Polen verweigert Auslieferung eines mutmaßlichen Nord-Stream-Täters an Deutschland
Drei Jahre nach den Explosionen an den Nord-Stream-Gaspipelines bleibt die Identität der Drahtzieher weiterhin ungeklärt, während polnische Gerichte die Auslieferung eines Verdächtigen, des 46-jährigen Ukrainers Wolodymyr Z., an Deutschland ablehnen. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, urteilte das Gericht in Warschau, dass der deutsche Auslieferungsantrag unzureichend begründet sei. Der Mangel an konkreten Beweisen führte zur Freilassung von Wolodymyr Z. aus der Untersuchungshaft. Bereits zuvor hatte Italiens höchstes Gericht die Auslieferung eines weiteren Verdächtigen unterbrochen.
Laut deutschen Ermittlern war Wolodymyr Z., ein ausgebildeter Taucher, maßgeblich an der angeblichen Sabotage nahe der Insel Bornholm beteiligt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, Sprengstoffexplosionen herbeigeführt und verfassungsfeindliche Sabotage begangen zu haben. Wolodymyr Z.'s Anwalt, Timoteusz Paprocki, äußerte sich erleichtert über das Urteil und hinterfragte die Fairness eines möglichen Prozesses in Deutschland.
Polens Regierungschef Donald Tusk begrüßte die Entscheidung des Gerichts, die Auslieferung zu verweigern, und erklärte auf der Plattform X, dass der Fall damit abgeschlossen sei. Tusk betonte das Interesse Polens, Wolodymyr Z. weder anzuklagen noch auszuliefern, während das Nationale Sicherheitsbüro seine ablehnende Haltung gegenüber der Pipeline bekräftigte. In der Vergangenheit gab es Spekulationen über eine mögliche Sympathie polnischer Behörden für die Attentäter, die jedoch unbelegt blieben.
Unterdessen bleibt Serhij K., ein weiterer Verdächtiger, im Fokus der Ermittlungen. Der 49-jährige Ukrainer soll die Sabotageaktion initiiert haben, doch seine geplante Auslieferung von Italien nach Deutschland wurde aufgrund von Verfahrensfehlern vorerst gestoppt.
Die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines im Herbst 2022 führten international zu Schlagzeilen. Es ist nach wie vor strittig, wie die Taten umgesetzt wurden und wer dahintersteckt. Nach Einschätzung von Experten wurden sie vermutlich von ausgebildeten Tauchern durchgeführt. Während andere Länder ihre Ermittlungen eingestellt haben, bleibt das Interesse der Öffentlichkeit hoch, mögliche Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

