Staatsverschuldung

Schuldentopf Infrastruktur: Verheerende Forscher-Bilanz

17. März 2026, 15:02 Uhr · Quelle: dpa
Bahnbaustelle
Foto: Jens Büttner/dpa
Eine Bahnbaustelle in Karstädt in Brandenburg. (Archivbild)
Die Bagger sollen rollen und Deutschland modern werden. Das will die Regierung mit dem 500-Milliarden-Schuldenpaket erreichen. Doch nach Berechnungen von Forschern kann davon bisher keine Rede sein.

Berlin/Köln/München (dpa) - Vor einem Jahr beschloss der Bundestag ein Schuldenpaket in Rekordausmaß: 500 Milliarden Euro sollten in Infrastruktur und Klimaschutz fließen. Zwölf Monate später ziehen Wissenschaftler eine ernüchternde Bilanz: Nur ein kleiner Teil des Sondervermögens Infrastruktur fließe bisher tatsächlich in die vorgesehenen Projekte. Mit dem Großteil stopfe die Regierung dagegen Haushaltslöcher. Das Finanzministerium will das nicht auf sich sitzen lassen. 

Was ist das Sondervermögen Infrastruktur?

Es handelt sich um einen schuldenfinanzierten Topf, der neue Investitionen und einen langfristigen Schub beim Wirtschaftswachstum ermöglichen soll. Er wird neben dem normalen Bundeshaushalt geführt und anders als im Kernhaushalt gilt hier keine Schuldenbremse. Gefüllt wird der Topf mit Krediten über 500 Milliarden Euro, die über zwölf Jahre ausgegeben werden können. 

Wichtig: Im Grundgesetz ist geregelt, dass das Geld nur zusätzlich zu im Kernhaushalt ohnehin geplanten Investitionen genutzt werden darf. Es soll helfen, den riesigen Investitionsstau in Verkehrs- und Energieinfrastruktur, Bildung und Digitalisierung sowie Wohnungsbau aufzulösen. «Wir investieren jetzt so stark wie noch nie zuvor in die Stärke und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes», hat Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärt.

300 Milliarden Euro sind für Investitionen des Bundes vorgesehen, 100 Milliarden fließen über den Klima- und Transformationsfonds gezielt in den Klimaschutz und weitere 100 Milliarden gehen an die Länder für Investitionen vor allem in den Kommunen. 

Was sagen die Forschungsinstitute?

Das Münchner Ifo-Institut und das IW Köln haben untersucht, wie die Mittel bisher verwendet wurden. Sie kommen dabei zu ähnlichen Ergebnissen.

Laut Ifo wurden 2025 im Sondervermögen 24,3 Milliarden Euro an Krediten aufgenommen. Die zusätzlichen Neuinvestitionen des Bundes seien aber nur um 1,3 Milliarden Euro höher gewesen als im Vorjahr. Daraus schließen die Forscher, dass 95 Prozent der Gelder nicht für zusätzliche Investitionen genutzt wurden. Diverse Projekte seien stattdessen aus dem Kernhaushalt ins kreditfinanzierte Sondervermögen verschoben worden – besonders Zuschüsse im Verkehrsbereich. So habe die Regierung die Kredite in Wahrheit nahezu vollständig zum Stopfen von Etatlöchern genutzt, kritisierte Präsident Clemens Fuest. 

Das IW Köln berechnete, dass 86 Prozent der Mittel aus dem Sondervermögen zweckentfremdet wurden. Die Investitionsausgaben des Bundes seien insgesamt nur um zwei Milliarden Euro gestiegen – «gerade genug, um die Inflation auszugleichen». Allein mit 12 Milliarden Euro aus dem Sondertopf seien zudem Ausgaben ersetzt worden, die zuvor aus dem Kernhaushalt finanziert wurden. Insgesamt habe der Bund viel weniger Geld aus dem Topf genutzt als geplant. 

Kommt diese Kritik überraschend?

Nein, bereits im August 2025 hatte die Bundesbank der Bundesregierung vorgeworfen, ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden fließe nicht in zusätzliche Investitionen. Die Opposition im Bundestag, besonders die Grünen, befürchteten schon vor einem Jahr einen «Verschiebebahnhof». Jetzt sagt Fraktionschefin Katharina Dröge: «Das war die historische Chance für Friedrich Merz und seine Kanzlerschaft. Und ein Jahr später muss man sagen: Er hat es verzockt.» Klingbeil sei ein schlechter Finanzminister und die CDU könne mit Geld nicht umgehen. Linken-Haushälter Dietmar Bartsch spricht von «Schummelei» und warnt, die Regierung verspiele das Vertrauen der Bürger. Klingbeil agiere nicht ehrlich, nicht transparent und nicht verantwortungsvoll. 

