Politisches Kopf-an-Kopf-Rennen in Portugal: Stichwahl entscheidet über neues Staatsoberhaupt
Portugal steht vor einer entscheidenden Stichwahl, nachdem keiner der elf Kandidaten bei der jüngsten Präsidentenwahl die absolute Mehrheit erringen konnte. Den ersten Platz sicherte sich Antonio José Seguro von der sozialdemokratisch orientierten Sozialistischen Partei (PS) mit etwas über 31 Prozent der Stimmen. Überraschend stark schnitt André Ventura, der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Chega, ab und sicherte sich mit 23,5 Prozent den zweiten Platz. Die Differenz zur absoluten Mehrheit führt zur Stichwahl am 8. Februar.
Die Chancen für Ventura, den 43-jährigen Polit-Aufsteiger, als Nachfolger des konservativen Marcelo Rebelo de Sousa vereidigt zu werden, stehen jedoch eher schlecht. De Sousa, der nach zehn Jahren im Amt nicht erneut kandidieren durfte, wird von Ventura abgelöst, wenn es entgegen diverser Umfragen, die ihm kaum Unterstützung zusagen, gelingt. Denn Umfragen zeigen aktuell, dass über 60 Prozent der Wähler in einer Stichwahl dem rechtspopulistischen Kandidaten ihre Stimme versagen würden.
Ventura und seine Partei Chega haben in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufstieg erlebt und sorgten bereits im vergangenen Mai für Schlagzeilen, als sie im Parlament zur zweitstärksten Kraft avancierten. Dies markiert einen Einschnitt in das traditionelle Zweiparteiensystem, das Portugal seit der Nelkenrevolution von 1974 geprägt hat.
Der amtierende Präsident Rebelo de Sousa nutzte seine Amtszeit, um zweimal das Parlament aufzulösen, zuletzt im November 2023 aufgrund von Korruptionsvorwürfen gegen den sozialistischen Ministerpräsidenten António Costa. Die jetzige Wahl ist die elfte ihrer Art seit 1974 und die Rekordzahl an elf Kandidaten zeugt von der Vielfalt und Komplexität der aktuellen politischen Landschaft Portugals.

