Rentenreform-Debatte spitzt sich zu: Einkommenslücke bei Ruheständlern und wachsender Grundsicherungsbedarf
In Deutschland muss jeder fünfte Rentner mit maximal 1.400 Euro netto monatlich auskommen, während das mittlere Einkommen laut dem Statistischen Bundesamt im August auf 1.990 Euro gestiegen ist. Die Einkommensunterschiede unter den Ruheständlern sind beträchtlich und die Zahl der Menschen, die auf zusätzliche staatliche Grundsicherung angewiesen sind, nimmt zu.
Sozialverbände äußern Besorgnis über eine wachsende Altersarmut und warnen vor weiteren Einkommenskürzungen. Laut Statistik verfügen 20 Prozent der Rentner über ein Einkommen zwischen 1.400 und 1.790 Euro monatlich, während die einkommensstärksten 20 Prozent auf über 2.870 Euro kommen.
Erfreulich ist, dass die Einkommen der Rentner seit 2021 um neun Prozent gestiegen sind und damit mit dem Einkommenswachstum der Gesamtbevölkerung, das bei elf Prozent liegt, größtenteils mithalten konnten. Die gesetzlichen Renten stiegen Mitte 2024 um 4,6 Prozent und 2025 um 3,8 Prozent.
Inmitten dieser Herausforderungen plant die Bundesregierung unter Führung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Einführung einer 'Aktivrente', die es Rentnern ermöglicht, bis zu 2.000 Euro steuerfrei dazuzuverdienen, um die Rentenkassen zu entlasten. Das Vorhaben soll Erwerbstätige im Ruhestand motivieren, länger zu arbeiten. Bereits Ende 2023 nahmen rund 1,46 Millionen Rentner zusätzlich eine Beschäftigung auf.
Kritiker wie der Sozialverband Deutschland warnen jedoch, dass die Aktivrente die Einkommensschere zwischen Arm und Reich weiter öffnen könnte. Einen weiteren Aspekt der aktuellen Debatte bildet die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern.
Frauen ab 65 Jahren beziehen durchschnittlich 1.720 Euro brutto im Monat, während Männer auf 2.320 Euro kommen. Diese ungleiche Verteilung stellt eine Herausforderung dar, da Frauen im Alter häufig länger für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen.
Die Zahl der Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind, stieg bis Ende 2024 auf 739.000, was einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein Grund für diese Entwicklung sind unter anderem Geflüchtete aus der Ukraine. Experten warnen davor, dass Rentenkürzungen die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung weiter erhöhen und den Bundeshaushalt belasten könnten.

