Unterwasserwelt, erweiterte Überlebensmechaniken und erstmalig in der Reihe einen optionalen Koop-Modus für vier Spieler. Begleitend zur Ankündigung veröffentlichte […] (00)
vor 10 Stunden
Apple wächst mit Dienstleistungen auf 30,976 Milliarden
Der Streamingdienst Apple TV und die weiteren Service-Einheiten erzielten im ersten Quartal des Jahres einen neuen Rekord. Am Donnerstag veröffentlichte Apple im kalifornischen Cupertino die Quartalszahlen. Damit schloss sich das Unternehmen anderen Unternehmen an und präsentierte positive Ergebnisse. So stieg der Umsatz von 95,359 auf 11,184 Milliarden US-Dollar und der Gewinn vor Steuern von […] (00)
vor 7 Stunden
Donald Trump und Gianni Infantino
Vancouver (dpa) - US-Präsident Donald Trump lässt FIFA-Chef Gianni Infantino bei der Entscheidung über eine Teilnahme des Iran bei der Fußball-WM freie Hand. «Ich finde, lassen wir sie spielen», sagte Trump im Weißen Haus. Kurz zuvor hatte Infantino beim Kongress des Weltverbands in Vancouver versichert, dass der Iran bei der Weltmeisterschaft in den […] (05)
vor 6 Stunden
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, bargeldlos, berlin
Der Ethereum-Kurs hat einen erneuten Rückgang begonnen und ist unter $2.250 gefallen. Derzeit konsolidiert sich der Kurs über $2.220, könnte jedoch Schwierigkeiten haben, sich zu erholen. Ethereum hat eine Abwärtskorrektur unterhalb der $2.265-Marke begonnen. Der Kurs handelt unter $2.280 und dem 100-Stunden-Simple-Moving-Average. Auf dem […] (00)
vor 34 Minuten
Barracuda meets MB Customs: Dragoon-Felgen und mehr am Hot Hatch Golf R
Neckartenzlingen, 30.04.2026 (lifePR) - Für Petrolheads, die einen Hot Hatch aus dem Hause Volkswagen haben wollten, gab es lange Zeit nur eine logische Wahl: den legendären GTI! Dann erwuchs im Jahr 2002 jedoch hauseigene Konkurrenz. Plötzlich war der GTI nicht mehr das stärkste Pferd im Golf-Stall. Diese Ehre kam fortan dem R32 zu. Seitdem entstanden […] (00)
vor 12 Stunden
 
Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee
Kopenhagen (dpa) - Das Transportschiff mit dem vor Mecklenburg-Vorpommern […] (00)
Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee
Berlin (dpa) - Die private Initiative zum Transport des wochenlang gestrandeten […] (00)
Britney Spears
Los Angeles (dpa) - Nach einer vorübergehenden Festnahme wegen einer Autofahrt unter Einfluss […] (01)
Rechte Gewalttaten
Berlin (dpa) - Die Polizei hat in Deutschland im vergangenen Jahr so viele rechts […] (00)
ABC verlängert «Shifting Gears» und «Scrubs»
Der US-Sender setzt beide Formate für die TV-Saison 2026/27 fort und bestätigt damit seinen […] (00)
Helene Fischer
(BANG) - Helene Fischer hat in der ORF-Talkshow 'Willkommen Österreich' einen sehr […] (00)
Gewinnüberraschung mit einem Twist Western Digital hat kürzlich Gewinne […] (00)
Assassin’s Creed Black Flag Resynced zeigt seine komplette Map
Assassin’s Creed Black Flag Resynced bleibt seiner Vorlage offenbar sehr treu, auch […] (00)
 
 
Suchbegriff