NDR-Intendantenwahl scheitert: Rufe nach mehr Transparenz und Mitbestimmung werden laut
Die Norddeutsche Rundfunkanstalt (NDR) ist nach der gescheiterten Wahl einer neuen Intendantin mit Forderungen nach einem transparenteren Auswahlverfahren konfrontiert. Nachdem die ehemalige Bertelsmann-Managerin Sandra Harzer-Kux die notwendige Stimmenmehrheit im Rundfunkrat nicht erreichen konnte, heben Personalräte und Redaktionsausschuss den Reparaturbedarf beim Auswahlprozess hervor. Der Unmut richtet sich gegen die mangelnde Einbeziehung der Belegschaft in den Verfahren.
Es wird bemängelt, dass Mitarbeiter zwar Vorschläge für das Stellenprofil einreichen durften, jedoch anschließend nicht weiter am Prozess beteiligt wurden. Die Forderung nach einem Mitsprache- und Fragerecht für die Beschäftigten im Rundfunk- und Verwaltungsrat wird laut. Vermutungen zufolge könnten externe Kandidaten durch ein solches Recht wertvolle Einblicke in die Themen der Mitarbeitenden erhalten.
Harzer-Kux als externe Kandidatin galt nach ihrer langjährigen Tätigkeit im Bertelsmann-Konzern als Überraschung. Gewöhnlich werden hochrangige Positionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit intern aufgestiegenen Führungspersonen besetzt. Innerhalb eines Monats kann der Verwaltungsrat des NDR erneut einen Kandidaten vorschlagen, wobei diesmal eine andere Persönlichkeit präsentiert werden muss. Die nächste Sitzung des Rundfunkrats ist für Mitte Mai angesetzt.
Der Rundfunkrat kritisierte die Ein-Personen-Vorschläge des NDR-Staatsvertrags. Damit hätte der Rat keine echte Auswahlmöglichkeit gehabt. Laut Personalräten sollte der Staatsvertrag geprüft werden, um zu klären, ob zukünftige Vorschläge mehrere Namen enthalten dürften, um eine tatsächliche Wahl zu ermöglichen.
Ziel ist es, eine Nachfolge für den bisherigen Intendanten Joachim Knuth zu finden, der seinen Rückzug zum 1. September angeboten hatte. Knuth ist seit Januar 2020 im Amt und sein Vertrag läuft regulär bis Januar 2026. Bei der Abstimmung wurden 30 statt der erforderlichen 34 Stimmen für Harzer-Kux abgegeben, während 14 Gegenstimmen und 6 Enthaltungen verzeichnet wurden.
Der Rundfunkrat als Kontrollgremium, das aus Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen besteht, soll neben der Einhaltung programmlicher Vorgaben auch Rückmeldungen nach der Ausstrahlung geben. Die aktuelle Situation wirft nun Fragen zur Zukunftssicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf und verdeutlicht den Wunsch nach Veränderungen im Auswahlprozess der Führungskräfte.

