Ökonomische Flaute in den 2020ern: Schwächste Dekade seit den 1960ern droht
Die Weltwirtschaft steht in den 2020er Jahren vor einer möglicherweise historischen Wachstumsschwäche, so die Weltbank in ihrem jüngsten Bericht. Eine der Hauptursachen für die mögliche Konjunkturschwäche sind laut der Organisation die Zölle. Noch vor einem halben Jahr war von einer „sanften Landung“ die Rede, da sich die globale Wirtschaft nach einer Reihe von außergewöhnlichen, sowohl natürlichen als auch menschengemachten, Katastrophen stabilisierte. Diese Hoffnung ist jedoch verflogen, warnten der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, und sein Stellvertreter M. Ayhan Kose.
Die Ökonomen prognostizieren, dass allein in diesem Jahr nahezu ein halber Prozentpunkt vom globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) abgeschlagen wird und die Wachstumsrate auf 2,3 Prozent sinkt. Dies wäre die schwächste Leistung seit 17 Jahren, abgesehen von globalen Rezessionen. Bis 2027 wird das weltweite BIP-Wachstum voraussichtlich nur noch durchschnittlich 2,5 Prozent betragen – das langsamste Tempo seit den 1960er Jahren.
Gill und Kose skizzierten drei Strategien zur Ankurbelung des Wachstums: Erstens sollte der Handel wiederbelebt werden. Eine Reduzierung der Zölle um die Hälfte könnte das globale BIP in diesem und im nächsten Jahr um 0,2 Prozentpunkte anheben. Zweitens müssten Regierungen ihre Haushaltsdefizite zügeln. Derzeit haben die Defizite in Entwicklungsländern mit durchschnittlich nahezu 6 Prozent ein Hoch erreicht, das auf die Ära des leichten Geldes vor der COVID-19-Pandemie zurückzuführen ist.
Schließlich sollten Regierungen, insbesondere in Entwicklungsländern, den Fokus auf Beschäftigungswachstum setzen, da die Erwerbsbevölkerung in Regionen wie Südasien und Subsahara-Afrika um Hunderte Millionen anwachsen könnte. Die Weltbank gesellt sich damit zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die ebenfalls ihre BIP-Prognosen senkt. Die OECD rechnet für 2025 mit einem Wachstum von lediglich 1,6 Prozent in den USA statt der zuvor prognostizierten 2,6 Prozent.
Auch die Prognosen der US-Notenbank für das BIP-Wachstum sind verhalten: Sie geht von einem mittleren Wachstum von 1,7 Prozent im Jahr 2025 und 1,8 Prozent auf lange Sicht aus, obwohl diese Einschätzungen vor vielen der vorgeschlagenen Zollmaßnahmen von Präsident Trump getroffen wurden. Die 90-tägige Aussetzung von Trumps „Liberation Day“-Zöllen endet am 9. Juli.
Zahlreiche Länder führen Gespräche mit der Trump-Administration, um aktuelle Handelsabkommen neu auszuhandeln und die drohenden massiven Importzölle abzuwenden. Zur Zeit ist noch unklar, in welchem Umfang die Zölle die US-Wirtschaft beeinflussen. Konsumenten und kleine Unternehmen berichten über verstärkte Unsicherheit, jedoch zeigt sich der Arbeitsmarkt standhaft und verzeichnete im Mai 139.000 neue Arbeitsplätze.

