Ölpreis-Wettrüsten: Saudi-Arabiens Druck auf Russland und die OPEC
Analysten warnen, dass der Markt erneut vor einer Situation steht, die an den Ölpreiskrieg von 2020 erinnern könnte. Russland könnte es schwerer haben, die benötigten Öleinnahmen zu sichern, sollte Saudi-Arabien die weltweiten Rohölpreise drastisch senken.
Berichten zufolge hat Saudi-Arabien angedeutet, dass Rohöl auf bis zu 50 US-Dollar pro Barrel fallen könnte, falls die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) nicht zustimmt, die Ölproduktion zu drosseln. Riad signalisierte, dass es den Markt mit Öl fluten könnte, eine Maßnahme, die die Preise stark drücken und OPEC-Mitglieder bestrafen würde, die nicht kooperiert haben – darunter auch Russland.
Angesichts der Tatsache, dass Russland sein Öl bereits mit Preisnachlässen verkauft und die Produktionskosten hoch sind, könnte ein Niedrigpreisumfeld die Möglichkeiten Moskaus beeinträchtigen, seine Aggressionen in der Ukraine zu finanzieren. Saudi-Arabien hat als de-facto-Führer der OPEC angestrebt, den Ölpreis über 100 US-Dollar pro Barrel zu halten, indem es die Kürzung der Produktion vorantreibt. Dennoch haben internationale Rohölpreise zuletzt dieses Niveau nicht erreicht, sodass Riad laut Quellen plant, die Ölhähne bis Dezember weiter aufzudrehen.
Russland produziert weiterhin über seine OPEC+-Quote, was seine Abhängigkeit von Öleinnahmen unterstreicht, besonders da die Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben aufgrund des Ukraine-Kriegs stark gestiegen sind. Dies macht Russland anfällig für Saudi-Arabiens Drohung, die Preise auf 50 US-Dollar pro Barrel zu senken, was für Moskau schwer zu kompensieren wäre, selbst mit Hilfe „schattenhafter“ Tanker.
Ein Szenario, das die Wiederaufnahme eines Ölpreiskrieges sehen könnte, wie es 2020 der Fall war, scheint unausweichlich. Diese Situation erfordert stabile Devisenreserven, ein Bereich, in dem Russland seit dem Krieg gegen die Ukraine anfälliger geworden ist. Ob Präsident Wladimir Putin eine solche Konfrontation mit Saudi-Arabien riskieren wird, bleibt abzuwarten, besonders angesichts diverser unbekannter Faktoren, die Russlands Ölverkäufe betreffen.
Dennoch deuten Äußerungen von Russlands Vize-Premierminister Alexander Novak darauf hin, dass Diskussionen über die Ölfördermenge bei der OPEC im Dezember anstehen. Sollte sich die Lage zuspitzen, sieht der Analyst Luke Cooper eine mögliche Preisdrückerei als schlechte Nachricht für Russland, da es nicht in der Lage sei, mit der kostengünstigen Förderung Saudi-Arabiens Schritt zu halten.

