Scandi-Währungen auf Höhenflug: Schwedische Krone und Norwegische Krone profitieren vom europäischen Konjunkturboom
Die schwedische Krone und die norwegische Krone verzeichnen seit Jahresbeginn die stärkste Wertentwicklung unter den G10-Währungen – ein klares Signal, dass Investoren auf eine wirtschaftliche Belebung in Europa setzen und skandinavische Währungen als Hebelposition auf diesen Trend betrachten. Die Krone stieg bislang über 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar, die norwegische Krone legte mehr als 8 Prozent zu – so stark wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.
Analysten führen die Rally auf eine Kombination aus fiskalpolitischer Stabilität, steigender Rüstungsnachfrage und der Erwartung höherer Leitzinsen in beiden Ländern zurück. Gleichzeitig verlieren der US-Dollar und das Pfund an Attraktivität, da die US-Regierung unter Präsident Donald Trump mit ihrer handelspolitischen Aggressivität zunehmend Investoren verunsichert.
„Die skandinavischen Währungen sind im Grunde genommen der Euro auf Steroiden“, sagte Kamal Sharma, FX-Stratege bei der Bank of America. Die expansive Fiskalpolitik in Deutschland, insbesondere das milliardenschwere Investitionsprogramm, wirke wie ein Turbo für die gesamte Region – insbesondere für Schweden, das mit einem überproportional großen Verteidigungssektor von steigenden Rüstungsausgaben profitiert.
Daten des Stockholm International Peace Research Institute zeigen, dass Schwedens Waffenexporte gemessen an der Wirtschaftsleistung fast auf dem Niveau Frankreichs lagen. Zudem hat Stockholm angekündigt, die Militärausgaben bis 2030 auf 3,5 Prozent des BIP zu erhöhen. Auch Norwegens Industrie – von Verteidigung bis Aluminium – dürfte durch Infrastrukturprogramme in Europa profitieren.
Die Stärke beider Währungen kommt einer Kehrtwende gleich: Noch im vergangenen Jahr hatte sich die norwegische Krone nahe historischen Tiefständen bewegt. Heute spricht vieles für ihre Attraktivität: ein stabiles fiskalisches Umfeld, eine verlässliche Geldpolitik und eine geringe politische Unsicherheit.
„Die Bewegungen in den letzten Wochen waren außergewöhnlich – das hat viele überrascht“, kommentierte Dane Cekov von SpareBank 1 Markets. Ein zusätzlicher Treiber seien jüngste Inflationsdaten, die höher als erwartet ausfielen und den Handlungsdruck auf die Zentralbanken erhöhten. So hält Norwegens Norges Bank den Leitzins weiterhin auf einem 17-Jahreshoch von 4,5 Prozent – von Zinssenkungen ist vorerst keine Rede.
Die Riksbank in Schweden könnte in diesem Jahr sogar komplett auf eine Lockerung verzichten, während für die EZB mindestens zwei Zinssenkungen bis Jahresende erwartet werden. Das Zinsdifferenzial dürfte die Kapitalströme weiter in Richtung Skandinavien lenken.
Ergänzt wird der Rückenwind für die Währungen durch steigende Kurse skandinavischer Verteidigungskonzerne wie Saab, deren Aktie seit Jahresbeginn um über 70 Prozent zulegte, sowie durch die kräftige Performance von Norwegens Kongsberg Gruppen.
Auch wenn sich Analysten über die genaue Ursache des rapiden Kursanstiegs uneins sind – zumal der Ölpreis als traditioneller Treiber der norwegischen Krone zuletzt schwächelte – ist der Markt sich einig: Die Bewertung beider Währungen war zu Beginn des Jahres deutlich unter ihrem langfristigen Mittel. Der nun eingesetzte Rebound reflektiert somit auch eine Korrektur dieser Unterbewertung.

