Neon Mobile: Eine lukrative App mit fragwürdigen Datenschutzpraktiken?
Nahezu ein Phänomen ist es, dass eine App, die Telefonanrufe aufzeichnet und Nutzern Geld für die Audioaufnahmen bietet, um die Daten an KI-Unternehmen zu verkaufen, es auf Platz 2 der US-amerikanischen App Store-Charts im Bereich Soziale Netzwerke geschafft hat. Dabei handelt es sich um die App Neon Mobile, die verspricht, hunderte oder gar tausende Dollar pro Jahr zu zahlen, wenn Nutzer ihre Audiogespräche freigeben.
Laut der Website von Neon bietet die App 30 Cent pro Minute, wenn ein Nutzer andere User von Neon anruft, und bis zu 30 Dollar pro Tag für Anrufe an Personen außerhalb der App. Hinzu kommen Bonuszahlungen für Empfehlungswerbung. Noch Mitte September war die App auf Platz 476 der Kategorie Soziale Netzwerke, erreichte jedoch binnen weniger Tage Platz 10, wie die Daten von Appfigures zeigen. Am Mittwoch stürmte sie schließlich auf Platz 2 der kostenlosen sozialen Apps und Platz 6 der meistgeladenen Apps insgesamt.
Neon erhebt laut seiner Nutzungsbedingungen Daten über eingehende und ausgehende Telefonanrufe, doch laut eigener Aussage wird lediglich die eigene Gesprächsseite aufgezeichnet. Die gewonnenen Daten werden an KI-Unternehmen verkauft, um deren maschinelle Lernmodelle und KI-Tools zu verbessern. Die Tatsache, dass eine solche App existiert und so populär ist, verdeutlicht, wie tiefgreifend KI in unsere Privatsphäre eingedrungen ist und wie bereitwillig manche Nutzer ihre Daten für ein Taschengeld freigeben.
Datenschutzrechtlich bewegt sich Neon in einer Grauzone. Obwohl die App rechtlich möglicherweise zulässig ist, da sie nur eine Gesprächsseite aufzeichnet und sich so den Abhörgesetzen entzieht, gibt es zahlreiche Bedenken hinsichtlich der Verwendung und Anonymisierung der Daten. Neon streitet ab, die Namen, E-Mails oder Telefonnummern der Nutzer weiterzugeben, verschleiert jedoch, wie seine Partner die Daten verwenden könnten.
Der Gründer Alex Kiam, der die App von seiner Wohnung in New York aus betreibt, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In der Vergangenheit erregten ähnliche Datenpraktiken bereits Aufmerksamkeit, beispielsweise als Facebook Teenager dafür bezahlte, eine Überwachungs-App zu installieren. Experten warnen weiterhin vor einem unbedachten Umgang mit Daten und sehen eine Gefahr in der Zustimmung zu solchen App-Datenschutzbestimmungen.

