Mobilität

Neue E-Auto-Förderung: Wer jetzt wie viel Geld bekommt

19. Januar 2026, 16:30 Uhr · Quelle: dpa
Elektroautos
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Nach rund zwei Jahren Förderstopp gibt der Staat wieder Geld für den Kauf von Elektroautos.
Die neue Förderung für Elektroautos reicht bis zu 6.000 Euro und hängt von Einkommen und Familiengröße ab, um den Übergang zu nachhaltiger Mobilität zu erleichtern.

Berlin (dpa) - Wer ein Elektroauto kauft oder least, bekommt künftig je nach persönlichen Umständen und Fahrzeugart zwischen 1.500 und 6.000 Euro vom Staat. Wer weniger verdient oder Kinder hat, bekommt mehr innerhalb dieser Spanne. Was man jetzt wissen muss zum neuen Förderprogramm. 

Wie viel Geld gibt es beim Kauf reiner Elektroautos? 

Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefähr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.800 Euro bei Ledigen und 5.400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben verschiebt. 

Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3.000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten. 

Gebrauchtwagen werden nicht gefördert. Die IG Metall und die Grünen-Fraktion forderten, dies noch zu ändern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erklärte, die Förderung verfehle das Ziel, Elektromobilität für alle attraktiver zu machen. «Mit Einkommensgrenzen von bis zu 90.000 Euro werden vor allem Haushalte unterstützt, die sich ein E‑Auto problemlos selbst leisten können. Programme nach einem solchen Gießkannenprinzip kommen vor allem Besserverdienenden zugute.»

Was ist mit Autos, die nicht rein elektrisch betrieben werden? 

Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Range Extender liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen. 

Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2027 soll die Förderung auf den Prüfstand, angedacht sind dann Vorgaben, die sich stärker am CO2-Ausstoß im realen Betrieb orientieren. 

Ab wann gilt die neue Förderung? 

Wer sein Elektroauto oder bestimmte Plug-in-Hybride ab dem 1. Januar neu zugelassen hat, kann die Förderung beantragen. Das gilt sowohl für den Kauf als auch das Leasing. Beantragen kann man die neue Förderung voraussichtlich aber erst ab Mai, wenn das entsprechende Internet-Portal an den Start gehen soll. 

Insgesamt drei Milliarden Euro sind für die Kaufprämie vorgesehen, was laut Ministerium für etwa 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029 ausreichen soll. 

Welche Unterstützung gab es bisher vom Staat? 

Derzeit gibt es keine Kaufprämie für Elektroautos. Ende 2023 stellte die damalige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP den sogenannten Umweltbonus abrupt ein, um Haushaltslöcher zu stopfen. Die Höhe lag damals bei bis zu 4.500 Euro, wovon die Hälfe die Hersteller tragen mussten. Ab 2024 wäre die Prämie auf 3.000 Euro gesunken, Ende 2024 hätte sie auslaufen sollen. 

Wie gefragt sind Elektroautos? 

Ihr Anteil an allen Neuzulassungen legte im vergangenen Jahr mit gut 19 Prozent um rund 5,6 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich zu. Die Bundesregierung hatte im Oktober die Wiedereinführung einer E-Auto-Kaufprämie angekündigt, die im Laufe dieses Jahres kommen soll. 

Zwar gab es eine Steigerung um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch 2024 war der Absatz nach dem überraschenden Förder-Aus eingebrochen. Im Vergleich zu 2023 lag die Steigerung 2025 nur bei rund vier Prozent, rechnet Verkehrsexperte Constantin Gall von der Beratungsgesellschaft EY vor. Im Bestand machten Elektroautos zuletzt rund 4 Prozent aus. 

Warum sind Plug-in-Hybride umstritten? 

Sogenannte Plug-in-Hybride können sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren. Wie umweltfreundlich sie sind, ist umstritten. Zwar können die Autos kürzere Strecken auch rein elektrisch fahren, ist die Batterie aber leer, verbrauchen sie wegen des zusätzlichen Gewichts mehr Sprit und stoßen dementsprechend mehr CO2 aus. Zudem entsteht bei ihrer Produktion mehr CO2 als bei einem Verbrenner. 

