Neurodivergenzen in Pflegeeinrichtungen: „Bei alten Menschen denkt niemand an ADHS.“
Nicht nur Kinder können ADHS haben, auch Erwachsene. In Pflegeeinrichtungen arbeiten und leben Menschen mit unerkannter ADHS. Pflege-Experte Ingo Weckermann erläutert, warum das so ist und man damit umgehen sollte.

30. April 2026, 09:56 Uhr · Quelle: LifePR
Neurodivergenzen in Pflegeeinrichtungen: „Bei alten Menschen denkt niemand an ADHS.“
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Neurodivergenzen in Pflegeeinrichtungen: „Bei alten Menschen denkt niemand an ADHS.“
Ein Experte warnt vor der Vernachlässigung von ADHS bei Alten in Pflegeheimen und plädiert für besseres Verständnis zur Verbesserung der Betreuung.

Laufenburg, 30.04.2026 (lifePR) - Herr Weckermann, wenn man sich in den diversen sozialen Medien umsieht, oder auch in vielen Zeitungen und Zeitschriften, kommt man kaum an einem Thema vorbei: Menschen, die im Erwachsenenalter eine ADHS-Diagnose erhalten haben. Man bekommt fast den Eindruck, es wäre ein Trend, neurodivergent zu sein.

Einen Trend würde ich das auf keinen Fall nennen. Es ist vielmehr so, dass jetzt etwas sichtbar wird, was lange ignoriert wurde: ADHS wurde lange als „Kinderkrankheit“ betrachtet, die mit der Volljährigkeit von alleine verschwindet. Bis vor wenigen Jahren gab es beispielsweise in Deutschland keine zugelassenen Medikamente für die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen. Mittlerweile hat hier zum Glück ein Bewusstseinswandel stattgefunden und damit bekommen auch immer mehr Erwachsene eine ADHS-Diagnose. Und das ist für die Betroffenen eine große Erleichterung: Man merkt ja, dass man etwas anders ist. Mit der Diagnose weiß man, warum und kann damit umgehen. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Ich habe vor einigen Jahren, also auch im Erwachsenenalter eine Diagnose bekommen.

Ausgehend von Ihrer persönlichen Erfahrung wollen Sie das Thema jetzt auf eine weitere Altersgruppe ausweiten: die Bewohner und Bewohnerinnen von Pflegeeinrichtungen.

Das ist nur logisch: ADHS betrifft auch alte Menschen. Nur fehlt dafür noch völlig das Bewusstsein, auch bei den Betroffenen selbst. Denn in dieser Generation gab es einfach noch kein Bewusstsein für Neurodivergenzen wie ADHS. Damals waren solche Kinder eben unartig oder schlecht erzogen. Und man meinte, das könne man mit Disziplin, strenger Erziehung und auch mit Schlägen wieder geradebiegen.

Das waren Zeiten, die zum Glück vorbei sind. Aber ist der Umgang von früher mit dem Thema ADHS noch relevant für das Leben von Betroffenen in der Gegenwart? Die wissen ja selbst meist nicht, dass sie ADHS haben könnten.

Ja und nein. Viele der ADHS-typischen Auffälligkeiten, die man bei Kindern beobachtet und die als Beeinträchtigung wahrgenommen werden, sind bei alten Menschen in Pflegeeinrichtungen tatsächlich nicht mehr relevant. Die müssen nicht mehr in der Schule oder dem Beruf funktionieren. Wenn man sich jedoch die Biografien dieser Menschen ansieht, findet man dort oft ähnliches wie jungen Menschen von heute mit ADHS: Probleme in Schule, Ausbildung und Beruf und eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit von Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen. Die Folgen dieser Erkrankungen spürt man natürlich in der Pflege, zum Beispiel durch mehr körperliche Beschwerden oder eben die besagten psychischen Erkrankungen. Die bedeuten in der Pflege einen Mehraufwand. Und man versteht auch nicht, warum diese Menschen so sind, wie sie sind. ADHS als Ursache in Betracht zu ziehen hilft, diese Menschen besser zu verstehen – und damit, besser auf sie eingehen und sie versorgen zu können.

Sie beraten ja Pflegeeinrichtungen zu diesem Thema. Lassen Sie mich raten: Sie empfehlen, verstärkt Kräfte mit ADHS einzustellen?

Das ist meistens gar nicht nötig. Meist sind die schon da. Das sind interessanterweise oft diejenigen, die die Einrichtung am Laufen halten. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: ADHS verleiht keine Superkräfte, auch wenn es in sozialen Medien oft ein wenig so wirkt. Wäre es so, dann wäre ADHS nicht mit so vielen Schwierigkeiten im Leben verbunden. Die Probleme, die viele Menschen mit ADHS im Alltag haben, kommen daher, dass, ganz vereinfacht gesagt, bei ADHS der Botenstoff Dopamin schwächer wirkt als beim Durchschnitt. Das macht vieles langweilig, verringert die Motivation und das Durchhaltevermögen, eine Aufgabe zu Ende zu bringen. Darum tun diese Menschen oft auch gezielt riskante Dinge. Denn das schüttet Dopamin aus. Man muss dafür aber nicht mit dem Fallschirm vom Hochhaus springen, Stress und Hektik im Job reichen oft aus. Das kann man oft sehr schön beobachten: Manche blühen richtig auf, wenn es richtig stressig wird. Und oft sind das auch die Leute, die mit den „schwierigen“ Fällen in der Einrichtung gut klarkommen. Es ist sehr lehrreich, da als Vorgesetzter einmal darauf zu achten. Ich denke, mit ein wenig mehr Bewusstsein für das Thema kann man sich vieles leichter und besser machen.

Herr Weckermann, vielen Dank für dieses Gespräch.

Mehr zum Thema auf ingoweckermann.com

Gesundheit & Medizin / ADHS / Pflegeeinrichtungen / Neurodivergenzen / Senioren / Psychische Gesundheit / Bewusstseinswandel
[lifepr.de] · 30.04.2026 · 09:56 Uhr
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