Russische Beteiligung bei Umbau der Brennelemente-Fabrik in Lingen sorgt für Kritik
Die geplante Umgestaltung der Brennelemente-Fabrik in Lingen sorgt für Aufsehen: Aktivisten warnen vor den Gefahren einer potenziellen russischen Beteiligung. In den Antragsunterlagen für das Projekt sei keine Erwähnung davon zu finden, dass die Produktion in der Fabrik in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom erfolgen solle, so Julian Bothe von der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt. Diese Informationen seien jedoch essenziell für eine ernsthafte Diskussion des Vorhabens.
Der Grund für die geplante Umgestaltung der Fabrik ist, dass dort zukünftig Brennelemente für osteuropäische Atomkraftwerke sowjetischer Bauart hergestellt werden sollen. Ziel ist es, diese Kraftwerke unabhängiger von russischen Lieferungen zu machen. Die Muttergesellschaft von Advanced Nuclear Fuels (ANF), Framatome, hat dazu ein Joint Venture mit einem Tochterunternehmen des russischen Atomkonzerns Rosatom in Frankreich geschlossen, wie das niedersächsische Energieministerium bekannt gegeben hatte.
Die Unterlagen für den Antrag sind derzeit öffentlich einsehbar. Jedoch enthalten sie laut Alexander Vent vom Bündnis emsländischer Atomkraftgegner (AgiEL) keine ausreichenden Informationen zur öffentlichen Sicherheit, zum russischen Einfluss auf die Produktion in Lingen sowie zu potenziellen Risiken wie Sabotage oder Spionage. Das Bündnis fordert daher, das Genehmigungsverfahren auszusetzen, bis alle relevanten Informationen vorliegen. Am Samstag ist eine Demonstration vor der Brennelemente-Fabrik geplant.
Die russische Umweltorganisation Ecodefense warnt vor Rosatom und betont, dass es sich bei dem russischen Atomkonzern nicht um ein Energieunternehmen, sondern um einen geopolitischen Arm des Staates handele. Geopolitische Interessen stünden im Vordergrund, nicht das eigentliche Geschäft, so Wladimir Sliwjak von Ecodefense.
Die Zusammenarbeit des französischen Konzerns Framatome mit Russland wird auch vom Bundesumweltministerium kritisch betrachtet. Aufgrund des Ukraine-Kriegs hatte Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) bereits im Dezember gefordert, die Atomgeschäfte mit Russland zu beenden. (eulerpool-AFX)

