Plastik auf dem Prüfstand: Die unterschätzte Gesundheitslast
Eine aktuelle Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine, veröffentlicht im Fachjournal 'The Lancet Planetary Health', hebt die Gesundheitsrisiken hervor, die mit dem Lebenszyklus von Plastik verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen die freigesetzten Schadstoffe während der Rohstoffgewinnung, Produktion und Entsorgung von Plastik, die mit einer deutlichen Reduktion an gesunden Lebensjahren einhergehen könnten. Prognosen zufolge könnten diese negativen Effekte bis zum Jahr 2040 zu einem Verlust von rund 4,5 Millionen gesunden Lebensjahren weltweit führen. Im Vergleich mit anderen Gesundheitsbelastungen ist dies zwar signifikant, bleibt jedoch hinter den Auswirkungen der Luftverschmutzung oder Malaria zurück. Dennoch zeigen sich Parallelen zur Krankheitslast durch Hepatitis B. Der Experte Walter Leal von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg betont die Bedeutung des Themas, trotz dieses Vergleichs.
Die Studie deutet darauf hin, dass selbst optimistische Szenarien mit verbessertem Abfallmanagement und mehr Recycling den Verlust an gesunden Lebensjahren nicht komplett eindämmen werden. Die Modellierung schätzt, dass der Plastikverbrauch bis 2060 weiterhin steigen wird, was die Nebenwirkungen auf Umwelt und Gesundheit verschärfen könnte. Bereits 2016 wurden 2,1 Millionen Disability-Adjusted Life Years (DALYs) der Plastikmasse zugeschrieben, eine Zahl, die sich in einem unveränderten Szenario bis 2040 mehr als verdoppeln könnte. Dennoch bleibt die Datenlage in Bezug auf Mikroplastik und andere Substanzen begrenzt. HAW-Forscher Walter Leal sieht hierin eine signifikante Unterschätzung der tatsächlichen Risiken, da diese Faktoren in der Modellierung nicht berücksichtigt wurden. Zudem weist Dietrich Plaß vom Umweltbundesamt auf Schwächen der Studie aufgrund veralteter Berechnungsmodelle hin.
Abschließend wird betont, dass die Diskussion um Plastik nicht nur dessen negative Gesundheitsaspekte isoliert betrachten darf. Viele moderne medizinische Verfahren und Hygienepraktiken profitieren von den einzigartigen Eigenschaften von Plastik, seien es sterile Einwegartikel oder der Schutz von Lebensmitteln und Trinkwasser.

