Nordsee-Gipfel: Ambitionen und Herausforderungen bei der Energiewende
Der dritte Nordsee-Gipfel in Hamburg, angeführt von Bundeskanzler Friedrich Merz, hat das ehrgeizige Ziel ausgegeben, die Nordsee zum weltweit größten Reservoir für saubere Energie auszubauen. Trotz der Abwesenheit prominenter Akteure aus Frankreich und Großbritannien auf Spitzenebene betonten die teilnehmenden Regierungschefs die Bedeutung der Zusammenarbeit im Bereich Windkraft.
Die Initiative zum Gipfel wurde im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 in Esbjerg geboren, mit einem klaren Fokus auf die Substitution russischer Gas- und Ölimporte durch erneuerbare Energien. Bereitschaft zur Kooperation war in Ostende, Belgien, beim zweiten Gipfel manifest, and nun sind neben Merz in Hamburg die Regierungschefs Dänemarks, Belgiens, der Niederlande, Norwegens und Luxemburgs anwesend.
Witterungsbedingt musste ein geplanter Besuch des Forschungsschiffs "Atair" entfallen, doch die Energieminister begannen bereits am Sonntagabend mit ihren Beratungen. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau der Offshore-Windenergie und die Schaffung verbesserter Investitionsbedingungen.
Mit einem klaren Ziel vor Augen beschlossen die Teilnehmer beim Gipfel 2023, die Kapazität der Nordsee-Windkraft bis 2050 auf bis zu 300 Gigawatt zu steigern. Derzeit beträgt die installierte Leistung jedoch lediglich 35 Gigawatt, was erst einem Zehntel der Zielsetzung entspricht.
Großbritannien führt mit einer Leistung von 15 Gigawatt vor Deutschland und den Niederlanden. Sechs neue Abkommen sollen die grenzüberschreitende Planung und Finanzierung dieser Projekte fördern, insbesondere durch die Entwicklung sogenannter "hybrider Interkonnektoren".
Kritische Stimmen, wie die von Umweltverbänden, mahnen jedoch zur Vorsicht, um ökologische Schäden zu vermeiden. Gleichzeitig warnt Henrik Schilling vom ISPK vor möglichen hybriden Angriffen auf die Energieinfrastruktur.
Eine verbesserte Kooperation zwischen staatlichen und privaten Akteuren wird gefordert. Trotz der zum Teil ernsten Themen bot der Gipfel auch Raum für Gespräche jenseits der Energiepolitik.
Beispielsweise konnte die Grönland-Krise, deren Spannungen kürzlich von den USA entschärft wurden, mit der dänischen Ministerpräsidentin erneut beleuchtet werden. Bei der anschließenden Pressekonferenz treten Gastgeber Merz, Frederiksen und der belgische Premier De Wever gemeinsam auf.

