Pangyo Techno Valley: Südkoreas Innovationszentrum auf dem Prüfstand
Im Süden von Seoul, nur eine kurze U-Bahn-Fahrt von Gangnam entfernt, liegt das als 'Silicon Valley Südkoreas' bekannte Pangyo Techno Valley (PTV). Dieses seit 2011 existierende Technikareal erstreckt sich über 661.000 Quadratmeter und hat sich zu einem wichtigen Innovationszentrum des Landes entwickelt. Es beherbergt über 1.800 Start-ups, Forschungszentren und internationale Technologiefirmen. Dennoch stellen Experten die Gleichsetzung mit dem kalifornischen Pendant in Frage.
Vor Ort prägen bekannte Unternehmen wie Naver, das als Koreas Antwort auf Google gilt, und die Allzweck-App Kakao das Bild. Gaming-Giganten wie Nexon und NCSoft mischen sich ebenso darunter wie der Schiffbau-Riese HD Hyundai und der Cybersecurity-Pionier AhnLab. Große Technologiekonzerne wie Samsung Electronics, der Chip-Hersteller SK Hynix und Hyundais Bereich für autonome Fahrzeuge, 42dot, sind ebenfalls prominent vertreten.
Hyoungchul Choi, CEO von Portologics, bewertet die Stellung von Pangyo differenziert: 'Unzweifelhaft ist es Koreas Zentrum für Software, Gaming, Plattformen und KI. Doch der Vergleich mit dem Silicon Valley hinkt, denn dieses ist nicht nur aufgrund seiner Dichte, sondern auch dank seiner langjährigen Kultur des Risikos und der globalen Kapitalströme so einflussreich.'
Dieser kritischen Sicht schließen sich Brancheninsider an und verweisen darauf, dass in Pangyo hauptsächlich kleinere und mittlere Unternehmen ansässig sind. Janice Sa, führende Person bei Z Venture Capital, merkt an, dass trotz der Präsenz bedeutender Unternehmen wie Kakao und Naver die Attraktivität des Standorts abgenommen habe. Immer mehr Start-ups zögen Teheran Street in Gangnam vor, da sich dort die Mehrheit der Venture-Capital-Firmen befinde, was sowohl für die Kapitalbeschaffung als auch das Anwerben von Talenten von Vorteil sei.
Inmitten dieser Herausforderungen verlieren sich südkoreanische Start-ups oft im internationalen Vergleich. Während amerikanische Jungunternehmen Geschwindigkeit als Stärke nutzen, scheitern viele koreanische Gründer möglicherweise an der Kunst des Geschichtenerzählens.
Choi blickt jedoch optimistisch in die Zukunft: Pangyo weitet seine Aktivitäten auf KI, Biotechnologie und Spitzentechnologien aus, unterstützt durch staatliche Investitionen. Entscheidend sei es, globale Erfolge zu erzielen und Hürden wie Marktgröße und Sprachbarrieren zu überwinden. Durchbruchspotenzial liege nicht nur in ambitionierten Zielen, sondern auch in starken Partnern und Ressourcen, die von Anfang an auf internationale Märkte ausgerichtet sind. Nur so könnte Pangyo den Sprung vom regionalen Technikzentrum zur globalen Innovationsdrehscheibe vollziehen.

