Schweizer Pharmaindustrie unter Zollandrohung aus den USA
Die jüngste Ankündigung der USA, Medikamentenimporte mit einem Zollsatz von 100 Prozent zu belegen, versetzt die Schweizer Pharmaindustrie in Aufruhr. Laut René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der 23 forschenden Pharmaunternehmen, wurde intensiv versucht, diesen „Paradigmenwechsel“ zu verhindern. Das historische Fehlen von Zöllen auf Medikamente gründet auf der moralisch-ethischen Überlegung, dass schwer kranke Menschen nicht durch höhere Kosten zusätzlich belastet werden sollten.
Ein Lichtblick könnte sich für die beiden größten Schweizer Pharmafirmen abzeichnen: Novartis und Roche äußerten sich zwar noch nicht zur Zollpolitik, könnten jedoch aufgrund ihrer Produktionsstandorte in den USA von den neuen Regelungen ausgenommen sein. Beide Unternehmen planen beträchtliche Investitionen in den USA. So kündigte Roche Investitionen von 50 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre an und entwickelt in North Carolina eine neue Produktionsstätte. Novartis plant Investitionen in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar.
Bereits bestehende Zölle von 39 Prozent auf US-Exporte belasten die Schweizer Wirtschaft merklich. Während pharmazeutische Produkte bislang verschont blieben, könnten neue Zölle das Gleichgewicht stören. Pharmaexporte machen die Hälfte der Schweizer Exporte in die USA aus und sind ein bedeutender Faktor für den Handelsbilanzüberschuss der Schweiz.
Zusätzlich fordert die US-Regierung eine Senkung der Medikamentenpreise und wirft den Pharmaunternehmen vor, amerikanische Patienten finanziell zu überfordern. Vas Narasimhan, CEO von Novartis, bestätigte, dass die Innovationskosten einen großen Anteil an den Preisstrukturen in den USA ausmachen. Da in den USA anders als in Europa die Preise durch private Versicherer und nicht durch den Staat oder Krankenkassen ausgehandelt werden, könnte eine Preisregulierung in den USA zu Preissteigerungen in Europa führen, warnte Narasimhan in der „Neuen Zürcher Zeitung“.

