Schiffsrecycling in Deutschland: EWD Benli macht den Anfang
Der deutsche Schiffsrecycling-Sektor steht vor einem historischen Meilenstein: Erstmals werden künftig Seeschiffe direkt in Deutschland abgewrackt und recycelt. Die wegweisende Genehmigung hierfür erhielt jüngst die EWD Benli Recycling, ein Tochterunternehmen der Emder Werft und Dock GmbH (EWD). Diese Entwicklung wurde durch das niedersächsische Umweltministerium in Hannover bestätigt.
Erstmals erhält ein deutsches Unternehmen grünes Licht für die umweltfreundliche Verwertung alter Schiffe. In Deutschland herrscht großer Bedarf an einer solchen Möglichkeit. Besonders ältere Schiffe, die von Behörden genutzt werden, verlangen nach einer umweltbewussten Entsorgung, die bisher nicht innerhalb der Landesgrenzen realisierbar war.
Experten erkennen in dieser neuen Chance nicht nur neues Potenzial für die heimische maritime Wirtschaft, sondern auch eine bedeutende Methode, um Ressourcen zu schonen. Durch die Rückgewinnung von Materialien wie Stahl aus alten Schiffen können diese erneut im Wirtschaftskreislauf eingesetzt werden. Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer kritisierte, dass veraltete Industrieschiffe bislang hauptsächlich nach Südostasien verbracht wurden, wo ihre Verwertung unter teils verheerenden Bedingungen stattfindet.
Jährlich werden weltweit etwa 700 Seeschiffe stillgelegt, wovon momentan rund 90 Prozent in Südasien recycelt werden. Eine EU-Verordnung fordert bereits die umweltgerechte Verwertung von Schiffen auf zugelassenen europäischen Werften. Mit neuen globalen Richtlinien steigt künftig die Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit europäischer Abwrackwerften. Auch Deutschland könnte sich infolge dieser Entwicklung zu einem bedeutenden Standort für maritimes Recycling entwickeln.
Neben EWD Benli hat sich bereits die Bremer Leviathan GmbH um eine Genehmigung zur Nutzung der Stralsunder Volkswerft für das Schiffsrecycling bemüht.

