Scholz' Finalrunde auf der Hannover Messe: Protektionismus und Reformbedarf im Fokus
Als der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz seinen traditionellen Rundgang auf der Hannover Messe antrat, war es das letzte Mal in dieser Funktion. Sein designierter Nachfolger, CDU-Chef Friedrich Merz, war zwar nicht vor Ort, doch die Industrievertreter adressierten bereits ihre Erwartungen an ihn. Im Gespräch mit Gunther Kegel, dem Präsidenten des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, klang durch, dass man gern Merz einige Botschaften direkt mitgegeben hätte.
Olaf Scholz nutzte die Messe, um sich über zukunftsweisende industrietechnologische Entwicklungen zu informieren. Bei Bosch Rexroth stand die Batteriefertigung im Fokus, während er bei Siemens über einen Bioreaktor zur Arzneimittelherstellung sprach. Angesichts der angekündigten US-Zölle mahnte der SPD-Politiker jedoch zur Vorsicht vor Protektionismus, der das globale Wirtschaftswachstum bedrohe. Er betonte, dass keine Nation, auch nicht die USA oder China, in Isolation spezialisierte Produkte entwickeln könne.
Neben wirtschaftlichen Handelshemmnissen warnte Scholz auch vor den Gefahren kriegerischer Auseinandersetzungen und appellierte für eine Rückkehr zu einer friedlichen Weltordnung. Die aktuellen Konflikte, etwa in der Ukraine, dienen als beklemmendes Beispiel der daraus resultierenden Folgen. Obwohl der angekündigte milliardenschwere Investitionsplan für Verteidigung und Infrastruktur Hoffnung auf wirtschaftlichen Auftrieb weckt, betonten Gewerkschaften wie die IG Metall die Notwendigkeit, diese Mittel effektiv in die Industrie zu leiten.
Christiane Benner sprach von einem wichtigen Signal, dessen Umsetzung entscheidend sei. Indes blieben Forderungen nach umfassenden Strukturreformen durch den ZVEI und den BDI laut. Peter Leibinger, Präsident des BDI, forderte niedrigere Steuern, bezahlbare Energie und einen Abbau der Bürokratie. Ohne diese Maßnahmen drohe das Investitionspaket zu verpuffen, warnte Kegel. Vom Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA äußerte Bertram Kawlath pessimistische Aussichten auf den Reformwillen der nächsten Regierung.
Die Messe, die rund 4000 Aussteller aus über 60 Ländern vereinte, konnte mit Innovationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz aufwarten. Siemens stellte einen Industrial Copilot vor, während Microsoft einen KI-gestützten Assistenten präsentierte. Scholz' sportlicher Höhepunkt der Messe war ein Eishockeyversuch mit 'Robo Goalie', einem Roboter-Torwart, der den Kanzler erfolgreich am Torerfolg hinderte.

