Schnee-Tief «Keziban» stoppt Autos und Bahnen

30. Januar 2010, 20:46 Uhr · Quelle: dpa
Hamburg (dpa) - Bis zu drei Meter hoch türmten sich am Samstag die Schneewehen, in denen im Nordosten Deutschlands dutzende Autofahrer über Stunden feststeckten.

Tief «Keziban» hatte die Menschen der Region mit bis zu 40 Zentimetern Neuschnee überrascht, der von heftigen Böhen zu massiven Blockaden geformt wurde. Fahrten mit Bahn, Bus oder Auto wurden vielerorts unmöglich, etliche Menschen saßen fest. In Mecklenburg-Vorpommern, wo mittlerweile mehr Schnee liegt als in Bayern, gab es selbst für Räumfahrzeuge und Abschleppdienste kein Durchkommen mehr.

Bundesweit gab es hunderte wetterbedingte Unfälle, obwohl die Räumdienste im Dauereinsatz waren. Mindestens drei Menschen starben. Etliche Autobahnen mussten zeitweise gesperrt werden, nachdem Lastwagen verunglückt oder an Steigungen liegen geblieben waren. Die Bahn stellte den Verkehr auf vielen Strecken komplett ein - oft war auch kein Ersatzverkehr möglich. Betroffen war auch der Fernverkehr: Die IC-Züge auf der Strecke Schwerin-Rostock-Stralsund fielen aus, die aus Hamburg endeten in Schwerin.

Neues Chaos auf Straßen und Schienen könnte es schon am Dienstag geben: Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge zieht bereits ein weiteres Tief mit anhaltendem Schneefall heran. «Eine flächendeckende Schneemenge, die so lange hält, hatten wir das letzte Mal im Winter 1978/79», sagte die DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold.

Viele Menschen waren am Freitagabend und in der folgenden Nacht von den gewaltigen Mengen Neuschnee überrascht worden, die Tief «Keziban» binnen kürzester Zeit verteilte. Allein in Nordrhein- Westfalen zählte die Polizei bis zum Morgen 300 wetterbedingte Unfälle, auf der A61 bei Bedburg starb ein Autofahrer. Der 32-Jährige sei wahrscheinlich überfahren worden, als er nach einem Unfall aus seinem Auto stieg, hieß es.

Bei weiteren Unfällen wurden mehrere Menschen schwer verletzt. In Overath verlor der Fahrer eines Linienbusses die Kontrolle über den Wagen, krachte gegen parkende Autos und rutschte auf eine Wiese. Die 20 Fahrgäste blieben unverletzt. In der Aachener Region schlitterten zwei Autofahrer in Streifenwagen, die zu Unfällen gerufen worden waren.

Auch im Süden gab es etliche Unfälle, in Bayern kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Beide Fahrer waren mit entgegenkommenden Autos zusammengestoßen. Vereiste Nebenstrecken mussten komplett gesperrt werden, Gefahrguttransporter wurden gebeten, den nächsten Rastplatz anzusteuern. In Baden-Württemberg wurden bei Unfällen auf glatten Straßen mindestens acht Menschen schwer verletzt.

In Mecklenburg-Vorpommern steckten auf Bundesstraßen mindestens 70 Autos fest, teilte das Lagezentrum des Innenministeriums mit. In Steinhagen fielen 43 Zentimeter Neuschnee. Dort liegt die weiße Pracht nun mehr als einen halben Meter hoch, meldete der Deutsche Wetterdienst am Samstagmittag. Rekordschneehöhen wurden auch in Boitzenburg (50 Zentimeter) und Gross Lüsewitz (39 Zentimeter) gemessen.

Die Autobahn 20 war am Morgen an mehreren Stellen gesperrt. In Rostock wurde der öffentliche Nahverkehr eingestellt. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr Auto nur in dringenden Fällen zu benutzen. «Die Leute sollen bloß zu Hause bleiben», warnten Polizisten. Für die Fans des FC Hansa Rostock gab es ohnehin keinen Grund mehr zum Rausgehen: Das Fußballspiel der 2. Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin wurde abgesagt. Auch etliche andere Veranstaltungen im Nordosten fielen aus.

Drastisch war die Lage auch im Nordwesten Brandenburgs. Die Behörden warnten davor, sich mit dem Auto auf den Weg zu machen. «Die fahren trotzdem. Es ist zum Verrücktwerden», stöhnte eine Polizeisprecherin in Potsdam. Zahlreiche Autofahrer saßen in Schneewehen fest, Windböen trieben immer neuen Schnee auf die Straßen. Etliche Nebenstrecken blieben im Tagesverlauf unpassierbar, weil die Räumdienste vollauf mit den Hauptstraßen beschäftigt waren. In Pritzwalk wurden Lastern Schneeketten aufgezogen, um sie überhaupt vom Fleck zu bekommen.

Zum Verhängnis wurden Schnee und Glätte zudem etlichen Fußgängern. Allein in Hamburg kam die Feuerwehr dutzenden Gestürzten zu Hilfe, mehrere von ihnen hatten Knochenbrüche. In Hamburg und Schleswig- Holstein rollten Autos und Busse im Schneckentempo umher, einige Buslinien wurden eingestellt. Auch bei der Bahn gab es Probleme. Auf Fehmarn waren einige Straßen wegen Schneeverwehungen nicht mehr zu befahren. «Das ist eine kleine 'Daisy'», kommentierte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt die Situation auf der Ostseeinsel. Es gebe 25 Zentimeter Neuschnee.

