Oakley steigt bei G3 ein – Millionenbewertung für britischen Strategieberater mit Geheimdienst-Connection
Die Private-Equity-Gesellschaft Oakley Capital übernimmt die Mehrheit am Londoner Strategieberater G3. Die Transaktion bewertet das Unternehmen laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen mit über 250 Millionen Pfund – basierend auf einem „high teens“-Multiple des prognostizierten Vorsteuergewinns von 17 Millionen Pfund. Oakley selbst kommentierte die Bewertung nicht.
G3 ist auf diskrete Beratung bei geopolitischen, regulatorischen und unternehmensstrategischen Fragen spezialisiert. Zu den Kunden zählen weltweit tätige Konzerne und insbesondere Private-Equity-Häuser, die vor Transaktionen auf tiefgehende Due-Diligence-Dienstleistungen setzen. Im Jahr 2023 erzielte G3 bei einem Umsatz von 21,1 Millionen Pfund einen Vorsteuergewinn von 8,9 Millionen Pfund – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 6,8 Millionen Pfund im Vorjahr.
Mitbegründer und Executive Chair Michael Bevan, früher Managing Director bei HSBC, und sein Partner Nick Alcock, ein ehemaliger Diplomat im Nahen Osten, bleiben auch nach dem Deal investiert und leiten das Unternehmen weiterhin. Bevan sieht eine klare Markttendenz: „Private Equity will keine simplen Red-Flag-Berichte mehr – sie wollen tiefergehende Analysen, gestützt auf globale Netzwerke, um echte Risikoentscheidungen zu treffen.“
Der Investor All Seas Capital, der 2022 eine 20-Prozent-Beteiligung an G3 erworben hatte, hat seinen Anteil im Rahmen des Deals vollständig verkauft.
G3 steht exemplarisch für den Aufstieg Londons zum Zentrum für Corporate Intelligence. Die Branche wächst, nicht zuletzt durch geopolitische Spannungen und die zunehmende Komplexität internationaler Lieferketten. Neben G3 sind auch andere Londoner Anbieter ins Visier internationaler Investoren geraten – so etwa GPW Group, das 2022 vom US-Berater JS Held übernommen wurde.
Besonderes Aufsehen erregt G3 durch seine Beratergremien: Der frühere MI6-Chef Sir John Sawers und David Cohen, Ex-Vizedirektor der CIA, sitzen im Advisory Board. Die Nähe zu Geheimdienstkreisen ist kein Einzelfall in der Branche – doch G3 strebt laut eigenen Angaben eine Positionierung als ganzheitlicher geopolitischer und cybersicherheitsorientierter Berater an.
Mit rund 100 Mitarbeitenden und Büros in London, New York, Singapur und Japan hat G3 im vergangenen Jahr über 1.000 Projekte in 65 Ländern umgesetzt. Der Fall zeigt: Strategieberatung im Schatten internationaler Krisen ist längst ein milliardenschweres Wachstumsfeld – mit wachsendem Interesse institutioneller Anleger.

