Nach Trump-Selenskyj-Treffen: Wie realistisch ist ein Ukraine-Frieden?
Optimismus aus dem Weißen Haus
Trump sprach nach dem Treffen in seinem Anwesen Mar-a-Lago von einem „grandiosen Treffen“ und verwies zugleich auf ein „exzellentes Telefongespräch“ mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Nach Darstellung des US-Präsidenten seien „95 Prozent der offenen Fragen“ bereits geklärt.
Selenskyj äußerte sich zurückhaltender, sprach aber ebenfalls von substanziellen Fortschritten. Rund 90 Prozent des zuletzt von den USA vorgelegten, auf 20 Punkte reduzierten Friedensplans seien demnach ausgehandelt. Besonders wichtig aus ukrainischer Sicht: Die Sicherheitsgarantien der USA für die Ukraine seien vollständig vereinbart.
Weitere Gespräche mit Putin geplant
Trump kündigte an, erneut mit Putin telefonieren zu wollen, um ihn über die Ergebnisse des Treffens mit Selenskyj zu informieren. Ein konkreter Zeitpunkt wurde nicht genannt, doch gilt ein baldiges Gespräch als wahrscheinlich.
In Moskau wird diese direkte Kommunikation zwischen Kreml und Weißem Haus als entscheidender Hebel betrachtet. Russische Politiker betonen seit Monaten, dass eine Lösung des Konflikts primär zwischen Russland und den USA gefunden werden müsse – ohne maßgebliche Rolle für europäische Staaten oder die Ukraine selbst. Diese Haltung unterstreicht den Machtanspruch Moskaus in den Verhandlungen.
Arbeitsgruppen sollen Details klären
Vor einem möglichen Gipfelabschluss stehen nun Verhandlungen auf Arbeitsebene an. Geplant sind getrennte Gespräche der USA mit Russland und der Ukraine. Nach Angaben Selenskyjs werden in den kommenden Wochen weitere Treffen zwischen einer ukrainischen Delegation und US-Diplomaten stattfinden. Für Kiew verhandelt derzeit der Sicherheitsratssekretär Rustem Umjerow.
Parallel dazu wird eine amerikanisch-russische Arbeitsgruppe gebildet. Auf russischer Seite dürfte erneut Kirill Dmitrijew eine zentrale Rolle spielen. Für die USA sind unter anderem Trumps Unterhändler Steve Witkoff, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth vorgesehen.
Europa sucht eigene Position
Selenskyj stellte zudem ein weiteres Treffen mit Trump im Januar in Aussicht, an dem auch europäische Partner teilnehmen könnten. Zuvor wollen sich die europäischen Staaten untereinander abstimmen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte ein weiteres Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ in Paris an, um den europäischen Beitrag zur Unterstützung der Ukraine zu konkretisieren.
Territorialfragen bleiben der Knackpunkt
Inhaltlich bleibt vieles offen. Weder Trump noch Selenskyj äußerten sich öffentlich zu konkreten Grenz- oder Gebietsfragen. Genau hier liegt jedoch der größte Konflikt. Russland fordert weiterhin die vollständige Kontrolle über die Region Donezk, einschließlich strategisch wichtiger Städte wie Slowjansk und Kramatorsk.
Die Ukraine lehnt Gebietsabtretungen strikt ab. Diskutiert wird allenfalls eine demilitarisierte Zone, sofern auch Russland seine Truppen zurückzieht. Signale aus dem Kreml deuten derzeit jedoch nicht auf Kompromissbereitschaft hin. Putin hat zuletzt mehrfach betont, an seinen Kriegszielen festzuhalten und diese notfalls militärisch durchzusetzen – verbunden mit der Drohung, die Bedingungen für einen Frieden weiter zu verschärfen.
Vorsichtiger Fortschritt, kein Durchbruch
Nach dem Treffen von Trump und Selenskyj ist Bewegung in den Verhandlungsprozess gekommen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob aus diplomatischem Optimismus belastbare Vereinbarungen entstehen. Solange die Territorialfragen ungelöst bleiben und Russland an maximalen Forderungen festhält, bleibt ein tatsächlicher Durchbruch jedoch unsicher.