Der starke Schneefall hatte auch seine schönen Seiten: Die Ski- und Rodelgebiete im Sauerland und in der Eifel vermeldeten beste Voraussetzungen für Wintersportler. Auf der zugefrorenen Alster in Hamburg tummelten sich - ausgestattet mit Picknickkörben und Schlittschuhen - zehntausende Menschen - allerdings ohne Behördensegen. Umgeben von Menschenmassen schwärmte eine Ausflüglerin: «Auf die zugefrorene Alster - das ist ein Muss.»

Wetter / Verkehr
30.01.2010 · 20:46 Uhr
[25 Kommentare]
Fassadenbeschriftung gegen Mieterhöhungen (Archiv)
Berlin - Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) legt einen Vorschlag vor, wie Mieter besser vor teuren möblierten Wohnungsangeboten und Kurzzeitmietverträgen geschützt werden könnten. Am Sonntag soll ein erster Entwurf für eine entsprechende Gesetzesänderung an die Verbände geschickt werden, damit diese Stellung nehmen können. Demnach sollen […] (00)
vor 3 Minuten
Neil Young
(BANG) - Neil Young hat seine komplette Tournee abgesagt. Der 80-jährige Musiker hat seine geplante UK- und Europatour gestrichen, die am 17. Juni bei den Eden Sessions in Cornwall beginnen und am 26. Juli im italienischen Udine enden sollte. Zur Begründung erklärte er, "dies ist nicht der richtige Zeitpunkt", um Konzerte zu spielen. In einem Statement […] (01)
vor 12 Stunden
Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - Tag 16
Murwillumbah (dpa) - Musiker Gil Ofarim hat es ins Finale des RTL-Dschungelcamps geschafft. Der 42-Jährige, dessen Rolle in der Show kontrovers diskutiert wird, erhielt am Abend bei «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! » genügend Stimmen der Zuschauer und kann somit am Sonntag um die sogenannte Dschungelkrone kämpfen.  Seine Konkurrenten werden […] (00)
vor 16 Minuten
Fallout 5 kommt, aber nicht bald: Todd Howard deutet geheime Projekte an
Irgendwie ist es ein wiederholendes Versprechen. Ja, Fallout 5 kommt, aber nicht sehr bald. Noch schlimmer: Es befindet sich noch nicht einmal in Entwicklung! In einem aktuellen Interview mit der Game Informer hat Todd Howard sehr offen über die Zukunft der Fallout-Reihe gesprochen. Die Botschaft ist eindeutig: Fallout 5 wird kommen. Aber nicht so […] (00)
vor 2 Stunden
Biathlon verdrängt Boulevard: «hallo deutschland» wegen Weltcup-Finale verkürzt
Der ZDF-Nachmittag steht an zwei Tagen ganz im Zeichen des erfolgreichen Biathlon-Weltcups aus Oslo. Das ZDF setzt am Donnerstag, 19. März, und Freitag, 20. März 2026, klar auf Wintersport und passt dafür sein Vorabendprogramm an. Grund ist das Finale des Biathlon-Weltcups in Oslo, das jeweils ab 16.05 Uhr im Rahmen von sportstudio live übertragen wird. Das sehr erfolgreiche Biathlon-Angebot […] (01)
vor 10 Stunden
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Den deutschen Skispringerinnen blieb beim großen Medaillen-Showdown nur die Zuschauerrolle, die geschlagene Topfavoritin Nika Prevc weinte bitterlich in den Armen ihres Trainers: Die erste Schanzen-Entscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Italien bot Drama und Spektakel, aber nicht das erhoffte erste Edelmetall für das deutsche Team. Selina […] (01)
vor 2 Stunden
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, economy
Eine Mehrheit der Pressemitteilungen, die auf Krypto-Nachrichtenseiten veröffentlicht werden, stammt von Projekten, die als hochriskant oder betrügerisch eingestuft werden. In einem neuen Bericht analysierte das Krypto-Kommunikationsunternehmen Chainstory 2.893 Krypto-Pressemitteilungen, die zwischen dem 16. Juni und dem 1. November 2025 veröffentlicht […] (00)
vor 1 Stunde
Nächste Generation Peptide: LIR und Neuland Laboratories beschleunigen Entwicklung
Lüdenscheid, 07.02.2026 (lifePR) - LIR Life Sciences Corp. (ISIN: CA50206C1005 | WKN: A41QA9) , LIR oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es mit “Neuland Laboratories Limited” (“Neuland”) im Rahmen der bestehenden Dienstleistungsvereinbarung zwischen den Parteien (siehe Pressemitteilung vom 8. Januar 2026) mit den Aktivitäten zur […] (00)
vor 14 Stunden
 
Schweigeminute nach Tod von Zugbegleiter am 04.02.2026
Berlin - Nach der tödlichen Attacke auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz […] (01)
Wetter - Spanien
Lissabon/Sevilla (dpa) - In Teilen Portugals und in Südspanien haben die Behörden […] (00)
Dietmar Bartsch und Sebastian Schäfer (Archiv)
Berlin - Linken-Haushaltsexperte Dietmar Bartsch hat die Grünen-Fraktion für die […] (00)
Grönland
Berlin (dpa) - Anders als Frankreich plant Deutschland derzeit nicht, in Grönland ein […] (00)
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Die Skispringerinnen haben die erhoffte erste Medaille für […] (00)
Under Armour überrascht mit Gewinn – Prognose angehoben, Aktie reagiert positiv
Gewinn statt Verlust – operative Trendwende zeichnet sich ab Im dritten Quartal […] (00)
Wall Street zögert, Silicon Valley baut: Die Fehleinschätzung hinter dem KI-Abverkauf
Die Börse reagiert mit Abverkäufen. Zweifel an der Kapitaldisziplin dominieren. Noch […] (00)
Netflix verlängert «Finding Her Edge» um zweite Staffel
Die erfolgreiche Young-Adult-Serie bleibt ein weltweiter Hit und sichert sich nach starken […] (00)
 
 
Suchbegriff