Recht auf Reparatur: Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand
Das angedachte Recht auf Reparatur, welches im Juli 2024 europaweit in Kraft tritt, stellt Fachhändler und Hersteller gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Laut einer Erhebung des Kölner IFH-Instituts erwarten 68 Prozent der spezialisierten Händler, dass höhere Kosten für Reparaturdienstleistungen auf Verbraucher zukommen werden. Wesentliche Gründe hierfür sind gestiegene Preise für Ersatzteile und der Bedarf an zusätzlichem Fachpersonal.
Auch auf der Herstellerseite wächst die Sorge bezüglich erhöhter Kosten. Fast zwei Drittel der produzierenden Unternehmen gehen davon aus, dass die finanziellen Belastungen für Kunden auf Grund des neuen Reparaturrechts ansteigen werden. Ähnlich wie die Händler, sehen Hersteller den Personalaufwand und Lagerkosten für Ersatzteile als Hauptursache für die Preissteigerungen. Interessanterweise glauben nur 37 Prozent der Hersteller, dass die Preise für Neugeräte als Folge dieser neuen Anforderungen ebenfalls steigen werden, im Gegensatz dazu erwarten dies 62 Prozent der Fachhändler.
Ralf Deckers, Experte des IFH, warnt, dass die ermittelten Ergebnisse das Risiko verdeutlichen, dass die Richtlinie unbeabsichtigte Konsequenzen haben könnte und eventuell den ökologischen Bestrebungen durch höhere Kosten entgegenwirkt. Von den über 4.100 befragten Verbrauchern sind bisher nur 44 Prozent über die Existenz dieses zukünftigen Rechts informiert.
Der Übergang zu einer stärker reparaturorientierten Zukunft könnte zudem durch die Engpässe bei Fachkräften erschwert werden. Ein Großteil der Händler, nämlich 74 Prozent, sind aktuell nicht in der Lage, ein höheres Reparaturaufkommen zu bewältigen. Schon gegenwärtig sehen sich Kunden mit dem Problem konfrontiert, dass Reparaturen zu kostspielig ausfallen können.
Nur ein Anteil von 22 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises wird im Durchschnitt als akzeptabel für eine Reparatur erachtet.

