Rückblick: Vier Monate Todesangst

08. August 2009, 09:32 Uhr · Quelle: dpa
Hamburg (dpa) - Als die 24 Crewmitglieder mit der «Hansa Stavanger» Anfang April auf dem Indischen Ozean unterwegs sind, ahnen sie nicht, was ihnen bevorsteht: Vier Monate in den Händen von Piraten, vier Monate in Todesangst.

Rund 400 Seemeilen von der Küste Somalias entfernt ist das Containerschiff der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, als bewaffnete Seeräuber am 4. April angreifen. Sie kapern den Frachter und nehmen die Mannschaft, zu der auch fünf Deutsche gehören, als Geiseln. «Piraten haben vor der Küste Somalias erneut zugeschlagen», heißt es kurze Zeit später in Deutschland. Im Auswärtigen Amt wird ein Krisenstab gebildet. Was die Seeräuber wollen, ist sofort klar: Ein möglichst hohes Lösegeld.

Maschinenpistolen sind fortan auf die Köpfe der 24 Männer gerichtet. «Psychoterror rund um die Uhr», beschreibt Kapitän Krzysztof Kotiuk die Situation später in einem Telefoninterview mit dem ARD-Magazin «Panorama». Auch Scheinhinrichtungen müssen die Geiseln ertragen. Zweimal ist auch der Kapitän dran. «Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt», sagt er nach der Freilassung und erinnert sich, wie einer der Offiziere bei so einer Folter zusammenbrach.

Einige Tage nach der Geiselnahme wirft der 170 Meter lange Frachter in der Nähe der somalischen Hafenstadt Haradhere Anker. Dass hunderte weitere Seeleute in der Region einen ähnlichen Alptraum erleben, wissen die 24 Männer nicht. Ihre Angehörigen dagegen erfahren Mitte April aus den Medien, dass dort mindestens 18 Schiffe mit insgesamt mehr als 300 Besatzungsmitgliedern in der Gewalt von Piraten sind.

Für die Crew der «Hansa Stavanger» spitzt sich die Lage zu. Die Seeräuber verschleppen die meisten von ihnen für einige Tage auf das somalische Festland - offenbar aus Furcht vor einer Befreiungsaktion, wie die Nichtregierungsorganisation «Ecoterra» berichtet.

Tatsächlich plant die Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9 zu diesem Zeitpunkt eine Geheimoperation. Mehr als 200 Spezialisten - darunter Kampfschwimmer der Marine - werden dem «Spiegel» zufolge bis Ende April in die Nähe des entführten Frachters gebracht. Dann bläst Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), dem die Eliteeinheit untersteht, die Aktion ab. «Die Lage war so schwierig geworden, dass es nicht zu verantworten war», erklärt Schäuble später. Der Kapitän bestätigt das: «Es hätte ein Blutbad gegeben.»

An Bord wird die Lage immer dramatischer. «Wir haben kein Wasser, kein Essen, keine Medikamente», schreibt der Kapitän Anfang Juli in einer E-Mail. «Wir können nicht mehr». Über die hygienischen Verhältnisse an Bord sagt er später: «Wir mussten uns mit 40 Personen eine Toilette teilen, die war ständig verstopft und wurde nie gesäubert.»

Die Lösegeldverhandlungen sind schwierig, denn die Piraten stellen immer wieder neue Forderungen. Phasenweise reißt der Kontakt zwischen den Seeräubern und der Reederei Leonhardt & Blumberg komplett ab. Das Auswärtige Amt gibt sich wortkarg. «Der Krisenstab bemüht sich in engem Kontakt mit der Reederei um eine Lösung des Falls». Viel mehr ist nicht zu erfahren.

Für die Angehörigen ist die Situation nahezu unerträglich. Verzweifelt und enttäuscht wenden sich fünf Ehefrauen und eine Mutter der Entführten im Juli an die Reederei, wie «Spiegel Online» berichtet. In einem eindringlichen Brief fordern sie, die Verhandlungen um das Lösegeld endlich abzuschließen.

Am 3. August ist es soweit: Die somalischen Piraten geben die «Hansa Stavanger» frei. «Wir haben 2,7 Millionen Dollar (2,1 Millionen Euro) vom Eigentümer erhalten», teilen sie mit. Wenig später nimmt der Frachter Kurs auf den kenianischen Hafen Mombasa, wo er an diesem Samstag eintreffen soll.

Schifffahrt / Piraten / Somalia
08.08.2009 · 09:32 Uhr
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