Leichtathletik-WM

Neugebauer kürt sich zum Weltmeister - Staffel feiert Bronze

21. September 2025, 15:02 Uhr · Quelle: dpa
Leo Neugebauer krönte sich zum Zehnkampf-Weltmeister in Tokio und hielt die Goldmedaille fest. Die deutsche Frauen-Staffel sicherte Bronze, was den Erfolg der Athleten unterstreicht.

Tokio (dpa) - Völlig entkräftet lag der neue Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer im Regen von Tokio auf der Bahn, Deutschland-Fahne und Goldmedaille hielt er fest umklammert in seinen Händen. Nach einer imponierenden Willensleistung fehlte dem Olympia-Zweiten bei der Leichtathletik-WM zunächst die Kraft zum großen Jubel, sogar ein Rollstuhl wurde ihm gebracht.

Der 25-Jährige war aber rechtzeitig wieder auf den Beinen, als Gina Lückenkemper die Frauen-Staffel über 4 x 100 Meter zur nächsten Bronzemedaille führte - und am WM-Schlusstag einen lauten Jubelschrei in den verregneten Nachthimmel erschallen ließ. Binnen weniger Minuten wurde die deutsche Ausbeute mit bislang drei Silbermedaillen deutlich verbessert.

«Scheiße gefühlt», aber kein Rollstuhl

«Der Rollstuhl war nicht nötig, ich habe mich scheiße gefühlt, aber ich bin aufgestanden», sagte Neugebauer, der Gold im entscheidenden 1.500-Meter-Rennen mit einer persönlichen Bestzeit um drei Sekunden rettete. «Der zweite Tag war echt geil, ich habe die Crowd ausgenutzt. Es hat mega Spaß gemacht.» Die Saison sei eine Achterbahnfahrt gewesen, mit Höhen und Tiefen. Umso schöner sei das goldene Ende, «denn damit hatte ich gar nicht gerechnet». 

Eingehüllt in Deutschland-Fahnen machten sich der König der Athleten und die Staffel auf die Ehrenrunde. «Es war einfach wirklich eine saugeile Teamleistung», sagte Schlussläuferin Lückenkemper. «Ich wusste auch nicht bei Überquerung der Ziellinie: Hat's gereicht oder hat's nicht gereicht.» Innig umarmte sie sich mit Trainingskollege Noah Lyles, nachdem der wenig später die USA zum Titel führte.

Starke Männer-Staffel, starker Kaul

Im Edelmetall-Jubel vor weit über 50.000 Zuschauern im Nationalstadion gingen der vierte Platz von Niklas Kaul, der vor Neugebauer im Jahr 2019 der bis dato letzte deutsche Weltmeister war, und der starke fünfte Rang der Männer-Staffel über 4 x 100 Meter ein bisschen unter. 

Bei den Weltmeisterschaften vor zwei Jahren in Budapest war Neugebauer als Halbzeit-Führender auf Rang fünf zurückgefallen. Auch bei den Olympischen Spielen in Paris war er auf Goldkurs, gewann am Ende Silber. Diesmal setzte er sich erst nach seiner klaren Bestleistung im Speerwurf an die Spitze und behauptete diese. 

Verrückter Zehnkampf mit vielen Ausfällen

Mit einer ebenfalls deutlich verbesserten Bestzeit über 1.500 Meter behielt er die Führung in einem völlig verrückten Zehnkampf mit reihenweise Ausfällen wie dem von Topfavorit Sander Skotheim aus Norwegen. Neugebauer rettete bei 8.804 Punkten am Ende 20 Punkte Vorsprung auf Ayden Owens-Delerme aus Puerto Rico. Bronze gewann Kyle Garland aus den USA. 

165 Punkte lag der lange führende Amerikaner vor Kaul. «Heute bin ich noch ein bisschen enttäuscht, morgen bin ich dann stolz darauf», sagte der Mainzer. «Um nach einer Medaille greifen zu können, muss ich am ersten Tag etwas drauflegen.»

Neugebauer und Frauen-Quartett demonstrieren große Stärke

Für Neugebauer ist es der erste große Titel. Der in den USA lebende und für den VfB Stuttgart startende Mehrkämpfer hatte im vergangenen Jahr den deutschen Uralt-Rekord von Jürgen Hingsen auf 8.961 Punkte verbessert.

Die Frauen-Staffel demonstrierte erneut ihre Stärke. Nach WM-Bronze 2022 und Olympia-Bronze im vergangenen Jahr sprinteten Sina Mayer, Rebekka Haase, Sophia Junk und Lückenkemper in 41,87 Sekunden ins Ziel. Der Titel ging an die USA in 41,75 vor dem Quartett aus Jamaika - im strömenden Regen. 

«Wir mussten ein bisschen lachen, weil Gina hat wirklich den Regen bestellt», sagte Haase und scherzte: «Wir können das, deswegen haben wir heute den ganzen Tag das Essen nicht aufgegessen, damit es auch regnet.» Die Konkurrenzen in Hochsprung und Diskuswerfen fanden wegen des Wetters erst mit Verzögerungen statt. Im Hochsprung konnte Christina Honsel nicht mit einer Medaille überraschen und wurde Siebte.

Leichtathleten bestätigen Aufwärtstrend nach Olympia

Im Gegensatz zur WM-Nullnummer von Budapest war der Deutsche Leichtathletik-Verband in Japan wieder bei Siegerehrungen dabei. «Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch ein paar Schritte zu gehen», sagte Leistungsport-Vorstand Jörg Bügner. 

Bügner sah den bei Olympia in Paris gestarteten Aufwärtstrend als «deutlich» bestätigt an. Kugel-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye belegte Rang sechs, dafür durfte Neugebauer zum Abschluss diesmal auf die oberste Stufe des Treppchens.

USA wieder die Nummer 1 der Leichtathletik-Welt

Die USA waren mit 16-mal Gold und insgesamt 26 Medaillen die erfolgreichste Nation. Die dreimalige Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden und Lyles steuerten reichlich Edelmetall bei. Für einen Augenblick der Leichtathletik-Historie sorgte zu WM-Beginn Stabhochspringer Armand Duplantis, als er die lange nicht für möglich gehaltenen Weltrekordhöhe von 6,30 Metern übersprang. 

Leichtathletik / WM / Japan / International / Deutschland / Wochenendzusammenfassung
21.09.2025 · 15:02 Uhr
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