Plante IS einen Anschlag? Was man weiß und was nicht

05. Februar 2016, 18:08 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Nach der Anti-Terror-Razzia vom Donnerstag suchen die Ermittler nach Belegen für einen möglicherweise in Berlin geplanten Anschlag. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte der Polizei im Dezember erste Informationen gegeben.

Am 10. Januar folgte dann ein konkreter Hinweis auf mögliche Terrorpläne.

- Was spricht dafür, dass der im Sauerland festgenommene 34-jährige Algerier gezielt vom IS nach Deutschland geschickt wurde?

Die Ermittler gehen Indizien nach, die auf ein solches Vorgehen deuten könnten - einen Beleg haben sie aber nicht. Der Mann und seine 27-jährige Ehefrau gelten als IS-Mitglieder, nach Polizeiangaben soll der Hauptverdächtige in Syrien eine militärische Ausbildung bekommen haben. Als Indizien dafür, dass er möglicherweise gezielt geschickt wurde, gelten Fotos, die auf enge Kontakte zu wichtigen IS-Mitgliedern in Syrien schließen lassen.

- Hatte die mutmaßliche Terrorzelle Kontakt zu den Hintermännern der Anschläge von Paris im November 2015?

Dafür gibt es ebenfalls keine Beweise. Die Polizei veröffentlichte ein Bild, das den Hauptverdächtigen mit zahlreichen Waffen und einer Pistole in der Hand zeigt und seinen Aufenthalt in Syrien belegen soll. «Der Spiegel» schrieb, ein weiteres Foto zeige den Mann beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter von Paris, die im November ein Blutbad angerichtet hatten. Laut der Zeitung «Die Welt» stand der 34-Jährige in Kontakt zum IS-Planungschef für Attentate im Ausland und sei auch mit diesem fotografiert worden. Der dpa wurden diese Angaben in Sicherheitskreisen im Wesentlichen bestätigt.

Einem in Niedersachsen überprüften Algerier konnten laut Polizei Kontakte nach Belgien nachgewiesen werden. Der Mann war nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek gereist. Dort gelebt hatte auch der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, der später getötet wurde.

- Hat der IS schon früher Attentäter nach Europa geschickt?

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass zwei der Pariser Attentäter gemeinsam als Flüchtlinge getarnt über Griechenland in die EU einreisten. Österreichische Behörden nahmen Mitte Dezember in einer Flüchtlingsunterkunft in Salzburg zwei mutmaßliche IS-Terroristen fest, die mit gefälschten Pässen eingereist waren. Auch bei ihnen wurden Verbindungen zu den Pariser Anschlägen vermutet.

- Wann und wie kamen die aktuell Verdächtigen nach Deutschland?

Die vier mutmaßlichen Terrorplaner reisten nicht zusammen nach Deutschland. Der hauptverdächtige 34-Jährige kam laut Polizei Ende 2015 mit Frau und Kindern als Flüchtling. Der «Spiegel» nennt den 28. Dezember als Einreisedatum. Die Familie stellte mit falschen syrischen Pässen einen Asylantrag. Nach dpa-Informationen nutzte der Mann mindestens drei falsche Familiennamen, seine Frau einen.

Die beiden Berliner Verdächtigen arbeiteten schon länger in der Hauptstadt. Einer kam laut Polizei im Frühjahr 2004 und hat eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Der andere sei seit 2000 in Berlin bekannt, habe Deutschland 2013 aber für ein Jahr verlassen. Wann der Verdächtige aus Niedersachsen nach Deutschland kam, ist unbekannt.

- Warum wird das Bild des Hauptverdächtigen jetzt veröffentlicht?

Die Polizei will klarstellen, weshalb sie den Hinweis des Bundesamtes für Verfassungsschutz als besonders ernsthaft einstufte. Zugleich dürften die Behörden aber darauf spekulieren, dass sich die islamistische Terrorszene über das Foto austauscht. Geheimdienstler nennen so etwas ein «erhöhtes Grundrauschen». Aus dieser Kommunikation im Netz oder per Telefon können Fahnder möglicherweise neue Hinweise auf Verbindungen der Verdächtigen ziehen.

- Wo sind die Festgenommenen jetzt? Wie geht es mit ihnen weiter?

Der Hauptverdächtige und seine Frau bleiben vorerst in Haft. Sie waren über Interpol mit Haftbefehlen aus Algerien gesucht worden. Dem Oberlandesgericht Hamm zufolge könnte nun ein Auslieferungsverfahren beginnen. Der in Berlin Festgenommene kommt in Untersuchungshaft. Gegen ihn gab es einen Haftbefehl wegen Urkundenfälschung. Unter anderem soll er falsche französische Personalien genutzt haben.

- Wie groß ist die Gefahr, dass sich Terroristen unter den Flüchtlingen verstecken?

Die Behörden rechnen damit, dass dies geschieht. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sagte im ZDF, nach den Terroranschlägen in Paris habe sein Dienst «wiederholt gesehen, dass Terroristen - man kann sagen camoufliert, verdeckt - als Flüchtlinge eingeschleust werden».

Kriminalität / Terrorismus / Deutschland
05.02.2016 · 18:08 Uhr
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