Nosferatu im neuen Gewand: Robert Eggers' Filmkunst unter der Lupe
Der Mythos des Vampirs fasziniert die Kinowelt seit Jahrzehnten, und kaum ein Werk verkörpert diesen Hype so wie "Nosferatu". Eine Ikone des Horrorfilms, die bereits 1922 die Zuschauer in den Bann zog. Die moderne Neuverfilmung von Robert Eggers, bekannt für seine originelle und oft unbequeme Herangehensweise an das Genre, ist ebenso sorgfältig gestaltet und spiegelt eine Mischung aus Ehrfurcht und Innovation wider.
Doch obgleich der Film als Kunstwerk überzeugt, bleibt die Darstellung des berühmten Blutsaugers diesmal überraschend blass. Eggers legt den Fokus stärker auf das atmosphärische Setting und das psychologische Drama rund um Ellen Hutter, gespielt von Lily-Rose Depp. In einer morbiden und einnehmenden Darstellung entfaltet sie die inneren Konflikte und Abgründe ihrer Figur vor der düsteren Kulisse des 19. Jahrhunderts.
Begleitet wird sie von Nicholas Hoult als Thomas, dessen Reise in die mystischen Karpaten als surrealer Albtraum inszeniert wird. Während die Szenen aus der Originalversion von 1922 liebevoll nachgebildet werden, mixt Eggers geschickt neue Elemente hinzu, um der Geschichte frischen Wind zu verleihen. Dabei gelingt ihm ein Balanceakt zwischen Ehrfurcht vor der Vergangenheit und dem Bedürfnis, eigene Akzente zu setzen.
Willem Dafoe sorgt mit seiner schelmischen Art für einige der wenigen humorvollen Momente, ohne jedoch zu sehr vom Hauptton des Films abzuweichen. Dennoch bleibt das zentrale Element – der Vampir selbst – erstaunlich zurückhaltend. Bill Skarsgård, der den verfluchten Grafen verkörptert, verliert sich beinahe in der opulenten Inszenierung.
Während die visuelle und narrative Raffinesse überzeugt, vermissen Zuschauer möglicherweise die greifbare Bedrohung, die das Genre so beliebt macht. Eggers scheint zu zögern, in völlige Dunkelheit einzutauchen, was das Werk letztlich etwas zahm erscheinen lässt. Zusammengefasst bietet Eggers' Nosferatu ein künstlerisch hochwertiges, wenn auch zurückhaltendes Kinoerlebnis.
Der Film begeistert durch seine Atmosphäre und Schauspielkunst, bietet jedoch einem der ikonischsten Monster der Filmgeschichte nur eine Nebenrolle.