Ob sie für das Klima besser oder schlechter sind als vergleichbare Verbrenner, hängt vor allem davon ab, wie oft sie geladen werden und wie hoch der Anteil der elektrisch zurückgelegten Strecken ist. Kritiker halten die offiziellen Verbrauchsangaben zumindest für weitaus zu niedrig angesetzt. Gerade bei Firmenflotten sind sie aber wegen Steuervorteilen beliebt. 

Für Plug-in-Hybride hatte es bis Ende 2022 ebenfalls eine staatliche Förderung von bis zu 2.250 Euro gegeben. Bundesumweltminister Carsten Schneider äußerte sich zu der neuerlichen Förderung distanziert und sagte, das «Arbeitsplatzargument» habe bei diesem Kompromiss für SPD und Union eine Rolle gespielt. 

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace betonte: «Förderung verdient, wer kleine, ressourcenschonende E-Autos für maximal 30.000 Euro kauft. Sonst belastet diese Förderung den Bundeshaushalt mit Geldgeschenken für diejenigen, die keine benötigen.» Die Deutsche Umwelthilfe erklärte: «Einen Beitrag zum klima- und industriepolitisch dringend erforderlichen Hochlauf der Elektromobilität leistet die Bundesregierung mit diesem Programm nicht, da sie Verbrenner-Hybride mit hohem CO2-Ausstoß ebenfalls einbezieht.» Der Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Lorenz Gösta Beutin von der Linken, begrüßte zwar die soziale Staffelung, nannte die Plug-in-Förderung aber «Bullshit». «Damit werden faktisch Verbrenner subventioniert, die im Alltag oft extrem ineffizient sind.» 

Wird die Förderung der kriselnden deutschen Autobranche helfen? 

«Ich glaube, das Ganze ist nicht notwendig», sagt der Leiter des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR), Ferdinand Dudenhöffer. «Elektroautos verkaufen sich von allein. Schade um das Steuergeld.» Die Preise für Elektroautos seien zuletzt ohnehin gesunken. Er würde erwarten, dass sich der Trend auch ohne staatliche Förderung fortsetze, so Dudenhöffer - auch deshalb, weil die Autobauer diese verkaufen müssten, um CO2-Flottenziele einzuhalten und EU-Strafzahlungen zu vermeiden. 

Es bestehe die Gefahr, dass die Autobauer die Prämie bei ihrer Preisgestaltung einpreisen würden, die Autos also teurer verkauften als ohne die Förderung, kritisierte Dudenhöffer. Schneider sagte, er habe mit den Herstellern gesprochen und die Erwartung formuliert, dass diese exzellente Produkte zu guten Preisen anböten. 

Was ist mit den Stromkosten? 

Nach Einschätzung Dudenhöffer wären günstigerer Ladestrom und niedrigere Lohnnebenkosten sinnvoller, um den Absatz von Elektroautos anzuschieben. Schneider räumte ein, gerade wer sein Auto nicht zu Hause laden könne und auch kein Abo habe, könne hohe Preise zahlen. Er rechne aber mit mehr Wettbewerb und sinkenden Preisen beim Stromtanken. «Noch sehe ich dort Senkungspotenzial.» 

Auf die Dauer soll die Vergabe der neuen Förderung stärker an die Produktion in Europa geknüpft werden, doch dazu werden noch EU-Regelungen erwartet. Eine Beschränkung auf in Europa produzierte Fahrzeuge müsse nun schnellstmöglich geprüft werden, verlangte die IG Metall. «Hersteller, die anderswo teils zu schlechten Arbeits- und Umweltstandards fertigen, sollten nicht von deutschen Steuergeldern profitieren.»

Umwelt / Automobilindustrie / E-Autos / Elektromobilität / Förderung / Carsten Schneider / Deutschland
19.01.2026 · 16:30 Uhr
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