Netanjahu beschwichtigt Siedlergewalt im Westjordanland – scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

In einem Interview mit dem US-Sender Fox News spielte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die zunehmende Gewalt von Siedlern im Westjordanland herunter. Er betonte, dass lediglich eine "Handvoll Kids" für die Vorfälle in dem besetzten Gebiet verantwortlich sei. Diese etwa 70 Teenager stammten aus schwierigen Verhältnissen und nicht direkt aus dem Westjordanland, so Netanjahu.
Er erklärte weiter, dass die Jugendlichen Aktivitäten wie das Fällen von Olivenbäumen verübten und versuchten, Häuser in Brand zu setzen. Solches Verhalten sei inakzeptabel und bezeichnete es als Selbstjustiz. Er distanzierte sich jedoch von einer Gleichstellung dieser Angriffe mit den über 1.000 von ihm genannten Terroranschlägen gegen israelische Siedler und deren Familien.
Die Organisation Rabbiner für Menschenrechte zeigte sich empört über Netanjahus Aussagen. Ihr Vorsitzender Avi Dabusch bezeichnete die Äußerungen in einem Post auf der Plattform X als "dreiste Lüge". Er kritisierte die Darstellung, dass 70 "Kinder aus zerstörten Häusern" in anderthalb Monaten 360 jüdische Terrorangriffe begangen hätten. Dabusch stellte die Frage, warum die israelische Armee und Polizei nicht in der Lage seien, diese "Kinder-Miliz" zu stoppen, und warf der Regierung vor, jüdischen Terror zu finanzieren und zu fördern.
Zudem beklagte Dabusch die Ernennung des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir, der als Unterstützer der Siedlerbewegung bekannt ist und eine Annexion des Westjordanlands befürwortet. Ben-Gvir wurde bereits in der Vergangenheit wegen Unterstützung von Terrorismus verurteilt.
Laut Informationen des UN-Nothilfebüros Ocha gab es seit Jahresbeginn über 1.700 Siedlerangriffe, bei denen im Westjordanland rund 240 Palästinenser ums Leben kamen. Mindestens neun dieser Todesfälle gehen auf das Konto von Siedlern. Auf der anderen Seite sind im gleichen Zeitraum 17 Israelis durch palästinensische Anschläge im Westjordanland getötet worden, darunter sowohl Sicherheitskräfte als auch Zivilisten.

