Nexperia-Eigner wollte Chipproduktion nach China verlagern
Geheimpläne für Standortschließungen in Europa
Wie NRC unter Berufung auf Insider aus dem Unternehmen und dem Umfeld des Wirtschaftsministeriums berichtet, wollte Nexperia-Eigner Zhang Xuezheng sowohl Know-how als auch Produktionskapazitäten nach China überführen. Konkret ging es um die Chipfabrik im britischen Manchester, deren Wissen und Technologie für den Aufbau neuer Fertigungslinien in China genutzt werden sollten.
Dem Bericht zufolge war die Schließung eines Forschungsstandorts in München bereits beschlossen, ebenso wie die Entlassung von rund 40 Prozent der europäischen Belegschaft. Entsprechende Unterlagen lagen dem Betriebsrat von Nexperia angeblich schon vor.
Niederländische Regierung griff ein
Die Beamten im niederländischen Wirtschaftsministerium kamen laut NRC zu dem Schluss, dass ein Eingreifen notwendig sei, um die Abwanderung von Wissen und Kapital zu verhindern. Sie vermuteten zudem, Zhang habe über interne Geschäfte mit seiner chinesischen Firma WSS Geld aus Europa abgezogen.
Ende September hatte Wirtschaftsminister Vincent Karremans deshalb in einem beispiellosen Schritt mithilfe eines bislang unbekannten Gesetzes die Kontrolle über das Unternehmen übernommen. Die Anteile wurden einem Treuhänder übertragen, der den Betrieb vorübergehend führt.
Missmanagement und Interessenkonflikte
Gerichtsdokumente und interne Berichte deuten darauf hin, dass Zhang systematisch Schlüsselpositionen im Unternehmen ausgetauscht und erfahrene Manager, darunter den Finanzchef, entmachtet hatte. Stattdessen erhielten unerfahrene Personen Zugriff auf Firmenkonten – offenbar, um Geldströme zu verschleiern.
Peking reagiert mit Exportverbot
Die chinesische Regierung reagierte empört auf den Eingriff Den Haags und verhängte ein Exportverbot für Nexperia-Produkte. Besonders in der europäischen Autoindustrie, wo Nexperia als wichtiger Zulieferer gilt, sorgt das für Nervosität. Erste Ersatzlieferanten wurden inzwischen aktiviert, doch die Unsicherheit bleibt.
Politische Lage erschwert Lösung
Da die niederländische Regierung kurz vor der Wahl steht und Minister Karremans nur kommissarisch im Amt ist, liegen die Verhandlungen mit Peking und der EU derzeit auf Eis. Das Wirtschaftsministerium hält den Eingriff weiterhin für notwendig, da das Risiko einer Kapitalflucht und Sabotage der europäischen Chipproduktion als zu hoch gilt.
Der Fall Nexperia zeigt, wie eng wirtschaftliche Interessen, nationale Sicherheit und Technologiepolitik in Europa inzwischen miteinander verknüpft sind – und wie fragil die Balance zwischen globaler Zusammenarbeit und Schutz strategischer Industrien geworden ist.


