Report: Gesucht wird nur noch nach Leichen

16. Januar 2010, 21:51 Uhr · Quelle: dpa
Port-au-Prince (dpa) - Vor dem Tor zu dem völlig zerstörten Hotel Montana drängeln sich zahllose Menschen, die verzweifelt auf Nachrichten über vermisste Angehörige und Freunde warten. Philippinische Soldaten der UN-Mission Minustah sichern das Tor, stets freundlich lächelnd.

Doch dahinter herrscht das Grauen. Gerade wurde wieder ein schwarzer Plastiksack mit einer Leiche heraustransportiert. Einer von zehntausenden Toten des Jahrhundertbebens, das am Dienstag die Hauptstadt Haitis zerstörte. Wie tausende andere Gebäude ist das einstige Luxushotel Montanao eine Ruine, zahlreiche Verschüttete werden dort noch vermutet. Die Zufahrt musste zunächst von schweren Betonteilen und Schutt befreit werden. Häuser waren von einem steilen Hang auf die Straße hinabgestürzt.

Drei Rettungsmannschaften aus den USA, Kolumbien und Frankreich sind mit ihren Hunden in dem Trümmern des vor allem bei Ausländern beliebten Hotels im Einsatz. Am Freitag hatten Suchtrupps noch 23 Menschen lebend aus dem Schutt bergen können. Wie Bergsteiger klettern die angeseilten Retter über die meterhohen Trümmer. Mittlerweise suchen sie nach Leichen - sie glauben nicht mehr daran, noch weitere Überlebende zu finden.

Die Kolumbianer, verschwitzt und müde, machen eine Pause, ihre drei Hunde sind völlig erschöpft. «Es ist die schrecklichste Katastrophe, bei der ich bisher im Einsatz war», sagte Rene Oliver Molina. «Das Ausmaß ist unvorstellbar.» Nur wenige Meter entfernt ist eine etwa 40 Zentimeter dicke und wohl tonnenschwere Decke herabgestürzt. Es war die Terrasse über der Bar. «Mindestens drei Personen liegen dort», sagt ein Kollege Molinas. Einer davon ist ein junger Mann. Er hätte es beinahe geschafft, dem Tod zu entkommen, sagt eine Frau, die den Jungen zu kennen glaubt und in Tränen ausbricht. Endlich schaffen es die Kolumbianer, den leblosen Körper hervorzuziehen. Sie bedecken ihn mit einem weißen Tuch. Die Retter schätzen, dass unter den Betonmassen noch bis zu 200 Tote sind.

Immer noch stehen viele Menschen vor eingestürzten Gebäuden und hoffen, dass ihre Angehörigen wenn nicht lebend, so doch wenigstens tot geborgen werden. Immer wieder ragen zwischen den Betonteilen Hände, Arme oder Beine heraus. Schweres Räumgerät ist meist nicht vorhanden. Im Norden von Port-au-Prince sollen Tausende eingesammelte Leichen in einem Massengrab beigesetzt worden sein. An einigen Stellen in der Hauptstadt werden angeblich auch Leichen verbrannt.

Viele Menschen sind traumatisiert. Sie trauen sich nicht mehr, für längere Zeit in Häusern zu sein, auch wenn diese unbeschädigt sind, und haben sich in Parks geflüchtet. So wie Jeanty Edrice. «Wir haben nichts mehr, nur noch die Familie», sagt die Frau. «Wir haben keine andere Möglichkeit, als erstmal hier im Park zu bleiben.» Immer mehr Menschen strömen hierher, auch Louis Saurel mit seinen Angehörigen. Die Geduld vieler Haitianer sei bald erschöpft, der Ausbruch von Gewalt möglich. «Sehr bald, nicht innerhalb von Monaten, sondern von Tagen», warnt Saurel.

Kesner Lomikus, Angestellter eines Supermarktes, steht mit Freunden mitten auf einer Straße. Die Anwohner haben den Asphalt aufgehackt und eine Wasserleitung angezapft. «Wir hoffen, dass die Menschen in der Welt und ihre Regierungen jetzt uns, und nicht unserer Regierung helfen», sagt Kesner. «Seit Dienstag leben wir auf der Straße, und noch niemand von der Regierung war hier, um nach uns zu sehen und zu fragen, wie es uns geht.» Der Eigentümer des Restaurants «Mun Cheez», Gilbert Bailly, will die Hoffnung nicht aufgeben. Für den Karneval hatte er große Mengen Teig gehortet. Da das Fest nun ausfällt, kündigte er im Internet an, kostenlos Pizza zu verteilen. Die Menschen kamen in Scharen.

Erdbeben / Haiti
16.01.2010 · 21:51 Uhr
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