Was sagt die Regierung zu der Kritik?

Das Finanzministerium wies den Vorwurf deutlich zurück. Tatsächlich seien mit dem Geld wie vorgeschrieben zusätzliche Investitionen in die Modernisierung des Landes getätigt worden, die die Investitionen aus dem Kernhaushalt ergänzten, sagte eine Sprecherin. 

Das Haus von Vizekanzler Klingbeil verweist dabei stets auf die genaue Regelung: Investitionen gelten dann zusätzlich, wenn gleichzeitig im Kernhaushalt eine Investitionsquote von mindestens zehn Prozent erreicht wird. In ihrer Haushaltsplanung für 2025 hat die Bundesregierung das knapp geschafft. Weil danach nicht alle geplanten Mittel abgerufen wurden, kam man in der Schlussrechnung zwar nur noch auf 8,7 Prozent. Doch für die Rechtmäßigkeit zählen die geplanten, nicht die tatsächlichen Ausgaben. 

Zudem hätten die Studienautoren einen nicht ausfinanzierten Haushaltsentwurf der zerbrochenen Ampel-Regierung zum Vergleich herangezogen, argumentierte die Sprecherin. Das habe das Ergebnis verfälscht. Insgesamt habe man die Investitionsausgaben durch den Sondertopf von 2024 auf 2025 um 17 Prozent steigern können. Von insgesamt rund 87 Milliarden Euro Investitionen seien 24 Milliarden auf den Sondertopf entfallen. Für das laufende Jahr plane der Bund eine weitere Steigerung der Investitionen auf rund 120 Milliarden, wobei 58 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen kämen.

Wie viel Geld aus dem Topf ist schon ausgegeben?

Bisher ist nur ein kleiner Teil der 500 Milliarden wirklich geflossen – allerdings ist der Sondertopf auch erst seit Oktober 2025 einsatzbereit. Die genauen Zahlen für den Bundesanteil kann man auf der Internetseite des Finanzministeriums finden. Mit Stand Ende Februar sind hier rund 39 Milliarden Euro ausgewiesen (genauer 39.155.731.903,75 Euro). 

Wofür genau wird das Geld ausgegeben?

Die Bundesregierung nennt hier beispielhaft bessere Kitas, Schulen, Straßen und Schienen, günstige und klimafreundliche Energie sowie schnelles Internet und zusätzlichen Wohnraum. Im ersten Jahr, 2025, liefen die Investitionen nur schleppend an, was Klingbeil auch wiederholt beklagt hat. Sie müssten jetzt dafür sorgen, dass die Bagger tatsächlich rollen, forderte er die anderen Ministerien und die Bundesländer auf.

In diesem Jahr sollen zum Beispiel 3,25 Milliarden Euro in den Erhalt von Brücken und Tunneln fließen, weitere 16,3 Milliarden in Bahnstrecken. Knapp 1,4 Milliarden will der Bund in den Um- und Neubau klimaneutraler Wärmenetze stecken. 940 Millionen aus dem Sondervermögen fließen in Kinderbetreuung, 2,3 Milliarden in den Breitbandausbau, 833 Millionen Euro in die Sanierung kommunaler Sportstätten.

