Forderungen nach Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs in Deutschland

Dringende Forderungen nach Modernisierung
Drei Jahre nach der Einführung des Deutschlandtickets wird zunehmend der Ruf nach einer umfassenden Verbesserung des Nah- und Regionalverkehrs in Deutschland laut. Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, appelliert an Bund und Länder, den angekündigten Modernisierungspakt für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) endlich in die Tat umzusetzen. Die Notwendigkeit, zusammen mit Verkehrsverbünden und kommunalen Unternehmen ein attraktives Angebot zu schaffen, wird immer deutlicher. Mehr Linien, häufigere Abfahrten und zusätzliche Mobilitätsangebote sind essentielle Forderungen, um den Bedürfnissen der Fahrgäste gerecht zu werden.
BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg hebt hervor, dass das volle Entwicklungspotenzial des ÖPNV noch nicht ausgeschöpft ist. Er fordert eine Ausweitung der Linien, engere Taktungen, längere Züge und den Einsatz von elektrischen Bussen, um die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu erhöhen. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen unterstützt diese Forderungen und sieht die Notwendigkeit, das Angebot so zu erweitern, dass das Deutschlandticket flächendeckend wirkungsvoll sein kann.
Ungleichheit zwischen Stadt und Land
Die Allianz pro Schiene warnt ebenfalls, dass das Potenzial des Deutschlandtickets bislang nicht vollständig genutzt wird. Geschäftsführer Dirk Flege weist darauf hin, dass vor allem städtische Nutzer von den Vorteilen des Tickets profitieren, während ländliche Regionen oft unter unzureichenden Anschlüssen leiden. „Das Deutschlandticket ist ein Versprechen für einen einfachen und unkomplizierten Zugang zum öffentlichen Nahverkehr“, so Flege, der auch betont, dass ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis und ein ausreichendes Angebot vor der Haustür unerlässlich sind.
Das Deutschlandticket, das seit dem 1. Mai 2023 zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat angeboten wird, hat mittlerweile rund 14,5 Millionen Nutzer. Es ermöglicht bundesweite Fahrten im Regional- und Nahverkehr und hat die bestehenden Tarifstrukturen erheblich vereinfacht. Allerdings stieg der Preis zu Beginn des Jahres auf 63 Euro pro Monat, und ab 2027 soll der Preis auf Basis eines Indexes berechnet werden, der verschiedene Kostenfaktoren berücksichtigt. Die genaue Preisentwicklung bleibt jedoch ungewiss.
Finanzierungsmodelle und Herausforderungen
Die Einführung des Deutschlandtickets hat zu Einnahmeausfällen bei Verkehrsunternehmen geführt, da es günstiger ist als vorherige regionale Abonnements. Um diesen Verlust auszugleichen, stellen Bund und Länder jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro bereit. Die Verkehrsminister haben sich darauf geeinigt, diese Finanzierung bis 2030 zu sichern. Schuchardt fordert jedoch, dass die Einnahmeausfälle vollständig kompensiert werden müssen. „Sonst gibt es zwar ein erschwingliches Deutschlandticket, aber es fehlt das Geld für Betrieb, Qualität und Ausbau des Angebots“, warnt er.
Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer hebt hervor, dass der Erfolg des Deutschlandtickets im vergangenen Jahr signifikante ökologische Vorteile gebracht hat, darunter die Einsparung von mindestens 500 Milliarden Litern Sprit. „Die Millionen von ÖPNV-Abos ersetzen Autofahrten, entlasten Straßen und Geldbörsen und fördern den Klimaschutz“, erklärt sie. Dennoch sieht sie die Rückkehr zur gescheiterten Tankrabatt-Politik der Bundesregierung kritisch, anstatt das erfolgreiche Modell des 9-Euro-Tickets wiederzubeleben.
Zukunftsperspektiven und Marktanalysen
Eine kürzlich veröffentlichte Evaluation des Bundesverkehrsministeriums zeigt, dass die Nachfrage nach dem Deutschlandticket insbesondere in Metropolen hoch ist, während es auch in ländlichen Gebieten eine relevante Rolle spielt. Ein Gutachten weist auf ein zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets hin, das durch die Reaktivierung ehemaliger Nutzer und gezieltes Marketing erschlossen werden könnte. Allerdings zeigt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, dass sich dieses Potenzial in den Verkaufszahlen nicht widerspiegelt. Der immense wirtschaftliche Druck auf die Verkehrsunternehmen führt vielmehr dazu, dass das ÖPNV-Angebot bundesweit abnimmt, was sich negativ auf die Zuwächse beim Deutschlandticket auswirkt.