Finanzen / Bundesregierung / Infrastruktur / Investitionen / Deutschland / Klimaschutz / Forschungsinstitute
17.03.2026 · 15:02 Uhr
[0 Kommentare]
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
Der globale Zahlungsdienstleister Mastercard hat einen weiteren bedeutenden Schritt zur Integration von Blockchain in die traditionelle Finanzwelt unternommen. Das Unternehmen kündigte erweiterte Abwicklungsfähigkeiten an, die nun mehrere Stablecoins umfassen, darunter Ripple's RLUSD, Circle's USDC, den von Paxos ausgegebenen PYUSD, USDG, USDP und […] (00)
vor 37 Minuten
Jan-Niclas Gesenhues (Archiv)
Berlin - Die Grünen haben das Aktionsprogramm der Bundesregierung für eine nationale Kreislaufwirtschaft als unzureichend kritisiert. "Dieses Aktionsprogramm ist ein reiner PR-Stunt ohne Substanz", sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Jan-Niclas Gesenhues, der "Rheinischen Post" (Donnerstagausgaben). Das Kabinett hatte den […] (00)
vor 12 Minuten
Brett Goldstein
(BANG) - Brett Goldstein hält Jennifer Lopez für eine "phänomenale Künstlerin". Der 45-jährige Schauspieler spielt an der Seite der 56-jährigen Jennifer in 'Office Romance', der neuen romantischen Komödie unter der Regie von Ol Parker, und Goldstein hat seine Filmpartnerin in den höchsten Tönen gelobt und Lopez als "außergewöhnlich" bezeichnet. […] (00)
vor 2 Stunden
Apple-Logo
Cupertino/Berlin (dpa) - Apple wird sein erstes europäisches Zentrum zur Unterstützung von App-Entwicklern in Berlin ansiedeln. Der Standort im Stadtbezirk Mitte soll in diesem Jahr öffnen, wie der iPhone-Konzern ankündigte. Es wird das fünfte Apple Developer Center nach Bengaluru, Shanghai, Singapur und dem Konzernsitz Cupertino.  In den Zentren […] (00)
vor 1 Stunde
CHERRY XTRFY K63W Pro: Die erste Gaming-Tastatur mit Ultra-Wideband und 8K Polling kommt im Juli
CHERRY XTRFY hat auf der Computex 2026 die K63W Pro Compact enthüllt – die weltweit erste Gaming-Tastatur mit Ultra-Wideband-Funk und 8000 Hz Polling-Rate. Das klingt nach einem technischen Befreiungsschlag im kabellosen Gaming, wo 2,4-GHz-Funk und Bluetooth seit Jahren stagnieren. Doch bei aller Innovation drängt sich eine Frage auf: Warum nennt CHERRY […] (00)
vor 54 Minuten
Martin Scorsese
(BANG) - Martin Scorsese hat sich mit dem KI-Unternehmen Black Forest Labs zusammengetan. Der Regisseur von 'The Wolf of Wall Street' ist als Berater in das Unternehmen eingetreten, um "die Grenzen der Kreativität zu erweitern und dem Publikum tiefere und reichhaltigere Erlebnisse zu bieten". In einer Erklärung auf der Website von Black Forest Labs […] (00)
vor 2 Stunden
Vor der Fußball-WM - Deutsche Nationalmannschaft
Chicago (dpa) - Manuel Neuer und Jonas Urbig sind mit einem Morgenspaziergang am Lake Michigan in ihren ersten WM-Tag in Amerika gestartet. Die Bayern-Torhüter drehten eine Runde unweit des Teamhotels der Fußball-Nationalmannschaft in Chicago. Mit dabei im frühen Sonnenschein war auch DFB-Arzt Jochen Hahne. Neuer und Urbig setzten sich auf eine Mauer, […] (01)
vor 21 Minuten
Stalins Weinkeller erstmals geöffnet
Schlieren, 03.06.2026 (lifePR) - Einige der Flaschen stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und gehörten einst Zar Alexander III.: In Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, wurde dieser Tage der Weinkeller Josef Stalins geöffnet, in dem rund 40.000 Flaschen lagern. Viele der Weine stammen aus Bordeaux und auch aus Georgien selbst. Die Regierung plant nun, […] (00)
vor 1 Stunde
 
Japans Kapitalmärkte: Eine Wachstumsfront Catherine Clays jüngste Äußerungen auf der […] (00)
Einleitung Die Welt steht vor der Möglichkeit, dass das Wetterphänomen El Niño bald […] (00)
Opec-Rohölpreise sinken Der Preis für Rohöl, das von der Organisation […] (00)
Philipp Lahm (Archiv)
Berlin - Philipp Lahm vermisst in der deutschen Nationalmannschaft seit Langem einen […] (01)
Silent Hill: Townfall erscheint im September
Konami, Annapurna Interactive und Entwickler Screen Burn Interactive haben den […] (00)
Tom Holland
(BANG) - Tom Holland musste ein "sehr unangenehmes Gespräch" mit Führungskräften von […] (00)
iPhone-Lieferungen in Lateinamerika steigen im ersten Quartal um 8 Prozent
Der lateinamerikanische Smartphone-Markt zeigt im ersten Quartal 2026 […] (00)
Taylor Swift
(BANG) - Taylor Swift sagt, sie sei von Sir Paul McCartney "immer inspiriert". Die […] (00)
 
 
Suchbegriff